Zimtzicke schrieb:Man merkt IMO L.A. Noire sofort an, dass es vom Prinzip her erstmal einem GTA gleicht. Das ganze Grundgerüst gleicht einem "normalen" Open World-Action-Adventure.
Leg noch mal GTA oder RDR ein. L.A. Noire hat eine völlig andere Spielstruktur. Ich bin am Anfang eines Falls im Revier und durchlaufe dann die recht lineare Handlung des Falls, ist der Fall abgeschlossen gibt es einen Zeitsprung und es geht von vorne los.
Willst du das echt mit einem Sandboxtitel wie GTA vergleichen, wo ich quasi dauernd in der Spielwelt bin und eine nichtlineare Reihe von Missionen und Quests erledige oder anderen Aktivitäten außerhalb der Story nachgehe?
Dieses "Korsett" ist allgegenwärtig und hindert IMO das Spiel auch daran, mehr zu sein. Das Korsett sorgt nämlich bspw. dazu, dass die Geschichten IMMER linear sind.
Dass die Story linear ist, hat nichts mit der offenen Spielwelt zu tun. Im Gegenteil, es gibt nicht lineare Stories in offenen Spielwelten. Vermutlich sogar häufiger als bei Schlauchspielen, man schaue sich nur mal an, was Bioware und Co machen. Bei L.A. Noire hat man sich bewusst dagegen entschieden. Die lineare Story (was den Ausgang der meisten Fälle angeht, der Verlauf der Verhöre ist nicht linear!) hätte man sicherlich auch anders machen können, das kann man kritisieren, aber es hat imo nichts mit der offenen Spielwelt zu tun.
Also ich finde die Fälle spannend. Und L.A. Noire ist eigentlich stilistisch ein Paradebeispiel für einen klassischen(!) Krimi, wie er in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erzählt wurde. Die Fälle sind so typisch, dass man sie mit etwas Gehässigkeit als Cliché abtun könnte.Ich tuh' mich auch mit dem Begriff Krimispiel schwer. Für Krimi fehlt der Handlung (pro Episode und auch global) z. b. ein wichtiges Element: Spannung.
Keine Frage. L.A. Noire macht als Krimispiel vieles falsch. Es wäre schön, wenn hier im Treff über genau diese Punkte diskutiert würde, anstatt dauernd die "Zu wenig Gameplay"- oder die "Scheiß Open World"-Keule zu schwingen.Zusätzlich verschenkt der Titel IMO enormes Potential beim Storytelling und bei den Charakteren.
Und welchen Einfluss hat das Geballer in Mafia II auf das Spiel, welchen Einfluss haben die Rätsel in Monkey Island auf das Spiel, welchen Einfluss haben die Verfolgungsjagden in Driver auf das Spiel? Richtig, nur einen einzigen: Dass die Story so lange nicht weiterläuft bis man die entsprechenden Gameplayabschnitte erfolgreich abgeschlossen hat.Ich persönlich empfinde es eigentlich so wie ein Mafia II, wo der Action-Anteil runtergeschraubt wurde und das Dialog-System eingebaut wurde, es aber keinen Einfluss auf's Spiel nimmt.
Quantic Dream in allen Ehren, ich mag diesen Ansatz des Spieldesigns sehr gerne. Aber es ist auch Raum für andere Arten von Spielen.
Edit @Glod: Wenn du für dich entschieden hast, dass L.A. Noire nicht dein Spiel ist, dann ist das doch in Ordnung. Es ist völlig klar, dass der Titel nicht jedem gefällt, in diesem Fall sogar eine sehr spezielle Zielgruppe anspricht.



