in letzter zeit zocke ich nicht viel. wahrscheinlich sind meine ansprüche mit der zeit gewachsen oder vielleicht passten sich meine ansprüche nur an die freie zeit an, die mir im stressigen alltag bleibt.
so oder so, ich habe mich auf la noire gefreut. es schien ein spiel zu werden, das story und atmosphäre mit intelligentem gameplay, mit manuellen recherchen, mit beobachtung und geschick verband, und das noch in einer frei befahrbaren stadt.
für mich persönlich sind das die besten voraussetzungen für ein spiel.
doch was passierte mit den hoffnungsvollen zutaten als sie zusammengemischt wurden? man kann es sich denken. sie wurden auf höchster stufe püriert, es entstand ein klebriger breiartiger teig und der wurde dann mit vielen bunten förmchen ausgestanzt - die kekse unterschieden sich schon voneinander, schmeckten aber alle gleich und irgendwie nicht sonderlich gut, geschweige denn besonders. süß, aber langweilig.
was erzähle ich da eigentlich? das spiel trennt seine elemente so strikt, das es leicht durchschaut wird. überraschungen gibt es keine, sagen wir sehr wenige, ach, wahrscheinlich waren's keine. und das in einem interaktiven thriller.
- ah, ich fahre auto. mir kann jetzt nichts passieren. ach, doch, es drückt meine endwertung für das kapitel, wenn ich einen unfall baue. puh, zum glück kann man die fahrten überspringen. wir wollen uns ja das S-rating holen.
- ah, ich bin angekommen. investigationszeit. investigation, das heißt, ich laufe herum und drücke auf einen knopf, um hinweise zu erhalten. keine sorge, die szene ist statisch. es wird unter keinen umständen auch nur das geringste passieren. einfach laufen und warten bis der controller vibriert.
- ah, die 'du bist fertig'-melodie. kommen wir zur nächsten phase. dem verhör. das ist der spielerisch interessanteste teil. denn teilweise lässt sich die (sehr realistische!) mimik wirklich schwer interpretieren. ist der zeuge nervös, weil er befragt wird oder lügt er? helfen mir die hinweise dabei seine lügen zu entlarven?
leider nutzt sich auch das system schnell ab, weil es immer gleich abläuft und die meisten aussagen leicht zu beurteilen sind. impulsive, direkte aussagen sind wahr, schaut sich der zeuge nervös um und wird schwammig, lügt er. die passenden hinweise zu finden, ist dann meist das geringste problem.
etwas mehr phoenix wright, dazu die dynamik eines heavy rain und wir hätten ein sehr interessantes gameplayelement, das ich gerne wiedersehen würde.
- fertig? nein. wir haben noch die letzte phase vor uns. wir fahren zum verdächtigen und verfolgen, schlagen und/oder töten ihn. no alarms and no surprises.
an dieser stelle, spoilere ich meine wertung. 7,5. denn der spielerischen anspruchslosigkeit außerhalb der verhöre, dem stillleben-gameplay und dem immer gleichen ablauf der immer gleichen elemente stelle sich einige positive aspekte auf der ebene der geschichte und derer erzählung entgegen.
wisst ihr was das tolle an filmen noirs ist? ja, okay, die atmoshpäre. aber wo entspringt sie? ja, also nein, eben nicht nur durch schwarz-weiß-filme, regen, trenchcoats und whiskey. auf diese oberflächlichen elemente könnte ich getrost verzichten. ich liebe es, wie das ganze drumherum, die ganze stadt, die menschen, die politik in unspektakulären dialogen mitschwingt. die elemente sind sehr subtil und trotzdem hat man das gefühl das ganze leben in der stadt zu erfassen.
und ähnlich erging es mir in la noire. ich habe die dialoge mit den partnern im wagen sehr genossen, die briefe, das verhalten gegenüber verbrechern, gegenüber anderen beamten. das spiel bietet mehr als nur diese mordfälle, es stecken viele anspielungen auf die damalige zeit, ihre macken und fallen, darin. der american dream in hollywood, die korruption der politik. das sind noch lange kein mulholland drive und kein chinatown. aber diese indirekte geschichtenerzählung, auch in den persönlichen schicksalen der beteiligten, hat mir sehr gefallen.
die mainstory fand ich dann wiederum etwas schwächer. die flashbacks und allgemein die charakterzeichnung von phelps, aber auch von den anderen beamten, fand ich gelungen. andere charaktere waren dann wieder simpler gestrickt, oftmals aber interessant. dazu zähle ich auch die täter/verdächtigen, die zwar selten vielschichtig, dafür aber sehr unterschiedlich ausfielen und deren motive (meist) logisch und nachvollziehbar waren.
die ganze geschichte hatte ihre höhepunkte. davon aber zu wenige. in einem thriller erwarte ich, dass in jeder szene (hier in jedem kapitel) etwas entscheidendes passiert. hier waren mir die sprünge zur aufklärung der (großen) fälle zu klein und die aufklärung selbst zu belanglos. die storytwists waren leider nicht gut inszeniert.
ich will langsam schluss machen. la noire ist für mich ein spiel, das zu viele schwächen im gameplay aufweist. als interaktiver film versucht es dennoch spielerische elemente einzubauen, die sind aber zu unflexibel und behindern die inszenierung. die sehr guten ansätze in den verhören werden nicht zu ende gedacht und sind zu uninspiriert um auf dauer zu überzeugen.
die story sieht in der nahaufnahme sehr gut aus. viele details, viele interessante informationen, doch überblickt man den ganzen verlauf der geschichte, fehlen die großen ideen. die atmosphäre keimt in den dialogen, der musik, den interessanten fällen auf, doch erstickt leider in der routine und der starrheit des spiels.
ein spiel, das einen eigenen, unbekannten weg geht. das leider so oft, das schnell ein trampelpfad ausgetreten wird, den man nach einigen fällen gerne wieder verlassen würde. 7,5/10
übrigens: hallo