Hab's ja seit gestern und meine ersten drei Karriere-Rennen im Williams sind absolviert. Daher wirkliche
Ersteindrücke und Meinung zum Spiel:
Wenn man die Karriere in F1 2011 startet, hat sich augenscheinlich nicht viel im Vergleich zum Vorgänger getan. Einzig Hermann Schneider ist

pur! Wie man sowas verbrechen kann, bleibt mir schleierhaft.
Die Grafik hat sich leicht verbessert, würde ich sagen. Allerdings auch nur in Details. Reflexionen und Lichteffekte wirken hübscher. Es läuft im Rennen sehr flüssig, auch am Start, wenn alle Autos auf dem Screen zu sehen sind. Einzig wenn ich aus der Box eine fliegende Runde anwähle kommt die Engine seltsamerweise immer kurz (ca. 1 bis 2 Sekunden) ins Stottern. Sound ist gut. Die Entscheidung, garkeine Hintergrundmusik zu benutzen begrüsse ich.
Technisch hat sich also nicht wirklich viel getan. Wer auf grosse Sprünge gehofft hat, wird enttäuscht sein.
Ich beginne mein erstes freies Training in Melbourne. Und spätestens hier unterscheidet sich F1 von Codemasters von anderen Rennspielen. Nicht nur, dass es endlich mal einen Racer mit einer Trainingseinheit gibt (Setup ausprobieren dauert eben...), so MUSS man bei der F1 fast das gesamte Training nutzen, um überhaupt halbwegs die Strecke zu kennen. Ich behaupte mal (das galt dann natürlich auch für den Vorgänger!), dass man Tage und Wochen damit verbringen kann, eine einzige Strecke wirklich zu beherrschen. Und selbst dann findet man noch Ecken, wo man Zeit liegen lässt, wo man den idealen Bremspunkt immer noch nicht gefunden hat. Das liegt zum einen an der Streckencharakteristik, die einfach anders ist als bei GT oder Forza. Das liegt aber auch an den Autos. Ein F1-Auto beschleunigt und bremst ganz anders, viel extremer als die Supersportler aus gängigen Spielen. In Forza und GT fahre ich nach wenigen Runden sehr gleichmässig und kontinuierlich schnell (oder langsam, je nachdem...

). Bei F1 2011 braucht es selbst nach Training und Quali höchste Konzentration, um im Rennen seine eigene Pace zu finden. So ist jedenfalls mein Eindruck.
Die Fahrphysik ist mMn gelungen. Wie gut sie wirklich ist, kann ich kaum beurteilen, da ich noch nie in einem Formel-Auto gefahren bin. Sie vermittelt jedenfalls das Gefühl,
richtig zu sein. Auch mit "digitalem" Gaspedal kommt man in F1 nicht weit. Man muss vor Kurven stark abbremsen, die Bremse muss aber frühzeitig wieder gelöst werden, damit das Auto überhaupt wieder richtig einlenkt. Und dann muss man selbst bei mittlerer Traktionskontrolle sehr sachte Gas geben, sonst ist das Heck weg. Ja, das ist bei Forza und GT auch so, aber (wieder) nicht so extrem. Wie das bei gänzlich deaktivierten Fahrhilfen ist, will ich als Pad-Spieler garnicht wissen...
Die virtuelle Idelallinie finde ich bisher nicht sonderlich gelungen. Normalerweise bin ich es in Spielen gewohnt, immer weit nach dem roten Bereich der Linie abbremsen zu können. In F1 nicht. Meistens muss ich sogar bereits im grünen Bereich mit Bremsen anfangen, da ich sonst nicht richtig flüssig in die Kurve komme. Da wird sich aber im Laufe der Rennen noch zeigen, ob das nicht auch an meinem Fahrstil liegt.
Ach ja, ich fahre mit ABS, mittlerer Traktionskontrolle und Ideallinie. Die Ideallinie und Traktionskontrolle werde ich im zweiten Jahr vielleicht deaktivieren.
Bugs und Freezes hatte ich bisher
keine. Ich habe den Vorgänger ja vorzeitig abgebrochen und verkauft, weil es teilweise einfach unspielbar war.
Bisher ist mir deartiges noch nicht aufgefallen. Die Top-Teams und Fahrer liegen vorne, die KI funktioniert ganz ordentlich, auch wenn es teilweise schon sehr statisch wirkt. Reifen und Sprit scheinen besser zu funktionieren, KERS und DRS wirken harmonisch integriert, auch wenn DRS beim DS3 mit der Dreieck-Taste etwas ungünstig liegt. Aber da man das Pad afaik frei konfigurieren kann, werde ich mich daran auch noch geben. Auch mit dem Strafen-System scheinen sie aufgeräumt zu haben. Ich habe gestern in Melbourne eine Verwarnung wegen Abkürzens bekommen, in Kuala Lumpur musste ich in der Startaufstellung 10 Plätze zurück, weil ich Felipe Massa im strömenden Regen ins Heck gerauscht bin.

Es kann also gut sein, dass es da noch die ein oder andere Ungereimtheit geben wird. Wird mich ein Save-Bug ereilen, werde ich kotzen! Aber bisher läuft das sehr viel runder als noch der Vorgänger.
Aufgefallen ist mir, dass die KI im Regen extrem langsam und vorsichtig fährt. Ist das bei euch auch so? Auch die Gischt-Effekte im Regen sind IMO nicht ausgeprägt genug.
Die Boxengasse ist wieder total langweilig animiert und leer. Schade, da hätte man viel mehr Betrieb und "Gewusel" einbauen können/müssen.
Alles in allem bin ich positiv überrascht. Es gibt Punkte, da merkt man immernoch, dass Feinschliff fehlt. Aber bei aller Kritik sollte man auch nicht vergessen, dass es ein
Spiel ist. Der Spagat zwischen knochentrockener Simulation und Rennspiel ist schwer, vor allem, wenn man ein breites Publikum ansprechen will, von dem vielleicht 10% der Spieler auf richtige Sim Lust haben. Zumal es Millionen von Parametern in der F1 zu berücksichtigen gilt. 10 Kilo Gewichtsdifferenz haben enorme Auswirkungen, alleine die Balance durch den leerer werdenden Tank...
Ich habe hier viel Kritik über F1 2011 gelesen. Teilweise kann ich sie auch nachvollziehen. Andererseits überzeugt F1 aber auch bei den mir wichtigen Dingen. Ich glaube, es war MouseMan der schrieb, dass er mit F1 2010 ein ganzes Jahr verbracht hat. Das geht ohne Probleme, denn die Strecken und Autos wollen gelernt werden. Erst spät bekommt man das richtige Gefühl für Bremspunkte und Gaspedalstellungen, weil eben in der F1 alles viel extremer ist wie in einer Corvette oder einem Lambo auf Laguna Seca (Kuala Lumpur z. B. ist wirklich schwer zu beherrschen).
Jetzt habe ich so viel geschrieben... Quintessenz dürfte sein, dass man IMO an F1 ganz anders rangehen muss als an Forza oder Gt, um das volle Potential auszuschöpfen. Vielleicht verstehen ja einige, wie ich das meine...
