Schumacher wollte einen dritten Ferrari
Hätte man Ferrari erlaubt, ein drittes Auto einzusetzen, dann würde Michael Schumacher jetzt nicht im Mercedes-Silberpfeil sitzen
(Motorsport-Total.com) - Als sich Michael Schumacher die Chance bot, nach dem Unfall von Felipe Massa im Sommer 2009 ein Comeback in der Formel 1 zu geben, bekam er tatsächlich Lust auf eine Rückkehr, obwohl diese im ersten Versuch scheiterte. Doch wenige Monate später war er wieder topfit, sodass er einen Rennvertrag beim neuen Mercedes-Werksteam unterschreiben konnte.
Dabei war die erste Idee offenbar, auf einen dritten Ferrari zu hoffen. Wäre dieser je gekommen, dann wäre der 41-Jährige "auf jeden Fall" in Maranello geblieben, wie sein langjähriger Manager Willi Weber gegenüber 'Auto Bild motorsport'
verrät: "Die Bindung war und ist extrem stark. Deshalb war es auch nicht einfach für ihn, sich von Ferrari zu trennen. Aber er hat eben die Möglichkeit genutzt, die man ihm bei Ferrari nicht bieten konnte."
Sofortigen Erfolg bei Mercedes erwartet Weber nicht: "In diesem Jahr braucht er Zeit, um die Mannschaft hinter sich zu bringen, jeden Einzelnen kennenzulernen und dieses starke Paket, das er bei Ferrari hatte, wieder aufzubauen. Deshalb ist dies ein Eingewöhnungsjahr. Nächstes Jahr wird der Titel geholt und im dritten kommt die Kür." Sollte sich diese Prognose bewahrheiten, dann würde Schumacher als neunfacher Weltmeister abtreten.
Die ersten Gespräche über ein Comeback fanden übrigens wie von Eddie Jordan enthüllt beim Saisonfinale 2009 statt: "Beim Grand Prix in Abu Dhabi hat er mir erzählt, Ross Brawn habe laut gedacht, dass es vielleicht eine Möglichkeit gäbe, zu fahren", so Weber, der über die Comebackpläne anfangs nicht allzu begeistert war. Allerdings hatte er eigenen Angaben nie vor, seinen Schützling zu irgendetwas zu überreden.
"Ich überlasse solche Entscheidungen ihm", gibt Weber zu Protokoll und fügt optimistisch an: "Ich weiß, was er kann - und wenn er sich für ein Comeback entscheidet, weiß er genau, was er tut. Denn dann hat er sich das 100 Mal überlegt. Und als er mir seine endgültige Entscheidung zu Hause in Genf mitteilte, hatte die Sache schon so eine Eigendynamik entwickelt, da gab es eigentlich gar kein Zurück mehr."
Stewart: Schumacher braucht noch Zeit
Ex-Weltmeister Jackie Stewart glaubt an Erfolge von Comeback-Superstar Michael Schumacher bei Mercedes, aber nicht sofort
(Motorsport-Total.com) - Der ehemalige Weltmeister Jackie Stewart ist begeistert über das Formel-1-Comeback von Michael Schumacher bei Mercedes, glaubt aber nicht, dass die deutsche Kombination sofort Erfolg haben wird. Der Brite traut dies Schumacher/Mercedes zwar zu, rechnet jedoch mit einer Eingewöhnungsphase.
"Vielleicht wird es ein Jahr dauern, um das Auto auf Speed zu bringen", wird Stewart von 'PA Sport' zitiert. "Das Auto ist möglicherweise nicht so gut wie die, die Ferrari und McLaren dieses Jahr produziert haben. Schumacher ist aber so erfahren und so gut darin, die Leute zu koordinieren, dass die Performance bald besser werden müsste. Ich sehe ihn anfangs nicht in der ersten Startreihe, aber man darf ihn bestimmt nicht abschreiben."
"Es ist fantastisch für den Motorsport, dass er wieder da ist, denn er zieht jetzt am meisten Interesse auf sich. Fernando Alonso in einem Ferrari wird schwer zu schlagen sein. Dann ist da Jenson als Weltmeister und Lewis, der sich den WM-Titel zurückholen will. Dass das mit dem Schumacher-Comeback zusammenfällt, stachelt sie meiner Meinung nach sicher zusätzlich an", analysiert der 70-Jährige.
Stewart ist sich sicher, dass die aktuelle Formel-1-Generation um Sebastian Vettel und Co. die Legende Schumacher unbedingt schlagen möchte, weil es wahrscheinlich die letzte Gelegenheit dazu ist: "Wollen die sich wirklich von einem 41-jährigen Kerl schlagen lassen, der schon weg vom Fenster war? Er wird zurückkehren und sagen: 'Ich weiß noch, wie das geht, ich weiß noch, wie man die um den Finger wickelt!'"