Zwischenfazit nach einigen Stunden:
Als erstes muss ich meine bisherigen Aussagen betreffend KI korrigieren: diese gewinnt zwar keine Preise, ist aber durchaus solide und in etwa auf dem Niveau der Vorgänger. D.h., man kommt ganz gut durch die Rennen, wenn man sich selber an die Regeln hält. Nur selten wird man grundlos von der Strecke befördert oder fährt jemand von hinten auf – der erste Abend war da scheinbar ein echter Ausrutscher. Man merkt aber deutlich, dass Codemasters darum bemüht war, den digitalen Kollegen etwas mehr Aggressivität zu spendieren, was ihnen nur teilweise gut steht (in der Regel eher in offensiven denn defensiven Manövern). Diesbezüglich bleibe ich bei meiner initialen Aussage: Das macht nur bei wirklich guten KIs Sinn und davon ist F1 2018 ebenso weit weg wie die meisten anderen (Konsolen) Racer.
Zum Fahrverhalten: Ich bin bisher nur mit Pad gefahren. Auf den ersten Blick merke ich kaum Unterschiede zu der Steuerung von 2017, wo ich wiederum kaum etwas im Vergleich zu 2016 merkte.... Das liegt aber wohl primär am Umstand, dass vom Pad konstruktionsbedingt nur sehr wenig Feedback zurück kommt (gerade wenn man ein gutes Wheel gewohnt ist). Dafür, dass an der Steuerung gut gearbeitet wurde, spricht aber der Umstand, dass ich das Auto sehr viel besser auf der Strecke kontrollieren kann. Meine Ausflüge in die Botanik – ja sogar kleinere Fehler – grenzen mittlerweile gegen null – sie sind sicherlich deutlich weniger geworden als bei den Vorgängern. Absolut saubere Rennen über 10 oder 20 Runden sind keine Seltenheit mehr; so mag ich das. Ich habe die ersten drei Karriererennen hinter mir und ich habe auf allen drei Strecken Kurven, welche mir in der Vergangenheit mehr Schwierigkeiten gemacht haben, als in F1 2018. Dass das Fahrverhalten dabei schlicht einfacher geworden wäre, kann ich aber nicht sagen. Nach wie vor schwierig gestaltet sich der Gasfuss bei TC off; ich bleibe dabei: Für Padfahrer empfiehlt sich hier die TC auf mittel zu stellen. Anderenfalls wird es – zumindest für mich – sehr schwierig gegen die KI auf höheren Stufen. Für mich kommt die Fahrbarkeit mit Pad und TC auf mittel beinahe an einen perfekten Kompromiss aus Anspruch und Zugänglichkeit hin. Ich bin sehr auf die Wheelsteuerung gespannt – was ich bisher so gelesen habe, soll sie nach wie vor deutlich entfernt von den Genregrössen sein, allerdings soll der altbekannte inputlag minimiert worden und das FFB immerhin verbessert worden sein; nun ja, wir werden sehen. Das werde ich sicherlich noch testen, sobald ich ein paar Informationen über den triple support gefunden habe; davor scheue ich mich vor dem (Vollpreis-) Kauf eines weiteren Exemplars für den PC.
Etwas unglücklich bin ich mit den Kameras bzw. mit Halo. Ich habe mich grundsätzlich zu 100% an den Kopfschutz gewohnt und finde ihn mittlerweile sogar optisch o.k. Die Schönheit von Rennwagen definiert sich deutlich anders als von Strassenwagen. Da können mir gar Schrankwände am Heck, Penisnasen, Nasenbuckel, Geländer um den Piloten und andere Designverbrechen mit der Zeit ans Herz wachsen – nur ein komplett geschlossenes Cockpit fände ich seeeehr schade. Das Problem mit Halo in Games ist einzig die Kamera: In der (versetzten) T-Cam (die ich am TV bevorzuge; am PC im triple dann klar Cockpit) werden die Spiegel je nach Fahrzeug verdeckt durch den Halo. Ein Spiel ohne funktionierende Spiegel ist für mich aber ein absolutes no go. Die Kamera lässt sich zwar vielfältig einstellen, aber es gibt einfach Fahrzeuge, da gibt es kaum vernünftige Einstellungen. Eine perfekte Lösung fällt mir auch nicht ein, aber als Notnagel könnte man wenigestens einen virtuellen Rückspiegel anbieten. Vielleicht werde ich aber einfach auch am TV in die Cockpit view wechseln, das wäre ja eigentlich für meine Ansprüche („ich brauche Spiegel!“) nicht mehr als konsequent.
Die Karriere verläuft bisher in bekannten Bahnen. Die Interviews haben mich schon nach wenigen Minuten genervt (brauchen aber zum Glück nicht viel Zeit), die Kommentatoren vor und nach dem Rennen sind schlecht und unpassend wie eh und je. Ansonsten ist das ganze nett wie bereits letztes Jahr – trotzdem hätte ich mir ein klein wenig mehr Innovation und v.a. Interaktion gewünscht. Warum kann man sich z.B. nicht frei in der Box bewegen und auf diese Weise das Menü bedienen (zur Strecke, ins Motorhome, zu den Strategen...). Das Gefühl zu haben, wirklich an der Rennstrecke zu sein würde mir sehr viel mehr bringen als halbgare Interviews... Dennoch ist der Karrieremodus nach wie vor ein Highlight des Spiels. Auch etwas mehr Innovation bei den Testprogrammen wäre nett gewesen: So spult man halt Weekend für Weekend dieselben Programme ab, um die Punkte für die Entwicklung des Autos zu ergattern. Wie bereits gesagt stört mich auch die total uninspirierte Helmauswah (ein grosser Marienkäfer auf dem Helm – echt jetzt?): Ich wünschte mir die Möglichkeit, aus den aktuellen F1-Helmen auszuwählen und z.B. auch die Auswahl von ein Paar Legenden Helmen zu haben (Schumacher, Senna, Prost etc.). Zumindest aber will ich Helme, die nicht aussehen, als stammten sie aus dem 37. Sparkassen Malwettbewerb.
Die classic cars sind zum einen nett (gestern bin ich den 2010er Red Bull RB6 gefahren – dieser Sound!), allerdings werden diese lediglich so arcademässig eingesetzt (überhole 5 schwächere Fahrzeuge, welche einen Vorsprung haben, innerhalb von drei Runden; Checkpointrennen, wo man jeweils Zeitboni erhält...). Das ist mir zu wenig und wird den tollen Wagen nicht gerecht. Wahrscheinlich wird das ein Lizenzproblem sein, aber ich hätte lieber z.B. eine Saison oder eine Ära von wenigen Jahren, wo dann Fahrzeuge mit ähnlichen Leistungsdaten in einem „echten“ Rennen gegeneinander antreten könnten. Ein (wohl kaum zu realisierender) Traum wäre eine komplette Saison (irgendwann Ende 80er/anfangs 90er)... Auch eine gute Idee wäre, wenn Codemasters einen Karrieremodus aller Jahre anbieten würde, für die sie schon F1-Games rausgebracht haben (2009 bis 2018). So im Sinne von F1 Challenge 99-02 damals von EA: Man könnte dann in der Saison 2009 mit den damaligen Fahrzeugen anfangen und sich über die Jahre bis 2018 durch eine Karriere kämpfen. Wäre natürlich ein Mehraufwand, aber ich wäre auch gerne bereit, zusätzlich für jede Saison als dlc etwas hinzublättern...
Grafisch und soundmässig geht es in kleinen Schritten vorwärts wie eh und je. Gerade auf der PS4pro hätte ich aber nicht erwartet, mich noch mit low res Rückspiegeln und Ähnlichem rumschlagen zu müssen – das ist schade. Insgesamt ist die audiovisuelle Umsetzung aber grundsolide, auch die Performance.
Braucht man nun F1 2018? Ich definitiv, denn ich will mit den aktuellen Lizenzen fahren und schätze die Detailverbesserungen der Steuerung. Wem das egal ist und wer mit dem Halo-Dings ohnehin nichts anfangen kann, der kann aber gut und gerne bei F1 2017 bleiben. Ist wie bei allen Sportserien auf einem gewissen Niveau: Die Schritte vorwärts sind sehr überschaubar.