Man sollte nicht alles auf die Arcade-Vergangenheit zurückführen, damit blendet man im Grunde Jahrzehnte der Spieleentwicklung auf den Heimcomputern aus, welche mit dem Münz-Konzept null am Hut hatten. Klar gab es dort portierte Konzepte von Arcade-Spielen, aber auch Rollenspiele und Adventure, welche nichts mit der Häppchen-Unterhaltung zu tun hatten. Und genau hier liegt der Punkt. Das waren Spiele die teilweise nichts erklärt haben, bzw. ihre Erklärung in Hand- und Begleitbüchern, Landkarten und anderen Beilagen versteckten. So was wie ein Quest-Log war eine Seltenheit, Informationen mussten mitgeschrieben und ein erwähnter Ort gefunden werden. Diese Spiele waren wirkliche Abenteuer mit denen man sich befassen musste, es ging nur weiter je mehr sich der Spieler selbst investierte und diese Einstellung war eine Norm über viele Jahrzehnte, auch auf den Konsolen. Und genau auf diese Ära bezieht sich ein Souls oder Nioh, nicht auf die Arcades.
Genau genommen ist der seichte und massentaugliche Anspruch heutiger Spiele genau das was damals die Arcade-Games waren, mit überschaubaren Konzepten und Anzeigen. Zeit war damals genau so begrenzt, wer sich nicht in komplexe Rollenspiele, Strategie oder Adventure wühlen wollte, der spielte halt ein paar Runden Super Mario oder Pac-Man. Nur je beliebter Videospiele wurden, desto massentauglicher mussten sie auch werden und möglichst niemanden überfordern. Deswegen wird uns auch mittlerweile jeder Scheiß nur noch vorgekaut. Ein Ort muss nicht mehr gefunden werden, man läuft lediglich der Markierung entgegen. Eine Aufgabe muss nicht mehr verstanden werden, die Lösung steht bereits in der Questbeschreibung. Gehen dir gewisse Items aus werden sie dir hinterhergeschmissen, stirbst du im Spiel ist das nur noch eine Lappalie. Konsequenzen werden immer weiter eliminiert und damit auch ein gewichtiger Spiele- und Motivationsfaktor.
Leute spielen kein Souls oder Nioh weil sie gerne sterben, Leute spielen diese Spiele weil sie sich durch diese Gewichtung wieder motivieren können. Eine Motivation die nicht daraus besteht, dass man möglichst viel Sammelkram erledigt oder eine spektakuläre Sequenz freischaltet, sondern eine wirkliche Aufgabe bewältigt, einen Boss besiegt, eine Geschichte erleben und Gebiete erforschen und das mit einem Minumum an Hilfestellungen. Nicht jedes Spiel muß diesen Anspruch haben, aber es gibt halt immer noch wenig Alternativen. Gerade die Spiele großer Firmen definieren mittlerweile Anspruch nur noch über die einstellbaren Hitpoints ihrer Gegner, das vorgekaute Gameplay bleibt trotzdem. Wenn jemand heutzutage keine Zeit oder Lust auf solche Hürden hat dann ist das völlig ok, nur der Hang zum Anspruch, die Lust auf Konsequenzen und wirklichen Aufgaben ist bei weitem kein seltsamer, elitärer Masochismus, sondern einfach nur die Rückbesinnung und das Verlangen nach alten Videospielwerten.