Der erste Lockdown im Frühjahr hat mir überhaupt nichts ausgemacht. Wir mussten zwar ab Mitte März für 2 Monate zu 100% in Kurzarbeit und danach bis Juli zu 50%, aber das KUG wurde vom AG aufgestockt und ich habe noch auf 450 Euro-Basis bei einer Textilfirma gearbeitet, die Schutzanzüge importiert hat. Dadurch hatte ich finanziell keine Einbußen.
Privat war der erste Lockdown auch positiv, da ich sehr viel Zeit mit meiner (damaligen) Freundin verbringen konnte. Ansonsten hätten wir uns nur am Wochenende gesehen, so praktisch jeden Tag, da sie Online-Vorlesungen hatte und in ich KA war. Durch das schöne Wetter auch viel Zeit draußen verbracht und viel gewandert, Sport gemacht und Fahrrad gefahren.
Auch der Sommer war super, selbst der Urlaub in Kroatien und Italien war ohne große Einschränkungen und wir konnten z.B. Venedig erkunden ohne von Menschenmassen tot getrampelt zu werden.
Der jetzige Lockdown macht mir nun aber richtig zu schaffen. Freundin hat sich im September von mir, aus dem Nichts, getrennt. War ne harte Zeit, 10 Kilo abgenommen, doch durch Fußballtraining und Spiele wenigstens noch Ablenkung und Zeit mit Freunden. Job war eher mäßig, da sehr wenig zu tun war und ich fast schon Bore-out hatte.
Als dann im November der Lockdown kam, kein Vereinssport mehr möglich war und wir gezwungen waren Urlaub und ÜS abzubauen und uns auf KA ab Dezember einstellen mussten, dann war es wirklich heftig. Jeden Abend zu Hause sitzen, keine Motivation zum zocken, Filme oder Serien schauen und ständig nur Gedanken an die Ex und die "unsichere" Zukunft. Das war echt heftig!
Meine Mom betreibt bei uns im Dorf ein kleines Restaurant. Sie ist zwar auch hart von dem Lockdown betroffen, aber sie ist finanziell gut aufgestellt und hat nur zwei Angestellte auf 450 € Basis, von dem her alles verkraftbar. Durch die Novemberhilfe, sobald sie mal ausgezahlt wird, entsteht da kein finanzieller Schaden. Sie bietet am Wochenende auch Essen zum Mitnehmen an, was im Dorf sehr gut angenommen wird. Da helfe ich ihr auch in der Küche aus.
Ich vermisse es einfach unter der Woche abends zum Training zu fahren, danach noch 1-2 Bierchen mit den Jungs zu trinken und am Wochenende ein Spiel zu haben. Zudem dann noch Abends mal in ne Kneipe, gemütlich mit Freunden zusammen zu sitzen und zu reden. Einfach der soziale Kontakt.
Gibt aber auch positive Dinge aus dieser, für mich, harten Zeit. Ich hab mal wieder gemerkt, was für ein toller Rückhalt meine Familie ist und der Zusammenhalt in der Familie ist noch stärker geworden. War damals beim Tod meines Vaters so und jetzt wieder. Durch Krisen merkt man erst wie wichtig das ist!
Zudem hat sich für mich ein sehr guter und wichtiger Freund aufgetan, mit dem ich so nicht gerechnet hatte. Einer aus meiner Mannschaft, mit dem ich mich immer gut verstanden habe, aber außerhalb des Fußballs nicht wirklich viel zu tun hatte, ist mittlerweile einer meiner besten Freunde. Er hat die Trennung hautnah mitbekommen, da er uns beide gut kannte und es einige Überschneidungen zwischen Ihrem und seinem Freundeskreis gibt. Er war wirklich von Anfang an für mich da, wir haben stundenlang geredet, auch über seine privaten Probleme und auch jetzt kommt er abends oft mal durch, um ein Bier zu trinken oder Fußball zu schauen. Hätte ich so niemals von ihm erwartet und ist für mich das Beste, was 2020 passiert ist!