Sie untersuchen seit Jahren, wie das Smartphone die Kommunikation verändert. Ist das persönliche Gespräch von dem Aussterben bedroht?
Nein, definitiv nicht. Als Soziologin stehe ich in der Tradition von Forschern wie Georg Simmel oder Thomas Luckmann, die gerade in alltäglichen Gesprächen eine unverzichtbare Grundlage des Zusammenhalts in menschlichen Gesellschaften gesehen haben. Im Konsens wie im Dissens vergewissern wir uns des für uns relevanten Wissens und der Werte. Schon in meiner Habilitation habe ich die gemeinschaftsstiftende Rolle von Tischgesprächen in Familien untersucht, die von diesen selbst auf Tonband aufgezeichnet wurden.
Wie sind Sie jetzt methodisch mit den Handys vorgegangen?
Wir haben Menschen an öffentlichen Schauplätzen dabei beobachtet, wie sie miteinander kommunizieren und wie das Smartphone in diese Kommunikation eingebunden war. In anderen Fällen haben wir Gespräche etwa von Freundesgruppen mit deren Einverständnis aufgezeichnet. Wir wollten wissen, wie die sich alltägliche Unterhaltungen durch den Einsatz von Handys verändern. Und dabei haben wir eine interessante Entdeckung gemacht.
Nämlich?
Es wird gar nicht weniger gesprochen, sondern die Gespräche nehmen einen anderen Verlauf, weil jederzeit spontan auf Informationen aller Art und nicht zuletzt auf Bilder zurückgegriffen werden kann. Dadurch werden Gespräche schneller privat.
Ein Beispiel?
Sie sind gerade aus dem Urlaub zurückgekommen und erzählen einer Freundin, wie schön es dort war. Früher hätten Sie ihr bei sich zu Hause vielleicht ein Fotoalbum mit Schnappschüssen aus dem Urlaub gezeigt. Heute haben wir alle diese Fotoalben immer auf dem Smartphone dabei. Und so zückt fast jede oder jeder von uns ganz schnell das Handy und zeigt Fotos aus dem letzten Urlaub. Das Entscheidende ist aber, dass nicht nur gezeigt, sondern zugleich verbal kommentiert und verglichen wird. Und das bereichert die Gespräche.
Nach einer aktuellen Studie schauen wir durchschnittlich alle 18 Minuten auf unser Handy. Wird das persönliche Gespräch durch diesen digitalen Dauerstress tatsächlich nicht beeinträchtigt?
Bei diesen Studien über die Nutzungsdauer der Handys wäre ich immer ein bisschen vorsichtig im Hinblick darauf, was genau da gezählt wird. Inzwischen schauen wir angeblich so oft aufs Handy, dass ich mich frage, wie man daneben noch etwas anderes erledigen kann.
Einen Großteil unserer Kommunikation erledigen wir heute über Emails, Whatsapp oder Messenger-Dienste. Geht da nicht diese schriftliche Kommunikation zu Lasten der privaten Gespräche?
Nein, das sind unterschiedliche Kommunikationswege, die sich überhaupt nicht ausschließen müssen. Durch die Einbindung von Smartphones in Alltagsgesprächen können sie sogar auf eine neue Weise zusammenfinden.
Trotzdem hat sich das persönliche Gespräch durch die Smartphones verändert.
Ja, aber dies bedeutet noch lange keinen Verfall der Gesprächskultur!