Art Vandelay schrieb:
Ein Shooter kann schon ein Anti-Kriegsspiel werden... wenn man sich denn im Vorfeld darauf einigen kann, dass damit evtl. "Ich schieß 100 Gegner hintereinander ab"- Passagen rausfallen und Charaktere mehr bieten müssen als eine Totenkopfskimaske und einen cool klingenden Namen ("Ghost").
Ein Shooter wird nie ein Antikriegsspiel werden, denn er hat das Ballern als Gameplaygrundlage. Ein Spiel muss obendrein Spaß machen und zum Weiterspielen animieren. Das sind beides Attribute, die mit Krieg vorn und hinten nicht vereinbar sind.
Weiterhin muss ein Spiel jederzeit spielbar sein, was sich mit Krieg auch nicht unter einen Hut bringen lässt. Krieg schert sich nicht um imba oder feige Camper oder sonstwas.
Und ohne realistische Darstellung des Krieges kann ein Shooter niemals nie und nimmer nicht eine Antikriegsmessage vermitteln, wenn man nicht nach 2 Levels die Schnauze davon voll haben will und das Spiel in die Ecke feuert.
Darüber hinaus wäre da der schon angesprochene Punkt der Charakterisierung. Krieg zieht auch viele Schrecken daraus, dass Soldaten miterleben müssen, wie ihre engsten Freunde und Kameraden krepieren. Dieser Punkt ist mal gar nicht in einem Spiel zu transportieren. In einem Film können die Beziehungen vorgestellt und schnell vertieft werden. Aber selbst BoB hat sich 7 Folgen Zeit gelassen, bis es sich an wichtigen Figuren vergriff und der Zuschauer mitleiden konnte.
In einem Spiel ist das nicht zu erreichen. Kein Spieler wird jemals sowas wie Freundschaft für einen Pixelkameraden hegen. Das ist in einer Spielzeit von 10 Stunden von denen weit mehr als die Hälfte aus Ballaballa besteht gar nicht zu machen. Insofern geht dieser Aspekt völlig unter.
Somit bleibt im Grunde nur noch der Aspekt des physischen Leidens. Den können die Entwickler sicher über diverse Skripte umsetzen. Aber das reicht hinten und vorn nicht, um eine Anti-Message zu transportieren.
Ich habe das schon früher mal gesagt: Ein echtes Antikriegsspiel (Shooter) macht im Grunde alles richtig (Grafik, Gameplay etc.) und kassiert 0% Spielspaßwertung.
Und dergleichen wird es nie geben.
Man könnte das u.U. im Genre des Adventures erreichen, wenn eine richtige Geschichte erzählt wird.