Heute Vormittag habe ich es dann auch beendet - und mein Eindruck hat sich bis zum Ende gefestigt: für mich das beste Superhero-Spiel seit Batman: Arkham Asylum.
Mit Insomniac's Spider-Man wird für mich ein Kindheitstraum wiederbelebt, denn wie hier der Spinnenmann und Manhattan zelebriert werden, sucht seinesgleichen. Die Bewegungsfreiheit, die Detailverliebtheit, das unheimlich intuitiv und süchtig machende Movement von Spidey sowie natürlich die audiovisuell atemberaubende Kulisse lassen einen regelmäßig die Kinnlade runterklappen.
Besonders positiv überrascht haben mich die Story, Dialoge und die allgemeine Inszenierung. Das ist alles sehr hochwertig produziert, auch wenn man mit Marvel im Nacken natürlich die sicheren Schienen abfährt und keine großen Risiken eingeht. Trotzdem sind die Charaktere toll geschrieben und die Handlung greift auch durchaus düstere und ernste Themen auf, die ich gar nicht erwartet hätte.
Neben dem Schwingen (was einfach oberaffentittengeil ist, muss ich nochmal schreiben) ist das Kampfsystem Spider-Man's zweite große Stärke. Zwar baut man hier ganz klar auf dem Vorbild von Batman auf, erweitert es aber um Spidey's ganz eigene Mobilität und Variabilität. Sich in einen 100x Kombo Rausch zu kämpfen, Finisher aneinanderzureihen und sich blitzschnell von einem Gegner zum nächsten zu spinnen, macht auch nach dem drölfzigsten Mal noch verdammt viel Spaß. Das Highlight sind die actionreichen und bombastischen Boss-Kämpfe.
Die größte Last, die Spider-Man zu tragen hat, ist seine Open-World, denn die krankt, wie so viele andere OW-Spiele auch, an repetitiven Nebenaufgaben. Wie
@eape in seinem Review richtigerweise anmerkt, übertreibt es Insomniac in dieser Richtung, denn während es durchaus gelungene Aktivitäten gibt (abwechslungsreiche Labor-Aufgaben, Nebenquests mit optionalen kleineren Bosskämpfen am Ende), drückt einem eine große ToDo-Liste in jedem Distrikt auch die klischeebehafteten Türme, Lager und Scharmützel ins Gesicht - und davon auf Dauer etwas zu viele.
In meinem Fall hat Spider-Man diesen Umstand jedoch großteils mit seinem grandiosen Gameplay und seinem wunderbar gezeichneten Universum kaschiert. Und wie
@DoK bereits schrieb, kann man das Spiel auch problemlos ohne die Nebenaufgaben bewältigen.
Es gibt noch ein paar Kleinigkeiten, die man für einen hoffentlich kommenden und unvermeidbaren (hallo, Cliffhanger) Nachfolger verbessern sollte: die Menschen auf den Straßen könnten dynamischer auf die Fortschritte in der Story reagieren, in der deutschen Version sind nicht alle Hintergrund-Dialoge synchronisiert worden, statt Ladebildschirmen wäre ein dynamischer Tag/Nacht-Wechsel toll, und kleinere Boni wie Model-Viewer, Statistiken oder Galerien wären wünschenswert gewesen.
Am Ende muss jeder für sich entscheiden, wie groß sein Spidey-Herz schlägt, ob er mit der Marvel-Formel leben kann, und inwiefern ihn die Nebenaufgaben anöden oder eben nicht. Bei mir hat es erstaunlich gut funktioniert, möchte die berechtigte Kritik daran aber nicht schönreden. Ich verbleibe damit bei
8.5 - 9 von 10 möglichen Spinnenbeinen - und mache mich nun an die Platin-Trophäe.
