"Es gibt keinen Zoff, es ist eine Meinungsverschiedenheit", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Er wollte ein erneutes Aufkommen der lähmenden Debatte um den polnischen Nationalspieler verhindern.
Zu spät! Der Stein rollt längst wieder ungebremst ins Tal.
Zu lange war es ruhig gewesen um den besten Stürmer der Bundesliga, zu geräuschlos hatte der wieder sein Training beim BVB aufgenommen. Das konnte nicht sein. Jedenfalls kann man die neusten Aussagen Rummenigges so deuten.
Auf den Vorwurf, Dortmund erzähle Märchen und predige Wasser, saufe aber Wein, musste sein Gegenüber Watzke natürlich reagieren.
"Mit seiner Aussage zeigt Rummenigge wirklich, dass er kein Experte für Börsen-Recht ist", so der knackige Konter des Dortmunders in der "Bild".
Lewandowski will wohl weg
Auch wenn man in München gebetsmühlenartig wiederholt, man beschäftige sich nicht mit dem Konkurrenten aus Dortmund und rede schon gar nicht über den selben: Der erneute Stich ins Wespennest Lewandowski kommt aus München.
Wohl nicht ganz ohne Hintergrund: Wie die "SportBild" berichtet, hat der Spieler selbst einen Wechsel noch in dieser Transferperiode nicht aufgegeben. Intern soll er den Plan geäußert haben, die Verantwortlichen selbst von einem Transfer überzeugen zu wollen. "Ich möchte diesen Sommer zu meinem Wunschverein gehen", wird Lewandowski da zitiert.
Beim Champions-League-Sieger spekuliert man wohl darauf, dass man in Borussias Führungsetage irgendwann - vor dem 31. August - die Nerven verliert und den Stürmer in einen Flieger nach München setzt. Gegen eine vorher ausgehandelte Entschädigung, versteht sich.
"Ich bin kein Börsen-Spezialist"
Zu diesen Verhandlungen sei man ohnehin immer bereit gewesen, lässt Rummenigge verbreiten.
"Ich bin zwar jetzt kein Börsen-Spezialist von A bis Z, aber dass man als börsennotierter Klub ein schriftliches Angebot braucht, um an die Aktionäre eine Ad-hoc-Mitteilung zu machen, ist einfach nicht korrekt", klärt er den BVB auf. "Das wird erst nötig, wenn der Verkauf feststeht."
Außerdem habe der FCB "noch nie ein Angebot schriftlich gemacht. Das hat Gründe, und daran wird sich auch nichts ändern. So läuft das Fußball-Geschäft nunmal nicht. Aber wir waren bereit, uns mit dem BVB an einen Tisch zu setzen!"
Watzke weist Kollegen zurecht
Dass man sich das in Dortmund nicht bieten lässt, sollte dem geneigten Beobachter längst klar sein. "Er hat etwas zum Thema Börse gesagt, was nicht korrekt ist", so Watzke.
"Wir haben nie gesagt, dass wir das Angebot für die Börse benötigen. Aber bei diesen Größenordnungen haben wir eine Dokumentationspflicht gegenüber unseren Kontrollgremien", erklärt der 54-Jährige und ergänzt: "In puncto Ad-hoc-Mitteilungen liegt Rummenigge komplett falsch. Wie der Fall Mchitarjan (kam für 27,5 Mio. Euro aus Donezk, d. Red) zeigt, müssen wir auch Transfer-Absichten mitteilen, wenn es um solche Volumina geht."
Nun, da die Stille um das liebste Streitobjekt der beiden deutschen Aushänge-Vereine gebrochen ist, könnte noch einmal Fahrt in den Poker kommen. Obwohl Rummenigge und Watzke sich erst vor drei Wochen im Urlaub auf Sylt zu einem klärenden Gespräch getroffen hatten. Zu dem kam der Dortmunder sogar leger mit dem Fahrrad vorbei. Gebracht hat es offenbar wenig.
Wo sind Pfeil und Bogen?
Den Jürgen-Klopp-Vergleich mit Robin Hood und Bayerns Bazooka verwies Rummenigge ins Reich der Fabeln. Man müsse aufpassen "in Dortmund, dass man nicht Wasser predigt und Wein säuft. Die haben doch einen Vertrag mit Opel, da fährt einer im Ferrari vor. Das sieht dann doch schon so aus, als ob sie Pfeil und den Bogen schon langsam aus der Hand gelegt hätten."
Dabei haben die Profis in Dortmund freie Autowahl. Im Gegensatz zum FC Bayern. Da fährt wohl auch Lewandowski bald Audi.
Dass er dies noch in diesem Jahr tut, bleibt unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen.