Ok, hier nun noch der letzte Senf – Microsofts Magic Wonderworld Cloud und warum das (meiner Meinung nach) völliger Marketing Mupitz ist:
Erstes mal: Die Cloud ist keine Erfindung von MS noch ist sie exclusiv für xbox one / live!
Der Service der dahintersteckt ist schlicht die Azure Cloud die schon seit einiger Zeit hauptsächlich für Business Kunden und Unternehmen zur Verfügung steht – die Information ist relativ wichtig um zu begreifen warum MS diesen Buzzer drückt.
Was ist die Azure Cloud eigentlich: Recht simple, ein Haufen einfacher Server – oder PC's (alles x86) in denen virtualisierte Umgebungen laufen. Diese Hardware ist primär scheiße billig (commodity Hardware) nicht das neueste vom neusten. Viele dieser kleinen billigen kleinen Rechner verbinden sich im Azure Rechenzentrum zu einer (oder mehreren) virtuellen Maschinen. So einen Stack kann man sich auch ganz physisch kaufen (nennt sich dann private cloud) und so z.b. in seinem Unternehmen mal schnell 200 SqlServer (Datenbank) scharf schalten (alle auf virtuellen Maschinen in einem etwa Eisschrank großen Kasten). Die virtualisierten Systeme haben den Vorteil das sie relativ schnell zusammen geschoben werden können oder nicht benutzte Systeme sich herunter fahren und ihre Kapazität an die restlichen Maschinen abgeben.
Jetzt kann so gut wie jeder (ähnlich wie bei der Amazon Cloud) sich dort ein virtuellen Server für eine gewisse Zeit mieten und Kapazität leicht dazu buchen oder wieder abschalten. Im Falle von Amazon wird z.b. minütlich abgerechnet (Wem sagen „Mips“ auf alten Großrechnerfarmen noch was?).
Nun stelle ich mir die Entstehung des Xbox „power of the cloud“ bei MS ungefähr so vor:
MS Marketing Mensch (zuständig für die Azure Farmen) möchte diese gerne ausbauen und braucht noch echt so einen Kracher Business Case – viele Rechner weltweit die rumrechnen das klingt echt toll. Das Problem: Kapazitätsplanung – lieber mehr Rechner in den Farmen bereit halten um einen plötzlichen Ansturm von Kunden zu befriedigen, oder eher passiv Planen und dann ggf. Geschäft verlieren. Beides ist ziemlich blöd – bleiben die Kunden aus, veralten die Server im Rechenzentrum und verbrauchen halt Strom, Platz und Adminstrative Kraft/Budget. Nun kommt praktischerweise eine neue Unterhaltungshardware aus dem eigenen Hause daher – die Xbox One (720) und mit einer kurzen Überlegung hat man etwas um die Cloud Hardware auszunutzen und die Leerlaufzeiten zu überbrücken und noch eine richtig fette User Base. Damit sich das ganze rentiert, zwack man etwas vom xbox live Abogebühren für Azure ab (da könnte es in den Abteilungen bei MS richtig Action gegeben haben – bei Budget verstehen Manager keinen Spaß) und nebenbei hat man noch so einen richtigen Werbeträger für die unglaubliche Azure Cloud und deren Nutzung in der Hand (Bei mir ist mein MS Mensch schon in der Firma aufgetaucht und warb mit der Azure Cloud und xbox live Folien... - frei nach dem Motto, wenn wir sogar unsere eigenen Services unsere Cloud anvertrauen, dann können Sie das mit ihren Unternehmensdaten erst recht).
Wonderful – nicht wahr – nun nicht ganz: Wem wird im Zweifel Cloud Kapazität gegeben wenn es mal knapp wird – dem xbox zogger oder dem seriösen Business Kunden (der auch einen entsprechenden Vertrag hat)? Die Frage ist sehr wichtig, den nun steht die Frage im Raum: Was kann ich mit der Cloud eigentlich machen?
Und hier wird’s krude: Grafikberechnungen – nö eher nicht, die Latenz und oftmals die Bandbreite ist zu wackelig um das wirklich in ein Spiel einzubauen (der Entwickler hat ja keinerlei Ahnung welche Bandbreite und Latenz der jeweilige Spieler haben wird), er kann also nur kleine und nicht zeitkritische Berechnungen in die Cloud legen. Doch was?
Ein Beispiel ist ja der drivatar bei Forza (also KI) – super wir haben einen Fall für die Cloud. Nur sollten wir im Hinterkopf behalten das selbst eine schlechte CPU wie der Jaguar ohne weiteres rumrechnen kann während grade ein Level lädt – auch die Grafikeinheit könnte hier mit ihrer GPGPU Einheit zur Seite springen (ein cell chip wäre hier wundervoll) und nun kommen wir zu der anderen Betrachtung und der Frage ob ich das lokal rechnen lasse oder in der Cloud:
Wir wissen das die Nutzung der Cloud MS bares Geld kostet (Strom, Gas, Wasser, Scheiße). Frage: Wird MS dann dem Entwickler erlauben hier gigantische Berechnungen (die so komplex sind das sie auf der lokalen One nicht in einer vertretbaren Zeit laufen könnten) auf der Cloud zu rechnen?
Für den Entwickler stellt sich hier noch die Frage: Was wenn die Cloud nicht da ist (keine Internetverbindung, keine Kapazität in der Cloud, Latenz zu schlecht, etc...) dann Plan B?: Level ohne fallenden Blätter und schöner Lichtberechnung? Ein drivatar der ständig in die nächste Kurve knallt? Das gäbe aber Shitstorms vom feinsten wenn die I-Net youtube Vergleichsvideonerds das in die Finger bekommen. Wenn Leute schon bei dem 720p Ding abgehen wie Zäpfchen – was erst wenn auf derselben Hardware quasi unterschiedliche Versionen des Spiels laufen?
Über alle diese Dinge müssten sich die Entwickler klar sein, das einplanen und das auch nur für die One Version (wichtig bei Multiplattform) und nun nochmal die Frage nach dem Aufwand und den Nutzen – ewig viele Gedanken (=Ressourcen=Geld) auf physikalisch schönere fallende Blätter? Wenn die Cod Jungs nun schon kein Böcke hatten über die 720p zu gehen ist das äußerst unwahrscheinlich.
Bleiben die First-Party Games. Doch dort kommt evtl. obiger Chef der Azure Cloud ins Spiel – ich stelle mir das so vor: Entwickler kommt aufgeregt abends ins Büro von Cloud Mc Ure „Ich hab hier ne super coole Funktion, damit können wir in Halo 7,343 richtig geile große Blumen in den Hintergrund generieren, jede Blume sieht ganz anders aus als die anderen weil wir ihr Wachstum künstlich berechnen“. Mc Ure nickt bedächtig „und wie viel kostet das an Entwicklung“? „Nur 1500 PT (Personen Tage) zusätzlich und wenn alle One User Halo spielen ca. 15 % der Cloud Kapazität!“. Mc Ure hebt eine Augenbraue und fragt „Was kostet es wenn wir nur eine Blume berechnen und diese dann ganz oft kopieren?“ dabei legt er still sein Surface Tablett auf dem Tisch auf dem die letzten Umsatzquartalszahlen der Azure Cloud (ausgelöst durch den neusten Drivatar von Forza 6) den Raum in ein tiefes Rot erstrahlen lassen (MS RetinaTech TM).

Der Entwickler verlässt mit gesenkten Kopf den Raum und geht geistig Rasen mähen.
Was ich damit sagen will: Rechenzeit kostet Geld, in Rechenzentren geht es um nix anderes und das hat auch MS nicht zu verschenken. Ein wenig Überkapazität haben die sicherlich und die wird hier zusätzlich in pseudofeatures bei der One gesteckt. Das ganze wird aber (wieder meine Meinung) nie in irgendwas münden was nicht auch die One (oder PS4) nicht auch so hin bekommen würde und wenn da wie bei GT5 „ich installiere mir einen Wolf“ halt mal 15 – 30 Minuten vor der Installation eine kleine Rechenpause durchgeführt wird – alles optional für ein besseres Spielerlebnis. Genau so etwas könnte theoretisch mit der Cloud beschleunigt werden – wäre aber eh nur eine einmalige (Installation) Sache.
Tatsächlich dient die Cloud Geschichte in meinen Augen nur zwei Dinge und beide sind reines Marketing:
1. Der technologisch stärkeren PS4 kann man was mystisch/kryptisch/neues entgegen halten (was btw. auch ohne Probleme Sony könnte, eine kleine Synergie mit Amazons S3 Cloud....).
2. Den seriösen Azure Kunden was cooles aufs Flipchart malen (Hey, wir haben 50 Millionen Kunden in unserer Cloud).