Doch unter Tätowierern und Tätowierten regt sich Widerstand gegen die mit Bedeutung aufgeladenen bunten Bildchen. So auch bei Alex Berger. In einem Keller in Köln stechen der 28 Jahre alte ehemalige Designstudent und sein Team Motive wie Milchtüten, Topfpflanzen oder Einkaufswagen unter die Haut ihrer Kunden.
Das Kellerstudio erinnert mit kahlen Wänden, Vintage-Möbeln und orientalischen Teppichen an eine Mischung aus Box-Studio und Shisha-Bar. Im Hinterzimmer hängt als Deko ein Boxsack, mit dem sich der Stil des Tätowierers beschreiben lässt: „einfach draufhauen“. Denn im Gegensatz zu den vergangenen beiden Jahrzehnten, in denen sich die Kunden in der Regel möglichst tiefgründige oder bunte Motive stechen ließen, geht es heute nicht mehr um Sternzeichen, Tribals oder Zitate, sondern um klare Linien und provokante Motive. Alltägliche Objekte, betont krakelig und schief gestochen, sind inzwischen unter Jüngeren weit verbreitet. Diese Art des Tätowierens nennt sich „Ignorant Style“.