Disclaimer: Mit zwei Tagen Verzögerung.
Die Züge sind schön leer und ich kann entspannt von Heidelberg nach Schöllenbach im Odenwald fahren.
Direkt unter dem ersten Apfelbaum begrüßt mich ein Apfel, der kaum perfekter sein könnte. Frühstück.
So, hier habe ich das letzte mal den Niebelungensteig verlassen. Die nächsten beiden Tage werde ich die letzten drei-vier Etappen laufen. Es sind nur noch 57 km aufgeteilt auf 26 km und 31 km und somit bin ich ein wenig entspannter unterwegs als letztes Mal, auch wenn die vielen Höhenmeter sicher wieder schweißtreibend sein werden mit dem ganzen Gepäck auf dem Rücken. Aber ich freue mich drauf und möchte ja auch etwas abspecken.
Erstmal geht es jedoch direkt mehr oder weniger kerzengerade steil nach oben bis Hesselbach, wo dann die offizielle fünfte Etappe beginnt.
Beim Aufstieg sehe ich die ersten und letzten vier Wanderer für heute.
Um Hesselbach herum führt erstmal ein rießiger Umweg, der sich aber lohnt, da der Wald hier sehr idyllisch und abwechslungsreich ist und die Wege abseits der "Waldautobahnen".
Ich hätte es besser wissen sollen. Das Tor hatte schon seine Bewandtnis, dachte aber, dass man es bestimmt hätte öffnen können, wenn es noch stünde. Gibt es ja ab und zu, dass man Weiden etc. kreuzt. Der Pfeil des nächstgelegenen Wanderzeichens zeigt aber genau hier rein (leider).
Nach einem Kilometer bemerke ich schließlich meinen Fehler, da ich mit den Gedanken ganz woanders war. Zurück durch die ganze von Wildschweinen aufgewühlte Erde will ich aber auch nicht. Blick auf die Offlinekarte im Handy. Im Endeffekt ist das sogar eine Abkürzung, wenn nur ein Weg zurück auf den offiziellen Steig führen würde. Dann eben einen Kilometer querfeldein den Hang hinunter, vielleicht entdecke ich ja was schönes. Und es war wirklich ganz nett, allerdings hab ich mir meine Hose ein wenig aufgerissen an der Seite. :facepalm:
Zurück auf dem Niebelungensteig den ich nun zumindest von der Strecke her um drei Kilometer abgekürzt habe, nicht jedoch zeitlich

, führt eine große Schleife durch ein Tal mit einem sehr idyllischen Bach, in dem hier und da noch alte Staumäuerchen auszumachen sind.
Achja, ich glaube ich bin heute nun schon durch Hessen, Baden-Württemberg und Bayern gewandert. Den Dreiländergrenzstein dürfte ich bei meiner unfreiwilligen Abkürzung umgangen sein.
Der Himmel zieht sich etwas zu, aber es bleibt trocken. T-Shirt + Weste sind eine gute Kombination für die Temperaturen vs. Höhenmeter.
Ich erreiche Breitenbach und dessen Kapelle. Mitten im Nirgendwo. Zwei Höfe kann ich ausmachen, mehr nicht. Die Kapelle ist unfassbar prunkvoll, aber leider verschlossen und nur schwer von außen zu belichten, da die Scheiben stark spiegeln. Es wirkt schon ziemlich befremdlich.
Immer wieder werde ich fast von Äpfeln oder Eicheln erschlagen.
Einige Kilometer und Höhenmeter später laufe ich durch Preunschen und komme nicht umhin, dieser Schönheit hier Hallo zu sagen.
Hier steht auch das älteste Bauernhaus des Odenwalds und eines der ältesten in ganz Deutschland oder gar Europa. 15. Jahrhundert. Es stellt sich jedoch raus, dass es zwei Mal im letzten Jahrhundert umgesetzt wurde. Stand wohl auch schon mal in Breitenbach.
Na ob das noch so richtig zählt, ich weiß ja nicht.
Ganz unerwartet stehe ich etwas später vor einem Steinhaufen, der immer unnatürlicher wirkt, je länger ich an ihm entlanglaufe. Ich entscheide mich glücklicherweise dazu, mal drum herum zu laufen und entdecke eine Tür.
Der Raum dahinter ist um einiges (!) kleiner, als da was da drumherum gebaut ist. Na wenn es da nicht noch was zu entdecken gibt für die Archäologen...
Nicht weit weg befindet sich dann die Wildenburg. Mit die schönste Ruine, auf der ich bisher war und sehr märchenhaft. Leider schwer einzufangen mit der Kamera. Keine Menschenseele weit und breit.
Einen Ab- und Aufstieg später komme ich meinem Tagesziel zwischen Beuchen und Amorbach näher. Ich mache noch eine kurze Pause und tanke Abendsonne zusammen mit einem unerwarteten, beflügelten Gesellen, der das gleiche zu tun gedenkt.
In Beuchen scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Ein lokaler Verein hat eine "Hütte" hergerichtet für Wanderer, die immer offen steht. Es wirkt eher wie ein Vereinsheim und wahrscheinlich ist es das auch für dieses kleine Dörfchen. Küche und Toilette, gekühlte Getränke wie Limonaden und Bier zu 1-1,50 € basierend auf der Ehrlichkeit der Wanderer. Da ich kein Geld dabei habe bzw. nur einen Schein, fülle ich meinen Trinkbeutel nochmal auf am Wasserhahn, falls die Quelle in der Nähe meines Rastplatzes für die Nacht versiegt sein sollte.
Noch kurz von den letzten Beuchnern verabschieden.
Und weiter geht's die letzten paar Kilometer für heute.
Die "Zitternfelder Quelle" ist gut mit Wasser versorgt und somit auch ich mit bestem Quellwasser zum Kochen und für einen Tee. Nur hundert Meter entfernt werde ich die Nacht im Schlafsack verbringen.
Auf dem Tisch werde ich dann nächtigen.
Mit einer Aussicht, die schlechter sein könnte.
Bei Interesse kann ich auch nochmal was zum zweiten Tag schreiben.
