Osa-chan schrieb:
Die ganzen von dir angeführten Beispiele für schlechte Arbeitsbedingungen gibt es tatsächlich alle, was du aber schuldig bleibst ist die schlüssige Argumentation, warum eine wirtschaftlich schlechte Lage für viele Menschen in den Entwicklungsländern, für viele andere Menschen in den Industrienationen einen wirtschaftlichen Vorteil bedeuten sollte.
Das liegt doch auf der Hand. Durch die extrem niedrigen Lohnkosten in den betreffenden Ländern sind wir doch erst in der Lage, uns das ganze Zeug zu kaufen und den Firmen dadurch ihr Wachstum zu ermöglichen.
Würde IKEA hierzulande fertigen, dann könnten sich nur vergleichsweise wenige Menschen so ein Billy Regal leisten. Schau doch mal bei Höffner & Co. in die etwas wertigeren Abteilungen. Da meint man, die 375,- gelten für den Tisch inkl. 4 Stühle. Aber nein - damit ist der Preis für einen Stuhl gemeint. Wer kann sich denn sowas bitte noch leisten? Und das ist noch nicht mal Edelholz.
Stichwort wertige Produkte aus Deutschland: Passt wundervoll hier rein -
Loewe kämpft gegen die Pleite. Warum denn nur? Weil die hier in Deutschland zu deutschen Konditionen fertigen und ergo Preise aufrufen müssen, die sich die Leute nicht leisten können/wollen. Würden die ihren Krempel in Asien zusammenschrauben, wären sie auch um einiges billiger.
Was meinst du denn, was ein Iphone oder ein Samsung Galaxy kosten würden, wenn die statt bei Foxconn hier zu deutschen Stundenlöhnen inkl. Sozialbeiträge und allem Pipapo gebaut werden würden? Immerhin muss Apple ja wachsen. Wäre ja furchtbar, wenn die statt 33 nur noch 29 Mrd Gewinn pro Quartal machen würden. Da kämen wir nicht mehr mit läppischen 700 Euro pro Telefon davon. Sie könnten nicht MEHR verkaufen, weil sie da 'eh schon ziemlich am Limit sind. Sie könnten kaum BILLIGER produzieren. Also müssten sie mit den PREISEN HOCH, um wieder zu wachsen.
Die Weltwirtschaft ist halt kein "Nullsummenspiel" bei dem ein endlicher "Kuchen" durch Arbeit aufgeteilt wird, sondern der aufzuteilende Kuchen kann insgesamt wachsen.
Das kann er eben nicht. Und das sieht man doch schon ganz prima an Deutschland. Wer kann sich bitte den ganzen halbwegs normalen Kram in den Läden so alles leisten, OHNE sich in eine Schuldenfalle zu begeben? Ich rede von dem ganz normalen Angebot in Einkaufszentren, Läden etc. minus die Luxusgeschäfte? Wer kann da alles zugreifen? Die paar Millionen H4-Empfänger? Die Aufstocker? Die, die mit 1000 brutto nach Hause gehen? Es ist nicht möglich, einen identischen Lebensstandard für alle zu erreichen. Nicht solange Wachstum der maßgebliche Indikator für die Wirtschaft ist. Und da sich das auf absehbare Zeit nicht ändern sondern eher verschärfen wird, wird sich auch nichts daran ändern, dass wir hier in D und im Rest der Welt jede Menge Arbeitssklaven brauchen, die der Mittel- und Oberschicht durch billige Arbeit ihren Lebensstandard gewährleisten können.
Wir haben nichts davon, wenn es Menschen in anderen Gebieten der Welt wirtschaftlich schlecht geht. Im Gegenteil: Würden die Menschen in den von dir genannten Beispielen mehr Geld zur Verfügung haben, könnten sie mehr Waren und Dienstleistungen aus den Industrienationen kaufen, was wiederum der Beschäftigungsquote und dem Wohlstand der Menschen in den Industrienationen dienen würde.
Und wie soll das funktionieren? Wenn wir den Menschen da unten mehr Geld (also wirklich mehr und nicht einfach von 20 Euro auf 22 Euro pro Monat) geben, dann werden bei uns die Produkte signifikant teurer, was wiederum dazu führt, dass bei uns noch mehr Menschen aus dem Konsum wegbrechen, weil dann die Miete wichtiger wird als ein neues T-Shirt. Das wiederum führt zu einer verringerten Nachfrage, was wiederum die Firmen trifft (gerade die, die hier produzieren). Diese müssen dann Leute entlassen, können weniger herstellen und ergo auch weniger exportieren und schon fällt das ganze Kartenhaus wieder in sich zusammen. Damit es wieder funktioniert, müssen wir die Waren für uns wieder erschwinglich machen und das bedeutet, wir müssen den Menschen in den Herstellerländern ihr Geld wieder wegnehmen, weswegen sie dann keine Produkte mehr von uns kaufen können, da die Miete für ihre Wellblechhütte und das Geld für die eine Schüssel Reis pro Tag aufgebracht werden müssen.
Wir brauchen diese Sklaven - die hier bei uns und die unten in China/Bangladesh/weißichwo. Anders würde unser Wohlstand nicht funktionieren. Das es rein theoretisch anders sein könnte, ist logisch. Aber so ist es nun mal nicht. Nicht solange ein Haufen weltfremder Arschlöcher in Anzügen der Ansicht ist, dass 3 Mal der gleiche Gewinn in Folge etwas Schlechtes ist.