Nach ca. 75 Spielstunden (wobei ich Dank Neu-Laden sicher 10Std. extra dazu geben kann) bin ich mit der Hauptgeschichte sowie March 1+2 durch. Ich hab natürlich versucht alle Nebenquests, die ich gefunden habe, abzuschließen und auch sonstige kleine Aufträge wie z.B. "Kopfgeld" nachzugehen. Die Mitstreiter-Quests habe ich nicht alle gemacht. Einfach weil mir ein bestimmter "flow" beim Spielen sehr wichtig ist und wenn ich dann Begleiter habe, die für mich völlig irrelevant sind, dann habe ich nicht die Lust dazu dafür weitere Stunden zu opfern - außer das Spiel zieht mich extrem in seinen Bann.
Im Endeffekt mochte ich das Kampfsystem. Es hat mich halt sehr an mein lieblings-Rollenspiel Star Wars Kotor erinnert. Das man jederzeit das Spiel pausieren und ganz entspannt die Entscheidung jedes Mitglieds auswählen kann, war besonders spät abends für mich sehr angenehm. Manchmal brauche ich einfach Spiele, die nicht so viel permanente Konzentration einfordern. Auch deswegen hat mir die optionale automatischen Einstellungen der Mitglieder ganz gut gefallen. Klar sie machen manchmal fragwürdige Dinge und in gewissen Situationen muss man aktiv eingreifen, aber größten Teils kam ich damit ganz zurecht und das kam mir wie gesagt sehr entgegen. Kein perfektes Kampfsystem, noch für mich wirklich tiefgründiges (vlt. bei einem sehr hohen Schwierigkeitsgrad), aber keines was mich jetzt irgendwie mal großartig gestört hat.
Die Hauptgeschichte sowie die der Addons ist okay. Natürlich will man erfahren was es mit den Hohlgeburten auf sich hat. Auch ist die Erkenntnis dessen wirklich nett gemacht und hat mir als Fan des Genres auch gut gefallen. Ich kann da eigentlich nichts wirklich negatives schreiben aber besonders loben kann ich es auch nicht. Die Hauptgeschichte, die ganzen Nebengeschichten usw. sind alle gut bis nett oder halt 0815, aber für mich kaum was Erinnerungswürdiges. Und ich denke, dass das am Ende doch etwas schade ist. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es an den Geschichten selbst oder an der Präsentation gelegen hat. Ich bin mit den Jahren und Erfahrung mittlerweile ein Befürworter für 0815 Storys, sofern sie gut und spannend präsentiert werden. Das Rad kann nicht mehr neu erfunden werden und das muss es auch nicht. Bei Lost Odyssey fand ich viele "Träume" hervorragend geschrieben und gemischt mit der großartigen Musik und der Geräuschkulisse während des Lesens hat es mich nie gestört, dass die Entwickler es nicht in schönen Cutscenes präsentiert haben. Bei PoE ist das für mich etwas anders. Hier hätte ich gerne schöne Cutscenes gehabt. Das lag aber sicherlich auch am Budget und man kann es ruhig als Tribut zu alten Rollenspiellegenden sehen - aber mir hat halt etwas gefehlt.
Audioviusell ist das Ganze, sehr wahrscheinlich aufgrund des Budgets, okay. Also es gibt Designstechnisch wirklich nette Ortschaften aber irgendwie hätte ich mir da doch mehr erhofft. Mir ist auch keine Stadt, kein spezieller Ort wirklich im Kopf hängen geblieben. Die Musik ist pure 0815 Fantasymusik. Man kann sagen dass man hier das nötigste zu Ohren bekommt, was halt ein RPG dieser Marke haben sollte.
Mein einzig wirklich großer Kritikpunkt sind die Ladezeiten. Vielleicht liegt es ja an meiner Ps4 oder an meine Kopfhörer (hab gemerkt dass sie die Steuerung bei Wolfenstein beeinflussen - die Steuerung reagiert viel später wenn das Micro angesteckt ist!) aber die Ladezeiten betrugen manchmal bis zu 2 Minuten... Bei einem Spiel, wo man beim Eintreten und Verlassen von Gebäuden und Regionen immer Ladezeiten hat, ist das eigentlich nicht tragbar. Wiederrum spricht es für das Spiel, dass ich trotzdem über 80h investiert habe.
PoE hat mir gut gefallen. Es ist für mich am Ende keine Offenbarung wie es so manche Größen des Genres für mich waren bzw. sind. Es ist für mich einfach ein sympathischer kleiner Titel, von einer sympathischen Firma (für mich löst Obsidian Retrogefühle aus), die meine Lust nach genau so einem Spiel ziemlich gut gestillt haben. Ist es ein absolutes Muss für Rollenspieler? Für mich nein. Aber wenn man die Lust nach einem traditionellen Rollenspiel hat, welches ohne technisch aufwendigen Schickschnack daher kommt und wohlmöglich über Wiederholungen und sonstige Kleinigkeiten hinwegsehen kann, dann kann man absolut zugreifen.