Cale schrieb:
Einen x-beliebigen Doktorand, der das gemacht hat und der bei mir angestellt ist, würde ich aber auch sofort feuern. Es sei denn er macht richtig gute Arbeit. Macht Guttenberg IMO nicht und er ist bei mir als Steuerzahler angestellt. So gesehen, finde ich das alles Andere als lächerlich. Lächerlich ist es, sowas herunterzuspielen
Was hat denn die Doktorarbeit schon groß zu bedeuten? Es gibt wirklich nur seeeehr wenige wirklich bedeutsame Dissertationen. Noch weniger sind dann im weiteren Berufsleben des jeweiligen Doktoranden von Bedeutung (abgesehen von dem Titel, der aber im Grunde zu 99% auch nur Makulatur ist). Ich habe hier am Lehrstuhl schon etliche Promotionen miterlebt. Was glaubst du, machen die jeweiligen Leute jetzt? Die arbeiten in irgendwelchen Firmen und haben mit dem Thema ihrer Dissertation nicht mehr das Geringste am Hut. Selbst die, die nach Erlangung der Doktor"würde" an der Uni blieben, machen inzwischen was ganz anderes. Und keiner davon hat in der Industrie o.ä. irgendwas bewegt, obwohl einige von den Dingern wohl echt gut waren.
Diese ganze Doktorscheiße ist nichts weiter als ein riesengroßes Buhei, damit sich irgendwelche Leute ein "Dr." in ihren Namen packen und dann beleidigt sein können, wenn sie nicht mit diesem Titel angesprochen werden (was ohnehin keine Pflicht ist, da akademische Titel juristisch gesehen kein Bestandteil des Namens sind).
Natürlich ist die Gesellschaft aber auch hier wieder Meister im "sich gegenseitig einen runterholen". Und anstatt diesen Blödsinn zu beenden, oder wenigestens in vernünftige Bahnen zu lenken, fördert sie es noch weiter, indem die Herren und Damen Doktoren bessere Berufsaussichten haben. Super. Frage: Was genau bringt es mir, wenn ich im Krankenhaus einen Dr. med. für Herzchirurgie einem Dipl. med. vorziehe, obwohl der Doktor-Typ seine Dissertation über Lese-/Rechtschreibschwäche geschrieben hat? Gar nix. Der ganze Titel ist voll für'n Arsch und sagt absolut nix über die Fähigkeiten des Mannes als Herzchirurg aus. Aber weil er so 'nen akademischen Titel trägt, wird er bevorzugt, obwohl der andere vielleicht handwerklich besser ist.
Zum Teil schießen sich Doktoranden auch selber ins Knie - nämlich dann, wenn sie bei ihrer Bewerbung wegen "Überqualifikation" abgelehnt werden. Überqualifiziert wegen 60 Seiten Papier? Da fragt man sich doch, wer hier wem ins Hirn geschissen hat.
Und vom Zustandekommen diverser Doktorgrade will ich erst gar nicht anfangen. Was ich da schon an Mauscheleien mitbekommen habe, geht echt auf keine Kuhhaut.
Da wäre z.B. Doktorand X, der eine total beschissene Arbeit abgeliefert hat, die man ihm eigentlich gleich ungekocht und ohne Salz und Senf zu fressen geben müsste. Dieser Herr X hat Doktorvater Y. Und selbiger Herr Y sitzt dummerweise im Prüfungskomitee für den Doktoranden Z. Wer Z ist? Nun bei Z handelt es sich um UNSEREN Doktoranden. Wenn wir jetzt also X den Arschtritt geben, den er verdient hat, dann kann es sein, dass sich Y in seiner Eitelkeit verletzt fühlt und deswegen dann bei unserem lieben Z möglichweise besonders kritisch auf das Komitee einwirkt und so dessen Note für seine (natürlich exorbitant gute) Arbeit runterzieht. Und das wollen wir ja nicht. Also lassen wir X davonkommen, damit Z seinen Titel sicher hat.
Alles nur der reine Bullshit. Wenn's nach mir ginge, sollte man den ganzen Doktorkrempel abschaffen. Wer forschen will, der soll forschen. Wenn es von Relevanz ist, dann wird die Welt schon drauf aufmerksam werden. Der Rest verstaubt in den Bibliotheken der Unis oder eben als PDF im Internet und wird durch irgendwelche vergebenen Titel auch nicht relevanter. Möglichweise blieben wir auf diese Art von den Legionen der Doktoren um des Doktors willen verschont.
Was ich damit sagen will: Einen Doktoranden wegen Bescheißens bei seiner Doktorarbeit feuern, ist so ziemlich das Dümmste, was man machen kann. Doktortitel sind in 99% aller Fälle einfach nur Bullshit und sagen rein gar nix über die Qualität eines Mitarbeiters aus.