Ich finde es zunächst bedauerlich, dass in der Sache Guttenberg so viel Potenzial durch Fehler wie schlechtes Krisenmanagement und Lügen erst einmal weggeworfen wurde. Viel bedauerlicher finde ich allerdings, wie schnell die Ratten aus ihren Löchern gekrochen kommen und ihrem Neid und dem Hass "endlich" freien Lauf lassen.
"Oh wie gut das jetzt tut, dass dieser gelackte Adlige anscheinend doch kein Übermensch ist".
Genau so etwas kann ich nicht nachvollziehen, auch wenn diese Schadenfreude angeblich tief in den Menschen verwurzelt ist. Wenn ich hier bspw. lese, dass 80% seiner Facebook-Anhängerschaft auch Goebbels hinterhergelaufen wären, dann bleibt mir einfach die Spucke weg über so viel unqualifizierten Schwachsinn.
Ich war froh, dass Deutschland endlich mal durch jemanden präsentiert wurde, der im Ausland durch makelloses Englisch auffällt, der ohne großes Verstellen mit den Global Playern auf Augenhöhe mithält. Im Verteidigungsministerium war er sicher eine Fehlbesetzung, aber als Wirtschafts- oder Außenminister hätte er sein volles Potenzial entfalten können. Wenn ich mit als Vergleich Brüderle oder Westerwelle anschaue, dann wird mir eigentlich nur übel. Die derzeitigen Young Guns der Politik wie Rösler, Schwesig oder Schröder sind doch auch nur blasse Schatten Ihrer Vorbilder. Niemand von denen hätte sich im Opel-Deal mit der US-Regierung angelegt (besser: anlegen können) oder im Kabinett eine Planinsolvenz von Opel angeregt, welches nüchtern betrachtet die wirtschaftlich vernünftigste Lösung gewesen wäre. Das sind allerdings Dinge, die dem Kurzzeitgedächtnis des pöbelnden Deutschen nur zu gerne entrinnen. Als studierter Wirtschaftswissenschaftler dachte ich damals nur: Wow...Respekt, da hätte sich jeder andere die Hosen mit der Kneifzange zugezogen.
Guttenbergs verzerrte Wahrnehmung der Realität, dass ein Plagiatsfall in der Bevölkerung als Kavaliersdelikt wahrgenommen wird, schwächt nicht zuletzt die Republik und damit auch die Kritiker selbst. Auf Grund seiner "störenden" Lichtgestalt wurde er zu der Zielscheibe Nummer Eins, sowohl der Opposition, als auch der Millionen von Stammtisch-Neider, für die das Bübchen elitärer Herkunft mit gefühlten 52 Vornamen schon immer unheimlich war.
Er wird daraus lernen und ist noch jung und engagiert genug für ein Comeback. Es wird das Rückgrat zeigen, das ihm in dieser Affäre gefehlt hat und gestärkt aus der Sache hervorgehen. Und ich werde mir dann sicher nochmal gut überlegen, ob er meine Unterstützung bzw. meine Stimme verdient hat. Fehler macht schließlich jeder; die Frage ist nur, wie man damit umgeht.
Ich kann und will seinen Fehler nicht entschuldigen, aber ich bin auch der letzte, der Fehler nicht verzeiht.