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Gast
Die neue Generation ist da. Alle freuen sich über neue Konsolen, neue Technik. Alle staunen über tolle Grafik. Alle erfreuen sich der neuen Anwendungen, Inhalte und Möglichkeiten. Dabei kommt mir allerdings ein kritisches Thema viel zu kurz, das im Hype-Fieber überhaupt nicht zur Sprache kommt.
Sogenannte Microtransactions, auch Micropayment genannt, sind in einem großen Teil der Launch-Titel integriert worden - still und leise, ohne große Ankündigung. Sie sind einfach da und versuchen, dem Käufer des Vollpreis-Titels noch ein paar geringe Summen an Geld (i.d.R. 1-5 Euro) aus der Tasche zu ziehen.
Im Bereich der Free-2-Play Games sind diese längst Standard und die Einnahmequelle der Entwickler. Dabei können Spieler Skins, neue Charaktere, Erfahrung-"Booster" und andere Kleinigkeiten erwerben, um über die kostenlosen Standards des F2P-Spiels mehr Content zu erhalten.
Warum also der Aufschrei? Besonders, eigentlich nur Microsoft hat bei seinen Launch-Titeln nun ebenfalls Microtransactions eingeführt - mit dem elementaren Unterschied, dass die Launch-Titel nicht F2P, sondern bereits zum Vollpreis von 50-70 Euro erworben wurden.
Die Beispiele sind vielfältig:
In Ryse: Son of Rome von Crytek kann der Spieler im Multiplayer neben normaler Erfahrung zusätzlich Gold ansammeln, mit dem er sich "Boosterpakete" (allein der Name...) kaufen kann, in denen sich zufällige gewöhnliche/seltene/rare Ausrüstungsgegenstände und Potions befinden können. Allerdings sammelt sich das Gold recht mühselig an. Die Lösung? Microtransactions! Im Store könnt ihr euch das virtuelle Gold einfach für echtes Geld kaufen (für 2 bis 10 Euro) und euch somit Zeit ersparen.
In Crimson Dragon könnt ihr euch für echtes Geld Kristalle kaufen und euch somit langes Grinden ersparen. Solltet ihr weder Kristalle kaufen noch Lust und Zeit auf Grinden haben, entgehen euch halt Inhalte des Spiels.
Powerstar Golf schlägt in dieselbe Kerbe wie Ryse: Kauft euch für echtes Geld Boosterpakete und erlangt, wenn ihr wollt, unendlich viele Ausrüstungsgegenstände!
Und dann ist da noch Forza 5, das vielleicht aufbrausendste Spiel derzeit in Sachen Microtransactions. Ständig erinnert einen das Spiel daran, dass es doch möglich sei, sich "Tokens" und "XP-Booster" zu kaufen - für echtes Geld natürlich. Die Tokens gewähren Zugang zu teuren und seltenen Wagen, die XP-Booster erhöhen die zu erhaltenden Credits.
Auf Deutsch: Bestimmte Rennwagen sind über die Tokens nur für einen Preis von bis zu 60 Euro erhältlich! Und Turn 10 scheint sich dessen durchaus bewusst gewesen zu sein, immerhin gibt es im Store Kauf-Möglichkeiten für Tokens von bis zu 140 Dollar.
Geht's noch?
Bevor hier jetzt jemand kommt und meint "Scheiß' drauf, man kann so etwas doch einfach ignorieren!".
NEIN, KANN UND DARF MAN NICHT!
Es ist fatal zu glauben, dass ein Spiel mit "optionalen" Microtransactions dasselbe Spiel ohne dieses System wäre. Die Entwickler versuchen natürlich, Gründe und Anreize zu schaffen, damit die Spieler in die Tasche greifen - sonst wäre das System hinfällig und würde keinen Sinn ergeben.
Das heißt im Umkehrschluss, dass solche Spiele BEWUSST im Kontext eines solchen Systems entwickelt werden - und so etwas wird dann bereits im klassischen Game Design berücksichtigt.
Das einfachste und offensichtlichste Beispiel ist hier das "Grinden". Zeitintensives Abarbeiten von immer gleichen Aufgaben, Wiederholen von Leveln, Abschnetzeln von immer gleichen Gegnern...all das, um Ressource X zu "farmen" für kommende Gegenstände / Inhalte Y.
ALLE genannten Beispiele der Launch-Titel von Microsoft bauen genau darauf auf: In Ryse ist das Gold knapp, in Crimson Dragon die Kristalle, in Forza 5 die Credits.
Es wäre ein Leichtes für die Entwickler gewesen, ihre Spiele in Sachen BALANCING und PROGRESS so zu designen, dass der Spieler diese Ressourcen über Leistungen, eigenen Fortschritt und den allgemein Spielverlauf selbst im ausreichenden und stets verfügbaren Maße hätte erhalten können (wie in jedem NORMALEN Spiel der Vergangenheit auch).
Stattdessen bremsen die Entwickler diese Ressourcen und die Inhalte innerhalb des Spiels bewusst und deutlich, um über "BLING-BLING"-Hinweise die Käufer zu den Microtransactions zu bewegen.
Natürlich geben die Entwickler das nicht öffentlich zu und kriechen mit ihren gewohnten Argumenten um die Ecke - u.a. Turn 10:
Andere begründen das System damit, dass nicht jeder die Zeit hätte für das Anhäufen der Ressourcen. Kein Wunder, möchte ich meinen, wenn man von sich aus das Spiel so entwickelt hat, dass der Spieler zu stundenlangem Grind gezwungen wird. Heuchlerisches Argument in meinen Augen.
Selbstverständlich gibt es auch Argumente, die Berechtigung haben. Cliff Blezinsky schrieb Anfang des Jahres in seinem Blog einen Artikel über die wirtschaftlichen Motive. Spiele werden immer teurer, mehr Leute müssen bezahlt werden, mehr Jobs geschaffen werden. Dadurch, dass die Spiele selbst nicht teurer geworden sind in der neuen Generation, werden andere Geldquellen gesucht.
Und es scheint, dass die Microtransactions gerade erst aufwachen. Electronic Arts baut darauf auf (u.a. das Ultimate Team in FIFA)...
[vid]http://www.youtube.com/watch?v=ZR6-u8OIJTE[/vid]
Zum Glück hebt der Games-Journalismuss das System kritisch hervor und führt es als negativen und abwertenden Punkt in ihren Kritiken auf. Es bleibt abzuwarten, ob und wie Entwickler darauf reagieren. Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, dürfen wir uns auf Spiele freuen, in die man 400 Stunden Zeit für ein bestimmtes Auto investieren muss, weil die Ressourcen beschnitten sind. Und natürlich auf ganz viele tolle Hinweise im Spiel, die uns an die Microtransactions erinnern - und uns wunderbar aus der Atmosphäre des Spiels reißen.
Christopher Sundberg, Boss von den Avalanche Studios (Just Cause, Mad Max), kam via Twitter jüngst zu einer (traurigen) Schlussfolgerung:
In diesem Sinne: Willkommen in der NextGen!
PS: Fairerweise sei erwähnt, dass zumindest Sony mit seinen Titeln noch nicht auf den Zug aufgesprungen ist. Hoffen wir, dass das so bleibt.
PPS: Anbei noch zwei Videos zum Thema.
[vid]http://www.youtube.com/watch?v=XGGfwPIykAo[/vid][vid]http://www.youtube.com/watch?v=k1ypXcsYCD4[/vid]
PPPS: Wie steht ihr zu diesem Thema?
Sogenannte Microtransactions, auch Micropayment genannt, sind in einem großen Teil der Launch-Titel integriert worden - still und leise, ohne große Ankündigung. Sie sind einfach da und versuchen, dem Käufer des Vollpreis-Titels noch ein paar geringe Summen an Geld (i.d.R. 1-5 Euro) aus der Tasche zu ziehen.
Im Bereich der Free-2-Play Games sind diese längst Standard und die Einnahmequelle der Entwickler. Dabei können Spieler Skins, neue Charaktere, Erfahrung-"Booster" und andere Kleinigkeiten erwerben, um über die kostenlosen Standards des F2P-Spiels mehr Content zu erhalten.
Warum also der Aufschrei? Besonders, eigentlich nur Microsoft hat bei seinen Launch-Titeln nun ebenfalls Microtransactions eingeführt - mit dem elementaren Unterschied, dass die Launch-Titel nicht F2P, sondern bereits zum Vollpreis von 50-70 Euro erworben wurden.
Die Beispiele sind vielfältig:
In Ryse: Son of Rome von Crytek kann der Spieler im Multiplayer neben normaler Erfahrung zusätzlich Gold ansammeln, mit dem er sich "Boosterpakete" (allein der Name...) kaufen kann, in denen sich zufällige gewöhnliche/seltene/rare Ausrüstungsgegenstände und Potions befinden können. Allerdings sammelt sich das Gold recht mühselig an. Die Lösung? Microtransactions! Im Store könnt ihr euch das virtuelle Gold einfach für echtes Geld kaufen (für 2 bis 10 Euro) und euch somit Zeit ersparen.
In Crimson Dragon könnt ihr euch für echtes Geld Kristalle kaufen und euch somit langes Grinden ersparen. Solltet ihr weder Kristalle kaufen noch Lust und Zeit auf Grinden haben, entgehen euch halt Inhalte des Spiels.
The game's confusing UI and emphasis on downloadable content genuinely made me afraid to click anything for fear of mistakenly spending money on crystals.
http://www.gamesradar.com/xbox-ones...reshadows-dystopian-future-microtransactions/
Powerstar Golf schlägt in dieselbe Kerbe wie Ryse: Kauft euch für echtes Geld Boosterpakete und erlangt, wenn ihr wollt, unendlich viele Ausrüstungsgegenstände!
Und dann ist da noch Forza 5, das vielleicht aufbrausendste Spiel derzeit in Sachen Microtransactions. Ständig erinnert einen das Spiel daran, dass es doch möglich sei, sich "Tokens" und "XP-Booster" zu kaufen - für echtes Geld natürlich. Die Tokens gewähren Zugang zu teuren und seltenen Wagen, die XP-Booster erhöhen die zu erhaltenden Credits.
For 2,334 Tokens you can buy either a McLaren P1 or Ferrari Enzo. A Token pack costing £15.99 will cover either of those cars (you can buy packs of Tokens at the following prices: 100 is £0.79, 575 is £3.99, 1250 is £7.99, 2700 is £15.99, 8000 is £39.99 and 20,000 is £64.99), so with the 2700 Token pack that's one vehicle for £13.82. But there's much more expensive cars in Forza Motorsport 5, but the more Tokens you buy, the cheaper they are. If you bought the 20,000 pack (costing £64.99) the McLaren would cost just £7.58.
From the same pricing, a Veyron Super Sport will set you back £13.00, and the most expensive car in the game, the Lotus E21 will cost an incredible £32.50. The smaller the pack of Tokens, the more expensive they are, so the worst possible way of picking up the game's most expensive car would be to buy 100 of the 100 Token packs, bagging you the exclusive 10,000 Token Lotus E21 for a cool £79.
http://www.gamereactor.eu/news/99944/Lotus+E21+costs+%A332.50+in+Forza+5/
Auf Deutsch: Bestimmte Rennwagen sind über die Tokens nur für einen Preis von bis zu 60 Euro erhältlich! Und Turn 10 scheint sich dessen durchaus bewusst gewesen zu sein, immerhin gibt es im Store Kauf-Möglichkeiten für Tokens von bis zu 140 Dollar.
Geht's noch?
Bevor hier jetzt jemand kommt und meint "Scheiß' drauf, man kann so etwas doch einfach ignorieren!".
NEIN, KANN UND DARF MAN NICHT!
Es ist fatal zu glauben, dass ein Spiel mit "optionalen" Microtransactions dasselbe Spiel ohne dieses System wäre. Die Entwickler versuchen natürlich, Gründe und Anreize zu schaffen, damit die Spieler in die Tasche greifen - sonst wäre das System hinfällig und würde keinen Sinn ergeben.
Das heißt im Umkehrschluss, dass solche Spiele BEWUSST im Kontext eines solchen Systems entwickelt werden - und so etwas wird dann bereits im klassischen Game Design berücksichtigt.
Das einfachste und offensichtlichste Beispiel ist hier das "Grinden". Zeitintensives Abarbeiten von immer gleichen Aufgaben, Wiederholen von Leveln, Abschnetzeln von immer gleichen Gegnern...all das, um Ressource X zu "farmen" für kommende Gegenstände / Inhalte Y.
ALLE genannten Beispiele der Launch-Titel von Microsoft bauen genau darauf auf: In Ryse ist das Gold knapp, in Crimson Dragon die Kristalle, in Forza 5 die Credits.
Es wäre ein Leichtes für die Entwickler gewesen, ihre Spiele in Sachen BALANCING und PROGRESS so zu designen, dass der Spieler diese Ressourcen über Leistungen, eigenen Fortschritt und den allgemein Spielverlauf selbst im ausreichenden und stets verfügbaren Maße hätte erhalten können (wie in jedem NORMALEN Spiel der Vergangenheit auch).
Stattdessen bremsen die Entwickler diese Ressourcen und die Inhalte innerhalb des Spiels bewusst und deutlich, um über "BLING-BLING"-Hinweise die Käufer zu den Microtransactions zu bewegen.
Natürlich geben die Entwickler das nicht öffentlich zu und kriechen mit ihren gewohnten Argumenten um die Ecke - u.a. Turn 10:
On the upper end, our goal is to make the truly elite cars feel really exclusive. As a result, the top-end cars in Forza Motorsport 5 will cost significantly more in tokens than they would if you earned them with in-game credits. In the past, expensive cars could be purchased with very few tokens (not in proportion with the amount of effort required to earn the cars through racing), thus allowing players willing to spend tokens to jump straight into the most exclusive cars in the game. Now, we’ve made token prices equal to in-game credit prices. For those who want to spend some extra real money and get those exclusive cars, they’ll have that option, but they will no longer devalue the hard work of those who earned the cars through racing and building up in-game credits. Either way, expensive cars will have real rarity.
http://forzamotorsport.net/en-US/news/WIR_11_15_13
Andere begründen das System damit, dass nicht jeder die Zeit hätte für das Anhäufen der Ressourcen. Kein Wunder, möchte ich meinen, wenn man von sich aus das Spiel so entwickelt hat, dass der Spieler zu stundenlangem Grind gezwungen wird. Heuchlerisches Argument in meinen Augen.
Selbstverständlich gibt es auch Argumente, die Berechtigung haben. Cliff Blezinsky schrieb Anfang des Jahres in seinem Blog einen Artikel über die wirtschaftlichen Motive. Spiele werden immer teurer, mehr Leute müssen bezahlt werden, mehr Jobs geschaffen werden. Dadurch, dass die Spiele selbst nicht teurer geworden sind in der neuen Generation, werden andere Geldquellen gesucht.
Not only is the market more crowded than ever but your average consumer has many more entertainment options than ever before in the history of humanity.
http://dudehugespeaks.tumblr.com/post/44243746261/nickels-dimes-and-quarters
Und es scheint, dass die Microtransactions gerade erst aufwachen. Electronic Arts baut darauf auf (u.a. das Ultimate Team in FIFA)...
[vid]http://www.youtube.com/watch?v=ZR6-u8OIJTE[/vid]
Zum Glück hebt der Games-Journalismuss das System kritisch hervor und führt es als negativen und abwertenden Punkt in ihren Kritiken auf. Es bleibt abzuwarten, ob und wie Entwickler darauf reagieren. Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, dürfen wir uns auf Spiele freuen, in die man 400 Stunden Zeit für ein bestimmtes Auto investieren muss, weil die Ressourcen beschnitten sind. Und natürlich auf ganz viele tolle Hinweise im Spiel, die uns an die Microtransactions erinnern - und uns wunderbar aus der Atmosphäre des Spiels reißen.
Christopher Sundberg, Boss von den Avalanche Studios (Just Cause, Mad Max), kam via Twitter jüngst zu einer (traurigen) Schlussfolgerung:
“Micro-Transactions, subscriptions and other biz models will be the next generation of games. It is that simple.”
http://www.vg247.com/2013/11/25/mic...next-generation-of-games-says-avalanche-boss/
In diesem Sinne: Willkommen in der NextGen!
PS: Fairerweise sei erwähnt, dass zumindest Sony mit seinen Titeln noch nicht auf den Zug aufgesprungen ist. Hoffen wir, dass das so bleibt.
PPS: Anbei noch zwei Videos zum Thema.
[vid]http://www.youtube.com/watch?v=XGGfwPIykAo[/vid][vid]http://www.youtube.com/watch?v=k1ypXcsYCD4[/vid]
PPPS: Wie steht ihr zu diesem Thema?
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