Aber bitte erst mal über Osteopathie informieren und nicht denken, damit geht man zu einem Mediziner. Denn das ist eine Pseudowissenschaft/Alternativmedizin, ähnlich der Homöopathie, was die Grundlagen und Handlungsbegründungen angeht. Da geht es um Energieflüsse im Körper, die wieder in Gang gebracht werden müssen. Das dann auch die Begründung für schreiende Kinder. Dann wird irgendetwas gemacht, das jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt, in Studien keinerlei Nutzen aufweist und dafür ordentlich die Hand aufgehalten. Da wird nichts eingerenkt und keine körperliche Ursache behoben, weil das nicht das Ziel der Osteopathie ist. Lustigerweise finden Osteopathen bei so gut wie jedem Kind was. Klar, wenn als Grund dann übersinnliches Geschwurbel kommt, das nicht objektiv überprüfbar ist und man dafür kassieren kann, macht man das.
Wir haben beim ersten Kind auch ständig den Tipp bekommen, dann erst mal recherchiert, was Osteopathie eigentlich ist und uns klar dagegen entschieden.
Bei uns war es wohl auch das Verdauungssystem, das halt oft Blähungen und damit Schmerzen verursacht hat, verbunden mit einem sehr nähebedürftigem Kind.
Wenn Ärzte keinen Grund finden, dann ist es halt nichts, was jetzt abstellbar ist. Früher oder später wird die Schreierei besser, das kann ich versprechen. Auch ohne Alternativmedizin.
Und viele der "Erfolgsgeschichten" der Osteopathie kann man genauso begründen wie "Erfolgsgeschichten" der Homöopathie. Die Behandlungen dauern halt ein paar Wochen und in der Zeit kann es gut sein, dass sich die Ursache halt von selbst behebt. Und das schreiben die Befürworter dann natürlich der ach so tollen Alternativmedizin zu.
@powertube unser erster war ja auch nicht einfach. Lange kein Schreikind, aber wir hatten auch Tage und Nächte, in denen er mal 2 Stunden am Stück geschrien hat und nur durch körperliche Nähe - am besten im Tragetuch - beruhigbar war. Einfach so alleine einschlafen ohne erst mal getragen und geschuckelt zu werden, war undenkbar. Der Kinderarzt sagte auch direkt, das hat bei ihm keine erkennbare und behebbare körperliche Ursache und keinen Krankheitswert. Jedes Kind ist anders, manche schreien viel, manche weniger.
Viele Kinder, die oft schreien, haben wie gesagt einen noch unreifen Darm und damit schmerzende Blähungen, mit denen so ein kleiner instinktgesteuerter Wurm nicht umgehen kann. Andere Babys haben einen sehr ausgeprägten Bedarf nach Nähe. Menschen sind als Babys Traglinge, es ist in unserer DNA, ständig Nähe zur Mama zu haben (siehe Menschenaffen, die IMMER an der Mutter hängen). Daher ist diese Nähe der natürlichste Zustand für das Kind, alles andere macht Angst. Und Angst führt zu schreien. Wenn man also so ein Kind hat, das dann zufrieden ist, wenn es getragen wird dann ist mein Tipp: Tragt das Kind einfach. Es gibt jede Menge gute und einfach zu bediendende Tragen und auch Tragetücher sind kein Hexenwerk, wenn man sich zeigen lässt, wie die zu binden sind und ein wenig übt. Das haben wir auch monatelang gemacht, Mika war mehr in einer Trage als ohne, weil er uns halt deutlich gezeigt hat, das er das will.
Und bloß nicht "wie früher" das Kind "ausschreien" lassen. Wie gesagt, kleine Würmer sind instinktgesteuert, wenn es wirklich die Angst ist, die das Baby überkommt, wenn es alleine ist, dann führt das zu instinktiver, sehr starker Angst und kann sogar das Urvertrauen zu den Eltern beeinträchtigen. Denn für ein Baby ist es instinktiv normal, das die Mama kommt, wenn es schreit. Ist das nicht der Fall, geht es irgendwann in den Survival-Modus und wird still, weil es Angst hat komplett alleine zu sein und Raubtiere auf sich aufmerksam zu machen (natürlich nicht auf einer kognitiven Ebene, sondern rein durch über Jahrtausende evolvierte Instinkte). Das ist also keine Erziehung, sondern man bringt sein Kind zur Resignation. Das will man seinem Kind nicht antun, auch wenn es manchmal die bequemste Lösung wäre. Aber Eltern sein ist nicht immer bequem, sondern auch anstrengend. Auch für das Umfeld.
Und zur Klarstellung: Meine Tipps beziehen sich auf kleine Babys, nicht auf Kleinkinder, die 1,5, 2 Jahre oder älter sind. Da kann man ruhig irgendwann mit Konsequenz "entwöhnen", da sie auf kognitiver Ebene begreifen können was passiert. Und auch im Gegenzug schon manipulieren können, um ihren Willen zu bekommen. Haben wir auch bei unserem Großen gesehen. Der inzwischen übrigens ohne Theater ein- und durchschläft.