So, nachdem meine Maus jetzt schon sechs Tage alt ist und wir gestern heim gekommen sind, komme ich auch dazu mal wieder ein paar Worte zu schreiben.
Das waren jetzt unheimlich intensive Tage und ja - es stimmt - wir haben keine Nacht mehr auch nur ansatzweise richtig schlafen können

Wir haben im Vorhinein ja einige Elternbücher gelesen und einen Vorbereitungskurs besucht, aber die nackte Realität sieht dann doch immer ganz anders aus.
Da unsere Kleine ja quasi immer in Beckenendlage gelegen hat, war klar dass sie leider per Kaiserschnitt kommen muss. Und so wussten wir dann eben schon ein paar Tage vorher den Geburtstermin. Das hat sich schon ziemlich komisch angefühlt, wenn man so genau weiß wann man Vater wird. Und Sorgen um meine Frau habe ich mir ja doch auch irgendwie gemacht. Hab mir am Vorabend auch nochmal die ersten Seiten des Threads und Urgs Schilderungen durchgelesen. Am tatsächlichen Tag ging aber alles ganz schnell. Ins Zimmer, für die OP vorbereitet, hoch in den OP Bereich, warten bis ich in den OP Raum darf (Betäubung etc. durfte ich nicht dabei sein). Und dann dauerte es keine 2 Minuten und wir sahen unseren Wurm. War total surreal und wie im Film. Ich saß beim Kopf meiner Frau und hielt ihre Hand. Unterhalb der Brust war wie ein Vorhang gespannt und plötzlich wird ein schreiendes etwas Mensch darüber gehalten und wir schauen ungläubig hoch. Wahnsinn. Danach wurde meine Frau noch weiter verarztet und war dann leider ca. eine Stunde von uns weg.
Ich bin mit der Hebamme mit und war bei der Erstuntersuchung, Waschung etc. unserer kleinen dabei. Danach gingen wir in unser Zimmer und plötzlich war ich mit dem kleinen Schatz ganz allein im Zimmer. Ein unbeschreiblicher Moment wie wir da so die halbe Stunde im Bett liegen und ich sie im Arm haltet und sie mich die ganze Zeit ansieht. Die Augen

Ich hab ja gedacht es dauert länger bis Babys die Augen öffnen. Aber unser Wurm hat mich gleich angesehen. Und natürlich ist sie das hübscheste Mädchen von der ganzen Welt

Das kennt wohl jeder Vater.
Der Moment als meine Frau reingerollt wurde und das Kleine bekam, war das der nächste Gänsehautmoment. Wir drei zum ersten Mal alleine und als Familie. Da sind dann schon ein paar Tränchen gekullert.
Leider mussten wir schon schnell einen der Nachteile vom Kaiserschnitt erfahren. Dadurch dass sie sich nicht durch den engen Geburtskanal drücken musste, hatte die Kleine noch Fruchtwasser in der Lunge und hat immer wieder gewurkst und ist rot angelaufen. Jedesmal total Panik. Meine Frau konnte sich ja nicht bewegen und ich hatte eigentlich Höllenangst dass ich die Kleine falsch anpacke und kaputt mache. Aber es half ja nichts. Und so ging es dann schneller als gedacht, dass ich ein Babygreifprofi wurde.

Trotzdem waren wir dankbar, als die Nachtschwester nachts um zwei anbot das Kleine zu sich zu nehmen, damit wir mal ein paar Stunden schlafen konnten. Wir kamen uns zwar im ersten Moment wie schlechte Eltern vor, aber das war das Beste was wir machen konnten.
Was aber richtig toll war, war das Familienzimmer. Wir hatten Glück eins zu bekommen. Der Gedanke war eigentlich der, dass meine Frau alleine in einem Zimmer ist und so ihre Ruhe hat und nicht noch jemand Fremdes mit im Zimmer liegt. Letztlich war ich so aber von Mittwoch bis Montag Tag und Nacht bei meiner Familie, da ich auch dort geschlafen habe. Kann ich jedem nur empfehlen. Das hat uns gefühlt schon direkt viel enger als Familie zusammengeschmiedet. Gerade auch weil meine Frau ja nichts machen konnte und ich mich um alles gekümmert habe und so viel schneller mit vielen Dingen konfrontiert wurde und daran gelernt habe. Wir hatten so keine Angst mehr als wir gestern heim sind, da sich schon alles natürlich angefühlt hat. Und wir in den vergangenen Tagen auch viel "üben" konnten. Sprich ständig die Schwester rufen und sie Löcher in den Bauch fragen.

Ich glaub die waren echt froh wie wir endlich abgezogen sind.
Der Moment des Heimkommens gestern war natürlich auch wunderbar. Endlich in der gewohnten und vorallem auch ruhigen Umgebung. Meiner Frau ging es direkt besser und auch die Kleine wurde gleich entspannter. Hier hat sie dann auch das erste Mal gelächelt
Momentan versuchen wir unseren Rhytmus zu finden und kämpfen auch noch mit dem Stillen. Das funktioniert inzwischen, aber so ganz verstehe ich jetzt noch nicht, welchen inneren zeitlichen Gesetzen das ganze folgt. Seit drei Tagen dreht sie zwischen fünf und zehn Uhr abends immer ab und will quasi dauer gestillt werden. Dafür schläft sie dann relativ lange und will Nachts nur einmal haben. Nennt man clusterfeeding wie ich gelesen habe.
Zu guter Letzt bin ich total über mich erstaunt. Wie sehr so ein süßer Wurm auch einen als Mann berührt und sich schlagartig sämtliche Wertigkeiten verschieben. Und auch Dinge die mir vorher Sorgen gemacht haben (Windelwechseln habe ich mir als totalen Eckelhorror vorgestellt und jetzt macht es mir überhaupt nichts und ist sogar einer der schönsten Momente, da man(n) dabei auch herrlich schmusen kann). Ich könnte stundenlang neben Ihrem Bettchen sitzen und sie einfach nur ansehen und immer wieder "oh, ist die süß" seufzen.