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Felon probiere ich mal meinen neuen Wertungskasten aus, der die Filme ein wenig genauer bewerten soll, als die, von mir ansonsten verwendeten, ganzen Zahlen. Wenns bei Games so gut funktioniert, wieso nicht auch bei Filmen?

Also:
Felon [Blu-ray]
Als Wade Porters (Stephen Dorff) eines Nachts einen Einbrecher mit einem Baseballschläger niederstreckt, ändert sich sein Leben schlagartig. Da er den tödlichen Schlag nicht in seinen eigenen vier Wänden, sondern auf der Straße, ausgeübt hat, handelt es sich nicht mehr um Notwehr, sondern um Todschlag, woraufhin Wade drei Jahre hinter Gitter kommen soll. Doch schon auf der Busfahrt ins Gefängnis geht etwas gehörig schieß und Porter wird ein Mord an einem Mithäftling in die Schuhe geschoben. Seine Strafe wird verlängert und er in den Hochsicherheitstrakt verlegt, wo er, unter der brutalen Leitung des Oberwärters Lt. Jackson (Harold Perrineau), versucht den Knastalltag zu überleben. Seine Lage scheint aussichtslos, bis der 16-fache Mörder John Smith (Val Kilmer) sein neuer Zellennachbar wird - er scheint der Einzige zu sein, der Wade jetzt noch helfen kann.
Felon ist ein hartes Gefängnisdrama, das nicht nur durch eine realistische Inszenierung, sondern auch mit seinen grandioses Darstellern und einer interessanten Handlung punkten kann. Diese ist zwar nicht gerade weltbewegend und wird sehr geradlinig erzählt, weiß den Zuschauer jedoch zu packen und kann sogar mit einem überraschend cleveren Finale punkten.
Beonders macht
Felon aber nicht die Story, sondern die extrem realistische Umsetzung. Dies beginnt schon bei der Kamera. Gefilmt wurde nämlich mit einer Handkamera, was dem Film stellenweise schon fast wie eine Doku wirken lässt. Gerade die, häufiger als erwartet stattfindenden, Faustkämpfe kommen so noch härter rüber.
Nicht selten habe ich kurzzeitig die Augen schließen müssen, da ich dachte "Ugh, das muss weh tun!". Überhaupt wurde das Gefängnissetting sehr authentisch umgesetzt. Die meiste Zeit spielt der Film in nur drei Räumen - dem Innenhof, der Gefängniszelle und dem Raum, im dem sich die Wärter aufhalten - was für eine beklemmende Atmosphäre sorgt. Auch die Tatsache, dass in einem echten, stillgelegten Gefängnis, mit echten Ex-Häftlingen, gedreht wurde trägt deutlich dazu bei.
Beeindruckt hat mich aber nicht nur die Inszenierung, sondern auch die Darsteller.
Diese können alle, von Anfang bis Ende, überzeugen. Gerade Stephen Dorf hätte ich eine so glaubwürdige und überzeugende Darbietung nicht wirklich zugetraut, da er ansonsten nur in verhältnismäßig eindimensionalen Actionrollen zu sehen ist. Begeistert hat mich auch, mal wieder, Val Kilmer. Meiner Meinung nach wird dieser Mann in Hollywood extrem unter Wert verkauft. "Columbus Day", "Spartan", "Kiss Kiss Bang Bang" und jetzt
Felon. Leider alles verhältnismäßig unbekannte Filme, in denen Kilmer jedoch immer eine grandiose Figur macht.
Ein besonders Lob muss ich noch an Harold Perrineau aussprechen, der den meisten wohl als Michael aus "Lost" bekannt sein dürfte. Toller Schauspieler, der auch hier, als skrupelloser Aufseher, überzeugt. Würde ihn gerne häufiger in Kinofilmen sehen.
Insgesamt ist
Felon ein geradliniges Gefängnisdrama geworden, das durch seine spannende Handlung, eine packende und realistische Inszenierung und hervorragende Schauspieler begeistern kann. Das Ende wurde mir ein wenig zu schnell abgehandelt und etwas mehr Tiefe hätte der Film auch vertragen können - was jetzt aber nicht heißen soll, dass er keinen Inhalt bietet -, ansonsten gibt es eine klare Empfehlung. Und lasst euch nicht von der Gefängnisthematik abschrecken. Normalerweise stehe ich auch nicht auf diese Art von Film, aber
Felon ist intelligenter und mitreißender, als erwartet.
Handlung: 6/10
Darsteller: 9/10
Inszenierung: 8/10
Atmosphäre: 10/10
Spannung: 8/10
Gesamtwertung: 8.2/10 Punkte