Kurze Warnung: Ich gehe davon aus, dass der Leser sämtliche acht Staffeln gesehen hat. Sollte dies nicht zutreffen, raus aus diesem Artikel!
24 ist eine dumme, dumme... dumme... Show. Ernsthaft, die Show ist so dermaßen behindert, dass man nur unter Zurückstellung jeglichen Restverstandes den über-grenz-debilen Handlungen, Wendungen und Intrigen, den vielen Maulwürfen, Überläufern, Verrätern, Betrügern und den zufälligen Auftritten der richtigen Charaktere am richtigen Ort glauben kann und selbst dann kann es passieren, dass die Hand aus reinem Instinkt Richtung Kopf fährt.
Andererseits gibt es keine Show, die mich zehn Stunden am Tag an den Fernseher fesselt, eine BluRay direkt nach der letzten einlegend, unfähig auch nur eine Essenspause einzulegen.
Das Geheimnis, insbesondere nach Staffel 8, ist klar. Es heißt Kiefer Sutherland. Er muss es sein, denn durch die Mordlust der Autoren ist er einer der ganz wenigen, die aus Staffel 1 noch leben. Weitere Charaktere müssten Ethan Kanin sein, Aaron Pierce, Kim Bauer, Tony Almeida und dann hört die Liste meines Gedächtnisses auch schon auf. Das Problem dieser Tötungswut liegt freilich darin, dass man beliebte Charaktere entfernt und damit auch die Verbindung zum Zuschauer. Wenn pro Staffel neue Figuren eingeführt werden, die dann lediglich die Rolle der Verstorbenen erben sollen, wird die Identifikation schwerer, insbesondere, wenn man ohnehin permanent mit dem Ableben rechnen muss. Und so geschah es, dass, je weiter die Staffeln voran schritten, als einziger Bezugspunkt Jack Bauer übrig blieb. Dabei bedurfte es schon eines Schauspielers des Kalibers von Sutherland, um diesen mordenden, folternden, brüllenden Hardliner überhaupt ansatzweise sympathisch rüber zu bringen.
Du... Stirb! Ok...
Es ist eigentlich nichts dagegen zu sagen, seine Charaktere zu dramatischen Zwecken sterben zu lassen. Es wird nur dann störend, wenn man merkt, dass sie NUR zu dramatischen Zwecken sterben. So dreht sich die gesamte erste Staffel um die versuchte Ermordung von Senator David Palmer. Die Terroristen haben sich komplizierte Plots ausgedacht, eine Geiselnahme, Einschleusung eines CTU Agenten, etc. etc. und am Ende stirbt Palmer zu Beginn von Staffel 5 durch einen Scharfschützen, der sich im gegenüber liegenden Gebäude verschanzt hatte. Das war alles, was es brauchte. Keinen Jack Bauer, dessen Familie in Gefangenschaft war, keinen giftigen Handschlag auf einem öffentlichen Platz, nur ein Gewehr mit guter Reichweite. Und das war jetzt in Staffel 1 nicht zu bekommen?
Sie wollte es doch auch...
Konkret zu Staffel 8 lässt sich sagen, dass der Vorgang der Fertigung des Skriptes zur Show weniger ein Schreiben im eigentlichen Sinne darstellt, sondern mehr eine Vergewaltigung eines Stücks Papier unter Zuhilfenahme eines Stiftes.
Präsident von Fake-Iran Omar Hassan wird zunächst als die Integrität in Person präsentiert, die sogar eine Affäre mit einer Frau aus dem Westen zugibt, um sie vom Vorwurf des Verrates und der Verschwörung zu lösen, entgegen den klaren Rat seines Bruders. Als sich besagter Bruder jedoch seinerseits als Verräter heraus stellt, wird derselbe Präsident plötzlich zu Hitler, lässt wahllos Leute verhaften, befiehlt das Festnehmen von Frau und Kind seiner Berater und lässt seinen Leibwächter Nr. 1 foltern. Kurz darauf opfert er sich ehrenhaft für das Leben von ein paar Amis. Das nenn ich mal so richtig beschissene Charakterisierung.
Es geht aber weiter mit Dana Walsh aka Jenny Scott. Die Dame wirkt so blass, dass ich die Farbe des Fernsehers aufdrehen musste, um sie zu sehen. Recht früh kontaktiert sie ihr Ex-Freund, frisch aus dem Knast und drohend, ihre wahre Identität aufzudecken und ihr Leben zu ruinieren. Wie ein kleines Mädchen heult und weint sich Dana durch die Episoden, völlig fertig und überfordert mit der Situation. Sie gibt dem Mann, der sich ekelhafter nicht benehmen könnte, den Schlüssel zu ihrer Wohnung und lässt sich darauf ein, einen Raub mit ihm und seinem Kumpel unter Ausnutzung ihrer CTU Kontakte zu organisieren. Als die beiden sie dann, wider Erwarten, immer noch nicht in Ruhe lassen, greift sie sich eine Waffe und lauert ihnen auf. Weinend sehen wir sie mit zitternden Händen, als sie den Schalldämpfer aufschraubt. Wir glauben, eine junge Frau zu sehen, die am Ende ist mit ihren Kräften und nur noch einen Ausweg sieht. Es kommt nicht soweit und ich will gar nicht darauf hinaus, was für ein Blödsinn statt dessen passiert, aber nur wenige Folgen später droht der Bewährungshelfer ihres nunmehr verstorbenen Exes unangenehme Fragen aufzuwerfen. Bei der ersten günstigen Gelegenheit erwürgt sie daraufhin den, zwar nervigen, aber wohl unschuldigen und rechtschaffenen Mann und versteckt die Leiche in der Bürowand. So finden wir nun heraus, dass Dana Walsh der Maulwurf der Terroristen ist.
Ich will gar nicht mal darauf hinaus, dass jede Strafverfolgungsbehörde und jeder Geheimdienst der USA eine Maulwurfquote von ca. 30 % zu haben scheint. Mir geht es um Folgendes: In den ersten Folgen, wo der Zuschauer noch nicht weiß, dass sie zu den Bösen gehört, bringt sie mehr als weinen nicht fertig und das obwohl ihr Ex sie bedroht, ausnutzt, verprügelt und erpresst. Sie lässt alles mit sich machen, ist die Hilflosigkeit in Person, aber ab dem fatalen Treffen mit dem Bewährungshelfer ist sie eine eiskalte Killerin, die das Leben von Menschen auslöscht, die es weitaus weniger verdient hätten als die beiden Opfer, die sie fast acht Stunden lang in Schach halten. Die Dana aus den späten Folgen hätte die beiden aller spätestens beim ersten Treffen in ihrer Wohnung erschossen, wenn nicht sogar noch früher. Das nenn ich aber mal so richtig schön beschissene Charakterisierung.
Dann haben wir Präsidentin Taylor, die herzlose Bitch, die ihre eigene Tochter auf den elektrischen Stuhl schickt. Bis dato wurde sie als Heilige dargestellt, nun plötzlich mutiert sie zum kleinen Schulmädchen, das sich vom bösen Logan manipulieren lässt. Okay, Fräulein will seinen Friedensvertrag unterzeichnet haben, aber zu welchem Preis? Der Präsident von Fake-Iran wurde brutal und im Internet übertragen ermordet, eine private Sicherheitsfirma soll Beweise dafür finden und durch Folter erzwingen und anschließend alle Beteiligten töten. Das FBI macht Razzien in Verlagsgebäuden und wer sich weigert, der wird mal eben so mit einem Angriffskrieg bedroht. Der Frau und jetzigen Präsidenten von Fake-Iran (ja, genau eine FRAU als Oberhaupt eines islamischen Staates. Soll ich lachen? Das kriegen wir ja nicht mal in Europa hin! Und nein, Deutschland ist keine Ausnahme. Staatsoberhaupt in Deutschland ist ein Mann!), der Frau jedenfalls soll davon natürlich nichts gesagt werden. Da sitzen also am Tisch Menschen, die den Vertrag so dringend verhindern wollten, dass die dafür Morde begehen. Und mit denen will Präsidentin Allison den Friedensvertrag abschließen? Mädel, ein solcher Vertrag ist die Tinte nicht wert, mit der er unterschrieben ist. Aber für soviel Weitsicht reicht es im Weißen Haus nicht. „Every contract has blood on it.“ sagt irgend jemand aus dem Stab. Mag ja sein. Aber eine Ehe, die geschlossen wird, obwohl der Bräutigam sich am gleichen Tag mit zwei anderen Frauen verlobt hat, hält im Zweifel auch nicht bis zur Goldfeier. Sollte man halt bedenken.
Danke, Jack. Jetzt fick dich!
Und dann das Ende. Was für ein Ende der finalen Season und damit der Show. Ich habe bisher noch kein SerienFinale gesehen, das mir gefallen hat (Monk war ok) und 24 ist keine Ausnahme. Dabei handelt es sich nicht einmal um einen Bullshit, der die gesamte restliche Show zunichte macht (Hello, Lost!). Im Grunde endet 24 gar nicht, es hört einfach auf. Mitten drin. Gut, ähnliche Enden sind wir von 24 durchaus gewohnt, aber so dermaßen unwürdig und im luftleeren Raum hätte es nicht sein brauchen.
Fassen wir kurz das Ende von Staffel 8 zusammen. Die Russen sind die Bösen, aber President Taylor will ihren Friedensvertrag durchziehen. Also vertuscht sie alles, aber Jack dreht durch und tötet sich durch New York, wobei er unter anderem Graham McTavish und sein Gefolge tötet. Schlussendlich wird er gestellt, will sich dabei noch mit Chloe verbünden, aber auch sie wird von President Logans Lackaffen, der Typ, der Terry Crowley aus The Shield gespielt hat, verhaftet und die Beweise sind gesichert.
Soweit noch alle dabei?
Alles Arsch also, aber President Bitch sieht das Video an, das Jack zuvor für Kim gemacht hat, in welchem Jack das ausspricht, was jedem denkendem Menschen von Anfang an klar ist und was ich gerade oben selber geschrieben habe. Zur Wiederholung: „Da sitzen also am Tisch Menschen, die den Vertrag so dringend verhindern wollten, dass die dafür Morde begehen. Und mit denen will Präsidentin Alisson den Friedensvertrag abschließen? Mädel, ein solcher Vertrag ist die Tinte nicht wert, mit der er unterschrieben ist.“
Jacks emotionale Ansprache sorgt dafür, dass Taylor zur Besinnung kommt. Freilich zu spät für... naja, alle. Hassan ist tot, die Russische Delegation ist tot, Walker ist tot, Logan ist... fast tot, Crowley ist tot und Taylor sowie Jack haben eine kleine Liste an strafbaren Handlungen vorzuweisen, für die sie sich zu verantworten haben. Und so enden acht Jahre Jack Bauer, acht Jahre, in denen Jack seinem Land ALLES geopfert hat, damit wie er schwer verletzt als Most Wanted Man nach Timbuktu auswandern muss, weil er einen Haufen Arschlöcher gekillt hat, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als Komplotte gegen den Frieden und die Freiheit zu schmieden. Nicht, dass das was Neues wäre. Ähnlich endeten grob geschätzt 50 % der 24-Staffeln, nicht zu vergessen sein Kurzurlaub in China oder das Sterbebett aus Staffel 7 und bisher war er am Anfang jeder neuen Staffel trotzdem wieder voll dabei. Insoweit gäbe es für eine Staffel 9 wohl kein sonderlich großes Problem. Das ist einer meiner Kritikpunkte, dass Staffel 8 genauso endet wie alle anderen Staffeln zuvor. Wäre Jack nicht zuvor schon ähnlich Schlimmes oder sogar Schlimmeres widerfahren, von dem er sich ohne Nachwirkung erholt hat, dann hätte dieses Ende sogar richtig Eindruck gemacht. So hingegen ist es einfach nur eine weitere Folge 24. Wäre Jack hingegen im Kugelhagel gestorben oder hätte er sich gar für die restliche Welt geopfert, dann hätte dies seinem tragischen Leben den Schlusspunkt verpasst. Ihn dagegen durch eine dreckige Seitengasse humpeln zu sehen, ist ein mehr als trauriger Abgang.
0:3 für die Anderen
Was ebenfalls einen Beigeschmack hinterlässt, ist dass Jack in den letzten grob geschätzt sechs Folgen nichts mehr erreicht. Seine Ansprache hat er in ähnlicher Form schon vorher gehalten. Alles, was nötig gewesen wäre, wäre dass President Taylor zu Verstand kommt und nichts von all den grausamen Ereignissen der letzten Stunden wäre passiert. Nein, eigentlich hätte sie nicht mal zu Verstand kommen müssen. Sie hätte einfach nur in ihrem Charakter bleiben müssen. Sie hätte einfach nur die Präsidentin bleiben müssen, als die sie in Staffel 7 und der ersten Hälfte von Staffel 8 dar gestellt wurde. Eine integere, ehrbare Frau mit Sinn für Moral und Anstand. Das hätte gereicht, um das letzte Drittel der finalen Staffel überflüssig zu machen.
Und so ganz nebenbei: Bei jedem Verhör mit jedem Maulwurf/Terrorist werden uneingeschränkte Immunitäten vergeben, als würden die morgen schlecht, Immunitäten für Mörder, Verbrecher, Terroristen, Landesverräter. Und für einen Jack Bauer bleibt nur der Rat, das Land zu verlassen? Fuck you!
Okay, Scheiß-Ende, aber das war zu erwarten. Was nicht zu erwarten war, wie wenig neue Einfälle die Autoren hatten. Eine Szene, in der ein Einsatz daran scheitert, dass die Live-Verfolgung des Geschehens sich als aufgezeichnetes Video herausstellt, ist eine Szene 1:1 übernommen aus einer früheren Staffel (3 vielleicht?). Auch Logan kommt zurück und verwandelt sich in Grima Wormtongue. Hat der Kerl nicht genug genervt? Wir alle wissen, dass er böse ist, wieso belästigen uns die Autoren nach wie vor mit dem Kerl? Wieso lassen sie eine Frau wie Allison Taylor Dinge tun, für die der Zuschauer sie anbrüllen und zurecht weisen will?
Nahezu jeder in Staffel 8 ist entweder ein Vollidiot, Verschwörer oder Mörder. Jack Bauer zehrt gewaltig von dem Bonus, den er sich in den vorigen sieben Staffeln erarbeitet hat. Freilich hat er eine der besten Szenen der gesamten Serie für sich eingenommen, was nicht schwer ist, da niemand mehr Screentime hat als Bauer. Kleiner Tip: Hat was zu tun mit einer vollen Kampfmontur und einem Tunnel. Awesomeness zum Quadrat, sag ich nur.
Während in jedem Hollywoodfilm das Ende klar ist (der Held gewinnt und rettet das Mädchen), kann in 24 alles passieren. Das ist grundsätzlich schön und ein Weg ab von den ewigen Märchen der heilen Welt, aber in Staffel 8 übertreiben es die Autoren etwas. Es ist äußerst unbefriedigend, wenn der große Held GAR NICHTS hinkriegt. Bauer kann weder die Bombe finden noch Präsident Hassan retten. Er kann weder die Beweise von Dana Walsh noch das Gespräch mit Logan sichern. Er kann die russische Beteiligung an der Verschwörung nicht nachweisen und Logan nicht überführen. Er bleibt freilich Ausgangspunkt für alle Ereignisse, aber das einzige, was er sich wirklich auf die Habenseite schreiben kann, sind ein paar brutale Kills.
So ein Bauer
Jack Bauer ist mit weitem Abstand härteste Hund, den es je gab. Staffel 8 beginnt um 16 Uhr, also kann man davon ausgehen, dass er zu dem Zeitpunkt schon eine Weile wach ist. Er wird verprügelt, gefoltert, mehrfach mit Messern verletzt, schläft nicht, isst nicht, trinkt nicht, vögelt zur Mitte aber Renee durch. Er ist knallhart und konsequent, hat aber nur drei Arten zu sprechen. Der Rundown ist wie folgt:
Nr. 1. Ich nenne diesen Sprechmodus: DROP YOUR WEAPON! Ihr kennt ihn alle.
Nr. 2. Der emotionale Modus. Dabei wird er so leise und bewegt die Lippen so wenig, dass man Untertitel braucht, um zu merken, ob nicht vielleicht der DVD Player eingefroren ist.
Nr. 3. Ich habe keine Namen hierfür, aber er ist die Mischung aus oben genannten. Kommt meistens in Verhören zum Einsatz, wenn er dem Delinquenten erklärt, was er gleich alles schlimmes mit ihm machen wird. Steigert sich gerne mal in den DROP YOUR WEAPON! Modus.
Und ganz wichtig, während aller drei Modi spricht er immer, wie unmittelbar nach einem Marathon.
Jack Bauer ist der Held, der keiner sein will. Nichts hasst er mehr auf dieser Welt als sich selbst und deshalb lässt er sich keine Gelegenheit entgegen, den Heldentod zu sterben. Wahrscheinlich war er am Ende von Staffel 8 genauso enttäuscht wie ich, dass er keine Kugel abkriegt.
Jack Bauer trifft all unsere Nerven. Mal ehrlich, wenn ein Mensch unsere Familie tötet, wollen wir dann wirklich sehen, wie er ganz manierlich in den Gerichtssaal geführt wird? Name, Adresse, haben Sie etwas zu sagen, nein. Dann der Verteidiger mit der schweren Kindheitsstory und am Ende er mit: Es tut mir so leid. 10 Jahre Haft bei drei Mahlzeiten täglich, Arbeitsgelegenheiten und geregelten Besuchszeiten, es sei denn, er kommt wegen guter Führung vorher raus.
Oder wenn wir einen Täter vor uns sitzen haben, der etwas über den Verbleib einer Bombe in der Innenstadt weiß. „Ich mache von meinem Schweigerecht Gebrauch.“ Tja, schade kann man nix machen.
Das will doch kein Mensch. Der hat Infos, die zur Rettung von hunderttausend Menschen beitragen können? Dann soll er sie ausspucken. Macht er nicht freiwillig, dann gibt es einen Klaps auf den Hinterkopf. Spricht er immer noch nicht, dann schließen wir ihm die Klöten an die Autobatterie an. Ja, mein Gott, wir reden hier von hunderttausend Unschuldigen, dann wird man doch wohl einem Kameltreiber ein bisschen die Eier braten dürfen oder nicht? Menschenrechte gut und schön, aber wie hieß es schon in Pappa ante Portas: „Aber doch nicht jetzt, um diese Zeit.“
Wir brauchen jemanden wie Jack Bauer. Der Mann, der die einfache Lösung hat. Böse Menschen gehören gekillt, Unwillige gefoltert. Anders kriegt man in 24 Stunden natürlich auch nichts getan. Die meisten, die Jack erlegt, sind zum Glück eh nur Ausländer, der Schaden hält sich also in Grenzen. Nur in der Liebe hat er Pech. Dem Männe sterben die Damen weg wie anderen Leuten die Hamster. Zum Glück hat er keine Haustiere.
Der zweite wichtige Charakter ist Chloe. War es nicht sogar Tony Almeida, der da sagte: „Chloe, I'm getting real tired of your personality.“ Immerhin hat sie Persönlichkeit und Charakterstärke. Sie ist neben Jack einer von nicht mal einer Handvoll Charakteren, die ihrer Linie treu bleiben und sich nicht pro Folge zwei Mal um 180° Grad drehen.
Auch gar nicht mal so schlecht: Prinz Freddie Junior als Cole Cortiz. Mir hat er gefallen und der Grund dafür, dass er nicht ankommt, dürfte weniger auf seiner Leistung beruhen als auf dem typischen Hass der Hater.
2 good 2 be true
Und während alle Welt immer von Cherry Jones schwärmt, war ich tief beeindruckt von Necar Zadegan (ich versuch nicht mal, das auszusprechen). Mit einer unglaublichen Stärke und Nachhaltigkeit, freilich gepaart mit ihrer exotischen Schönheit und einer geradezu adeligen Aura, übernimmt sie jede Szene, in der sie ist und da sie oft gemeinsame Szenen mit Cherry Jones hat, ist das eine ziemliche Auszeichnung. Nicht vergessen wollen wir ihre Tochter Kayla, gespielt von Nazneen Contractor. Niemand kann „traurige Augen“ besser darstellen als die junge Inderin.
Ach ja, und wenn uns der Charakter eines lehrt, dann Folgendes:
Wenn das Ziel lautet, seine Schönheit so gut es menschlich irgendwie nur geht zu verbergen, dann geht nichts über ein Kopftuch. There, I said it!
Losgelöst von Staffel 8 zählten zu meinen Favouriten folgende Figuren:
David Palmer:
Er ist nicht nur schwärzer als Obama, ich halte ihn auch für den besseren Präsidenten. Stark, autoritär, bärige Stimme... sehr sexy. Sein billiger Tod war eine Sünde, die ich den Autoren nie verziehen habe. Es sei erwähnt, dass Schauspieler Dennis Haysbert die Stimme von Irvin Lambert stellte in den ersten beiden Splinter Cell Spielen. Notiz am Rande.
Chase Edwards:
Nur ein Spaß, niemand mochte diese Witzfigur...
Tony Almeida:
Wenn ich ihn vorher nicht schon gemocht hätte, spätestens ab Staffel 7 liebte ich ihn. Er hat das getan, was man Jack immer hätte zutrauen müssen. Genau wie Jack hat Tony alles verloren im Dienst für den Staat. Doch während Jack gar nicht schnell genug wieder für dieselben Leute arbeiten kann, nur um am Ende wieder der Arsch mit Ohren zu sein, hat Tony ganz andere Ideen. Keine Szene hat sich so eingebrannt wie das Finale von Staffel 7.
„These people think they can take everything away from us, Jack! Somebody had to stop 'em! And what did you do, huh? You ran away! That's right, you ran away Jack! You're one of them now! Congratulations! How would Teri feel about that, huh Jack?! Huh?! You lost your nerve! You're a coward Jack!“
Was ein Held bekommt, hat Jack in Staffel 8 wieder einmal wunderbar gesehen. Wisst ihr was: Tony hatte Recht. Jack und Tony hätten sich zusammen tun und die US of A durchficken sollen, für alles, was die ihnen angetan haben. Das wär mal eine finale Staffel gewesen.
An richtig lieb gewonnen Charakteren war es das, was angesichts des extrem dichten Cast durch die Staffeln schon bemerkenswert ist. Gaststars wie Michael Madsen, Peter MacNicol, Dennis Hopper, Tobin Bell (Yep, JigSaw!), James Cromwell, David Anders (Alias), Jon Voight, Hakeem Kae-Kazim (Lost) und einer ganzen Reihe weiterer plus eigentlich ganz vernünftige Hauptcharaktere wie Michelle oder Curtis und trotzdem gibt es über acht Staffeln hinweg nur vier Charaktere, die mir wirklich am Herzen lagen, drei davon aus Staffel 1. Damit sind wir zurück beim Hauptproblem der Show. Sie ist ganz einfach overwritten. Zu viele Tote, zu viele Verräter und Doppelspieler, zu viele Variablen, zu wenig Konstante. Es ist wie ein Trip in ein fremdes Land, in dem man nichts kennt und nichts so ist, wie man es von zu Hause gewohnt ist. Doch dann stolpert man über ein McDonalds Zeichen und ist glücklich. Man hält sich an das Bekannte. Ich glaub, jetzt hab ich das perfekte Bild: Jack Bauer ist der Ronald McDonald des internationalen Terrorismus.
Warum haben die eigentlich alle so eine Angst vor den Atombomben? Haben die keine Kühlschränke?
Und ab wann genau hat 24 nun den Punkt überschritten? Ab wann hat die Show den Hai übersprungen? Manche sagen, ab dem Zeitpunkt, an dem Tony zum vierten Mal die Seiten gewechselt hatte. Andere sagen, ab dem Punkt als mit Charles Logan im Grunde genommen Richard Nixon eingeführt wurde. Wenn ihr mich fragt, dann hat die Show jeden Resthauch an Glaubwürdigkeit verloren in dem Moment, als Kim Bauer in der zweiten Hälfte der ersten Staffel zum zweiten Mal entführt wurde. Wie schon gesagt, die Sendung ist dumm. Man müsste einen dreiseitigen Artikel pro Folge schreiben, um dem Meer an Unlogik und Unsinn Herr zu werden. Allein die Tatsache, dass Jack Bauer nach sieben kompletten Weltuntergängen, die er quasi im Alleingang verhindert hat, praktisch null Glaubwürdigkeit und noch weniger Einflussmöglichkeiten bei den Behörden hat, ist ein Ding der Lächerlichkeit. Wundervoll der Beginn von Staffel 6, als man einen Jack Bauer aus der Gefangenschaft der Chinesen befreit. Während eine Audrey Raines nach einem Bruchteil dieser Zeit zum Gemüse wird, legt Bauer das Martyrium so leicht ab wie den Vollbart. Von diesem Echtzeit-Bullshit mal ganz abgesehen.
Ja, die Show ist dumm, aber nichts zwingt so zum Fernsehen wie 24. Nichts bestimmt so den Tagesablauf. Jede einzelne Staffel habe ich innerhalb von maximal drei Tagen am Stück geschaut. Am Ende fühlte ich mich ähnlich erschöpft wie die Charaktere. Ich fühlte mich, als hätte ich diese Krise live mit erlebt und überstanden (auf dem Sofa mit der Chipstüte in der Hand, aber dabei sein ist alles). Keine andere Show hat es auch nur im Ansatz drauf, diese Intensität über 24 Folgen durch zu halten, nicht einmal The Shield kann da mit halten. Diese Marathon Sessions werden mir definitiv fehlen. Wenn es nach mir ginge, wäre eine neunte Staffel in den Startlöchern. Klar soll man aufhören, wenn es am schönsten ist, aber dafür ist es eh mindestens acht Jahre zu spät. Ich will Staffel 9 mit Jack als Terroristen. Und jetzt sind wir so lange auf die Folter gespannt worden, dass ich denke, es ist an der Zeit, dass wir Amerika nuken.
Also: Staffel 9, Jack als einsamer Rächer, bricht Tony aus, nutzt seine Kontakte, schmuggelt Nukes nach Amiland, ist CTU wie immer einen Schritt voraus und jagt dann das Weiße Haus in die Luft. Das Wochenende ist gerettet.
24, ich werde dich vermissen. Mit ihr geht die beste und dämlichste Show der 2000er Jahre und ein würdiger Nachfolger ist nicht in Sicht. Aber ich mache mir keine Sorgen. Terroristen versuchen es immer wieder und spätestens bei der nächsten Bombendrohung merken die USA, dass sie ohne Jack Bauer schon mal den Wiederaufbauplan aufstellen können. Dann kommt Jacky aus dem Exil, schafft in 24 Stunden, was sämtliche Organe der USA in Jahren nicht konnten und zum Dank... weiß nicht, stirbt Kim. Ich will's sehen... so oder so.
24 ist eine dumme, dumme... dumme... Show. Ernsthaft, die Show ist so dermaßen behindert, dass man nur unter Zurückstellung jeglichen Restverstandes den über-grenz-debilen Handlungen, Wendungen und Intrigen, den vielen Maulwürfen, Überläufern, Verrätern, Betrügern und den zufälligen Auftritten der richtigen Charaktere am richtigen Ort glauben kann und selbst dann kann es passieren, dass die Hand aus reinem Instinkt Richtung Kopf fährt.
Andererseits gibt es keine Show, die mich zehn Stunden am Tag an den Fernseher fesselt, eine BluRay direkt nach der letzten einlegend, unfähig auch nur eine Essenspause einzulegen.
Das Geheimnis, insbesondere nach Staffel 8, ist klar. Es heißt Kiefer Sutherland. Er muss es sein, denn durch die Mordlust der Autoren ist er einer der ganz wenigen, die aus Staffel 1 noch leben. Weitere Charaktere müssten Ethan Kanin sein, Aaron Pierce, Kim Bauer, Tony Almeida und dann hört die Liste meines Gedächtnisses auch schon auf. Das Problem dieser Tötungswut liegt freilich darin, dass man beliebte Charaktere entfernt und damit auch die Verbindung zum Zuschauer. Wenn pro Staffel neue Figuren eingeführt werden, die dann lediglich die Rolle der Verstorbenen erben sollen, wird die Identifikation schwerer, insbesondere, wenn man ohnehin permanent mit dem Ableben rechnen muss. Und so geschah es, dass, je weiter die Staffeln voran schritten, als einziger Bezugspunkt Jack Bauer übrig blieb. Dabei bedurfte es schon eines Schauspielers des Kalibers von Sutherland, um diesen mordenden, folternden, brüllenden Hardliner überhaupt ansatzweise sympathisch rüber zu bringen.
Du... Stirb! Ok...
Es ist eigentlich nichts dagegen zu sagen, seine Charaktere zu dramatischen Zwecken sterben zu lassen. Es wird nur dann störend, wenn man merkt, dass sie NUR zu dramatischen Zwecken sterben. So dreht sich die gesamte erste Staffel um die versuchte Ermordung von Senator David Palmer. Die Terroristen haben sich komplizierte Plots ausgedacht, eine Geiselnahme, Einschleusung eines CTU Agenten, etc. etc. und am Ende stirbt Palmer zu Beginn von Staffel 5 durch einen Scharfschützen, der sich im gegenüber liegenden Gebäude verschanzt hatte. Das war alles, was es brauchte. Keinen Jack Bauer, dessen Familie in Gefangenschaft war, keinen giftigen Handschlag auf einem öffentlichen Platz, nur ein Gewehr mit guter Reichweite. Und das war jetzt in Staffel 1 nicht zu bekommen?
Sie wollte es doch auch...
Konkret zu Staffel 8 lässt sich sagen, dass der Vorgang der Fertigung des Skriptes zur Show weniger ein Schreiben im eigentlichen Sinne darstellt, sondern mehr eine Vergewaltigung eines Stücks Papier unter Zuhilfenahme eines Stiftes.
Präsident von Fake-Iran Omar Hassan wird zunächst als die Integrität in Person präsentiert, die sogar eine Affäre mit einer Frau aus dem Westen zugibt, um sie vom Vorwurf des Verrates und der Verschwörung zu lösen, entgegen den klaren Rat seines Bruders. Als sich besagter Bruder jedoch seinerseits als Verräter heraus stellt, wird derselbe Präsident plötzlich zu Hitler, lässt wahllos Leute verhaften, befiehlt das Festnehmen von Frau und Kind seiner Berater und lässt seinen Leibwächter Nr. 1 foltern. Kurz darauf opfert er sich ehrenhaft für das Leben von ein paar Amis. Das nenn ich mal so richtig beschissene Charakterisierung.
Es geht aber weiter mit Dana Walsh aka Jenny Scott. Die Dame wirkt so blass, dass ich die Farbe des Fernsehers aufdrehen musste, um sie zu sehen. Recht früh kontaktiert sie ihr Ex-Freund, frisch aus dem Knast und drohend, ihre wahre Identität aufzudecken und ihr Leben zu ruinieren. Wie ein kleines Mädchen heult und weint sich Dana durch die Episoden, völlig fertig und überfordert mit der Situation. Sie gibt dem Mann, der sich ekelhafter nicht benehmen könnte, den Schlüssel zu ihrer Wohnung und lässt sich darauf ein, einen Raub mit ihm und seinem Kumpel unter Ausnutzung ihrer CTU Kontakte zu organisieren. Als die beiden sie dann, wider Erwarten, immer noch nicht in Ruhe lassen, greift sie sich eine Waffe und lauert ihnen auf. Weinend sehen wir sie mit zitternden Händen, als sie den Schalldämpfer aufschraubt. Wir glauben, eine junge Frau zu sehen, die am Ende ist mit ihren Kräften und nur noch einen Ausweg sieht. Es kommt nicht soweit und ich will gar nicht darauf hinaus, was für ein Blödsinn statt dessen passiert, aber nur wenige Folgen später droht der Bewährungshelfer ihres nunmehr verstorbenen Exes unangenehme Fragen aufzuwerfen. Bei der ersten günstigen Gelegenheit erwürgt sie daraufhin den, zwar nervigen, aber wohl unschuldigen und rechtschaffenen Mann und versteckt die Leiche in der Bürowand. So finden wir nun heraus, dass Dana Walsh der Maulwurf der Terroristen ist.
Ich will gar nicht mal darauf hinaus, dass jede Strafverfolgungsbehörde und jeder Geheimdienst der USA eine Maulwurfquote von ca. 30 % zu haben scheint. Mir geht es um Folgendes: In den ersten Folgen, wo der Zuschauer noch nicht weiß, dass sie zu den Bösen gehört, bringt sie mehr als weinen nicht fertig und das obwohl ihr Ex sie bedroht, ausnutzt, verprügelt und erpresst. Sie lässt alles mit sich machen, ist die Hilflosigkeit in Person, aber ab dem fatalen Treffen mit dem Bewährungshelfer ist sie eine eiskalte Killerin, die das Leben von Menschen auslöscht, die es weitaus weniger verdient hätten als die beiden Opfer, die sie fast acht Stunden lang in Schach halten. Die Dana aus den späten Folgen hätte die beiden aller spätestens beim ersten Treffen in ihrer Wohnung erschossen, wenn nicht sogar noch früher. Das nenn ich aber mal so richtig schön beschissene Charakterisierung.
Dann haben wir Präsidentin Taylor, die herzlose Bitch, die ihre eigene Tochter auf den elektrischen Stuhl schickt. Bis dato wurde sie als Heilige dargestellt, nun plötzlich mutiert sie zum kleinen Schulmädchen, das sich vom bösen Logan manipulieren lässt. Okay, Fräulein will seinen Friedensvertrag unterzeichnet haben, aber zu welchem Preis? Der Präsident von Fake-Iran wurde brutal und im Internet übertragen ermordet, eine private Sicherheitsfirma soll Beweise dafür finden und durch Folter erzwingen und anschließend alle Beteiligten töten. Das FBI macht Razzien in Verlagsgebäuden und wer sich weigert, der wird mal eben so mit einem Angriffskrieg bedroht. Der Frau und jetzigen Präsidenten von Fake-Iran (ja, genau eine FRAU als Oberhaupt eines islamischen Staates. Soll ich lachen? Das kriegen wir ja nicht mal in Europa hin! Und nein, Deutschland ist keine Ausnahme. Staatsoberhaupt in Deutschland ist ein Mann!), der Frau jedenfalls soll davon natürlich nichts gesagt werden. Da sitzen also am Tisch Menschen, die den Vertrag so dringend verhindern wollten, dass die dafür Morde begehen. Und mit denen will Präsidentin Allison den Friedensvertrag abschließen? Mädel, ein solcher Vertrag ist die Tinte nicht wert, mit der er unterschrieben ist. Aber für soviel Weitsicht reicht es im Weißen Haus nicht. „Every contract has blood on it.“ sagt irgend jemand aus dem Stab. Mag ja sein. Aber eine Ehe, die geschlossen wird, obwohl der Bräutigam sich am gleichen Tag mit zwei anderen Frauen verlobt hat, hält im Zweifel auch nicht bis zur Goldfeier. Sollte man halt bedenken.
Danke, Jack. Jetzt fick dich!
Und dann das Ende. Was für ein Ende der finalen Season und damit der Show. Ich habe bisher noch kein SerienFinale gesehen, das mir gefallen hat (Monk war ok) und 24 ist keine Ausnahme. Dabei handelt es sich nicht einmal um einen Bullshit, der die gesamte restliche Show zunichte macht (Hello, Lost!). Im Grunde endet 24 gar nicht, es hört einfach auf. Mitten drin. Gut, ähnliche Enden sind wir von 24 durchaus gewohnt, aber so dermaßen unwürdig und im luftleeren Raum hätte es nicht sein brauchen.
Fassen wir kurz das Ende von Staffel 8 zusammen. Die Russen sind die Bösen, aber President Taylor will ihren Friedensvertrag durchziehen. Also vertuscht sie alles, aber Jack dreht durch und tötet sich durch New York, wobei er unter anderem Graham McTavish und sein Gefolge tötet. Schlussendlich wird er gestellt, will sich dabei noch mit Chloe verbünden, aber auch sie wird von President Logans Lackaffen, der Typ, der Terry Crowley aus The Shield gespielt hat, verhaftet und die Beweise sind gesichert.
Soweit noch alle dabei?
Alles Arsch also, aber President Bitch sieht das Video an, das Jack zuvor für Kim gemacht hat, in welchem Jack das ausspricht, was jedem denkendem Menschen von Anfang an klar ist und was ich gerade oben selber geschrieben habe. Zur Wiederholung: „Da sitzen also am Tisch Menschen, die den Vertrag so dringend verhindern wollten, dass die dafür Morde begehen. Und mit denen will Präsidentin Alisson den Friedensvertrag abschließen? Mädel, ein solcher Vertrag ist die Tinte nicht wert, mit der er unterschrieben ist.“
Jacks emotionale Ansprache sorgt dafür, dass Taylor zur Besinnung kommt. Freilich zu spät für... naja, alle. Hassan ist tot, die Russische Delegation ist tot, Walker ist tot, Logan ist... fast tot, Crowley ist tot und Taylor sowie Jack haben eine kleine Liste an strafbaren Handlungen vorzuweisen, für die sie sich zu verantworten haben. Und so enden acht Jahre Jack Bauer, acht Jahre, in denen Jack seinem Land ALLES geopfert hat, damit wie er schwer verletzt als Most Wanted Man nach Timbuktu auswandern muss, weil er einen Haufen Arschlöcher gekillt hat, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als Komplotte gegen den Frieden und die Freiheit zu schmieden. Nicht, dass das was Neues wäre. Ähnlich endeten grob geschätzt 50 % der 24-Staffeln, nicht zu vergessen sein Kurzurlaub in China oder das Sterbebett aus Staffel 7 und bisher war er am Anfang jeder neuen Staffel trotzdem wieder voll dabei. Insoweit gäbe es für eine Staffel 9 wohl kein sonderlich großes Problem. Das ist einer meiner Kritikpunkte, dass Staffel 8 genauso endet wie alle anderen Staffeln zuvor. Wäre Jack nicht zuvor schon ähnlich Schlimmes oder sogar Schlimmeres widerfahren, von dem er sich ohne Nachwirkung erholt hat, dann hätte dieses Ende sogar richtig Eindruck gemacht. So hingegen ist es einfach nur eine weitere Folge 24. Wäre Jack hingegen im Kugelhagel gestorben oder hätte er sich gar für die restliche Welt geopfert, dann hätte dies seinem tragischen Leben den Schlusspunkt verpasst. Ihn dagegen durch eine dreckige Seitengasse humpeln zu sehen, ist ein mehr als trauriger Abgang.
0:3 für die Anderen
Was ebenfalls einen Beigeschmack hinterlässt, ist dass Jack in den letzten grob geschätzt sechs Folgen nichts mehr erreicht. Seine Ansprache hat er in ähnlicher Form schon vorher gehalten. Alles, was nötig gewesen wäre, wäre dass President Taylor zu Verstand kommt und nichts von all den grausamen Ereignissen der letzten Stunden wäre passiert. Nein, eigentlich hätte sie nicht mal zu Verstand kommen müssen. Sie hätte einfach nur in ihrem Charakter bleiben müssen. Sie hätte einfach nur die Präsidentin bleiben müssen, als die sie in Staffel 7 und der ersten Hälfte von Staffel 8 dar gestellt wurde. Eine integere, ehrbare Frau mit Sinn für Moral und Anstand. Das hätte gereicht, um das letzte Drittel der finalen Staffel überflüssig zu machen.
Und so ganz nebenbei: Bei jedem Verhör mit jedem Maulwurf/Terrorist werden uneingeschränkte Immunitäten vergeben, als würden die morgen schlecht, Immunitäten für Mörder, Verbrecher, Terroristen, Landesverräter. Und für einen Jack Bauer bleibt nur der Rat, das Land zu verlassen? Fuck you!
Okay, Scheiß-Ende, aber das war zu erwarten. Was nicht zu erwarten war, wie wenig neue Einfälle die Autoren hatten. Eine Szene, in der ein Einsatz daran scheitert, dass die Live-Verfolgung des Geschehens sich als aufgezeichnetes Video herausstellt, ist eine Szene 1:1 übernommen aus einer früheren Staffel (3 vielleicht?). Auch Logan kommt zurück und verwandelt sich in Grima Wormtongue. Hat der Kerl nicht genug genervt? Wir alle wissen, dass er böse ist, wieso belästigen uns die Autoren nach wie vor mit dem Kerl? Wieso lassen sie eine Frau wie Allison Taylor Dinge tun, für die der Zuschauer sie anbrüllen und zurecht weisen will?
Nahezu jeder in Staffel 8 ist entweder ein Vollidiot, Verschwörer oder Mörder. Jack Bauer zehrt gewaltig von dem Bonus, den er sich in den vorigen sieben Staffeln erarbeitet hat. Freilich hat er eine der besten Szenen der gesamten Serie für sich eingenommen, was nicht schwer ist, da niemand mehr Screentime hat als Bauer. Kleiner Tip: Hat was zu tun mit einer vollen Kampfmontur und einem Tunnel. Awesomeness zum Quadrat, sag ich nur.
Während in jedem Hollywoodfilm das Ende klar ist (der Held gewinnt und rettet das Mädchen), kann in 24 alles passieren. Das ist grundsätzlich schön und ein Weg ab von den ewigen Märchen der heilen Welt, aber in Staffel 8 übertreiben es die Autoren etwas. Es ist äußerst unbefriedigend, wenn der große Held GAR NICHTS hinkriegt. Bauer kann weder die Bombe finden noch Präsident Hassan retten. Er kann weder die Beweise von Dana Walsh noch das Gespräch mit Logan sichern. Er kann die russische Beteiligung an der Verschwörung nicht nachweisen und Logan nicht überführen. Er bleibt freilich Ausgangspunkt für alle Ereignisse, aber das einzige, was er sich wirklich auf die Habenseite schreiben kann, sind ein paar brutale Kills.
So ein Bauer
Jack Bauer ist mit weitem Abstand härteste Hund, den es je gab. Staffel 8 beginnt um 16 Uhr, also kann man davon ausgehen, dass er zu dem Zeitpunkt schon eine Weile wach ist. Er wird verprügelt, gefoltert, mehrfach mit Messern verletzt, schläft nicht, isst nicht, trinkt nicht, vögelt zur Mitte aber Renee durch. Er ist knallhart und konsequent, hat aber nur drei Arten zu sprechen. Der Rundown ist wie folgt:
Nr. 1. Ich nenne diesen Sprechmodus: DROP YOUR WEAPON! Ihr kennt ihn alle.
Nr. 2. Der emotionale Modus. Dabei wird er so leise und bewegt die Lippen so wenig, dass man Untertitel braucht, um zu merken, ob nicht vielleicht der DVD Player eingefroren ist.
Nr. 3. Ich habe keine Namen hierfür, aber er ist die Mischung aus oben genannten. Kommt meistens in Verhören zum Einsatz, wenn er dem Delinquenten erklärt, was er gleich alles schlimmes mit ihm machen wird. Steigert sich gerne mal in den DROP YOUR WEAPON! Modus.
Und ganz wichtig, während aller drei Modi spricht er immer, wie unmittelbar nach einem Marathon.
Jack Bauer ist der Held, der keiner sein will. Nichts hasst er mehr auf dieser Welt als sich selbst und deshalb lässt er sich keine Gelegenheit entgegen, den Heldentod zu sterben. Wahrscheinlich war er am Ende von Staffel 8 genauso enttäuscht wie ich, dass er keine Kugel abkriegt.
Jack Bauer trifft all unsere Nerven. Mal ehrlich, wenn ein Mensch unsere Familie tötet, wollen wir dann wirklich sehen, wie er ganz manierlich in den Gerichtssaal geführt wird? Name, Adresse, haben Sie etwas zu sagen, nein. Dann der Verteidiger mit der schweren Kindheitsstory und am Ende er mit: Es tut mir so leid. 10 Jahre Haft bei drei Mahlzeiten täglich, Arbeitsgelegenheiten und geregelten Besuchszeiten, es sei denn, er kommt wegen guter Führung vorher raus.
Oder wenn wir einen Täter vor uns sitzen haben, der etwas über den Verbleib einer Bombe in der Innenstadt weiß. „Ich mache von meinem Schweigerecht Gebrauch.“ Tja, schade kann man nix machen.
Das will doch kein Mensch. Der hat Infos, die zur Rettung von hunderttausend Menschen beitragen können? Dann soll er sie ausspucken. Macht er nicht freiwillig, dann gibt es einen Klaps auf den Hinterkopf. Spricht er immer noch nicht, dann schließen wir ihm die Klöten an die Autobatterie an. Ja, mein Gott, wir reden hier von hunderttausend Unschuldigen, dann wird man doch wohl einem Kameltreiber ein bisschen die Eier braten dürfen oder nicht? Menschenrechte gut und schön, aber wie hieß es schon in Pappa ante Portas: „Aber doch nicht jetzt, um diese Zeit.“
Wir brauchen jemanden wie Jack Bauer. Der Mann, der die einfache Lösung hat. Böse Menschen gehören gekillt, Unwillige gefoltert. Anders kriegt man in 24 Stunden natürlich auch nichts getan. Die meisten, die Jack erlegt, sind zum Glück eh nur Ausländer, der Schaden hält sich also in Grenzen. Nur in der Liebe hat er Pech. Dem Männe sterben die Damen weg wie anderen Leuten die Hamster. Zum Glück hat er keine Haustiere.
Der zweite wichtige Charakter ist Chloe. War es nicht sogar Tony Almeida, der da sagte: „Chloe, I'm getting real tired of your personality.“ Immerhin hat sie Persönlichkeit und Charakterstärke. Sie ist neben Jack einer von nicht mal einer Handvoll Charakteren, die ihrer Linie treu bleiben und sich nicht pro Folge zwei Mal um 180° Grad drehen.
Auch gar nicht mal so schlecht: Prinz Freddie Junior als Cole Cortiz. Mir hat er gefallen und der Grund dafür, dass er nicht ankommt, dürfte weniger auf seiner Leistung beruhen als auf dem typischen Hass der Hater.
2 good 2 be true
Und während alle Welt immer von Cherry Jones schwärmt, war ich tief beeindruckt von Necar Zadegan (ich versuch nicht mal, das auszusprechen). Mit einer unglaublichen Stärke und Nachhaltigkeit, freilich gepaart mit ihrer exotischen Schönheit und einer geradezu adeligen Aura, übernimmt sie jede Szene, in der sie ist und da sie oft gemeinsame Szenen mit Cherry Jones hat, ist das eine ziemliche Auszeichnung. Nicht vergessen wollen wir ihre Tochter Kayla, gespielt von Nazneen Contractor. Niemand kann „traurige Augen“ besser darstellen als die junge Inderin.
Ach ja, und wenn uns der Charakter eines lehrt, dann Folgendes:
Wenn das Ziel lautet, seine Schönheit so gut es menschlich irgendwie nur geht zu verbergen, dann geht nichts über ein Kopftuch. There, I said it!
Losgelöst von Staffel 8 zählten zu meinen Favouriten folgende Figuren:
David Palmer:
Er ist nicht nur schwärzer als Obama, ich halte ihn auch für den besseren Präsidenten. Stark, autoritär, bärige Stimme... sehr sexy. Sein billiger Tod war eine Sünde, die ich den Autoren nie verziehen habe. Es sei erwähnt, dass Schauspieler Dennis Haysbert die Stimme von Irvin Lambert stellte in den ersten beiden Splinter Cell Spielen. Notiz am Rande.
Chase Edwards:
Nur ein Spaß, niemand mochte diese Witzfigur...
Tony Almeida:
Wenn ich ihn vorher nicht schon gemocht hätte, spätestens ab Staffel 7 liebte ich ihn. Er hat das getan, was man Jack immer hätte zutrauen müssen. Genau wie Jack hat Tony alles verloren im Dienst für den Staat. Doch während Jack gar nicht schnell genug wieder für dieselben Leute arbeiten kann, nur um am Ende wieder der Arsch mit Ohren zu sein, hat Tony ganz andere Ideen. Keine Szene hat sich so eingebrannt wie das Finale von Staffel 7.
„These people think they can take everything away from us, Jack! Somebody had to stop 'em! And what did you do, huh? You ran away! That's right, you ran away Jack! You're one of them now! Congratulations! How would Teri feel about that, huh Jack?! Huh?! You lost your nerve! You're a coward Jack!“
Was ein Held bekommt, hat Jack in Staffel 8 wieder einmal wunderbar gesehen. Wisst ihr was: Tony hatte Recht. Jack und Tony hätten sich zusammen tun und die US of A durchficken sollen, für alles, was die ihnen angetan haben. Das wär mal eine finale Staffel gewesen.
An richtig lieb gewonnen Charakteren war es das, was angesichts des extrem dichten Cast durch die Staffeln schon bemerkenswert ist. Gaststars wie Michael Madsen, Peter MacNicol, Dennis Hopper, Tobin Bell (Yep, JigSaw!), James Cromwell, David Anders (Alias), Jon Voight, Hakeem Kae-Kazim (Lost) und einer ganzen Reihe weiterer plus eigentlich ganz vernünftige Hauptcharaktere wie Michelle oder Curtis und trotzdem gibt es über acht Staffeln hinweg nur vier Charaktere, die mir wirklich am Herzen lagen, drei davon aus Staffel 1. Damit sind wir zurück beim Hauptproblem der Show. Sie ist ganz einfach overwritten. Zu viele Tote, zu viele Verräter und Doppelspieler, zu viele Variablen, zu wenig Konstante. Es ist wie ein Trip in ein fremdes Land, in dem man nichts kennt und nichts so ist, wie man es von zu Hause gewohnt ist. Doch dann stolpert man über ein McDonalds Zeichen und ist glücklich. Man hält sich an das Bekannte. Ich glaub, jetzt hab ich das perfekte Bild: Jack Bauer ist der Ronald McDonald des internationalen Terrorismus.
Warum haben die eigentlich alle so eine Angst vor den Atombomben? Haben die keine Kühlschränke?
Und ab wann genau hat 24 nun den Punkt überschritten? Ab wann hat die Show den Hai übersprungen? Manche sagen, ab dem Zeitpunkt, an dem Tony zum vierten Mal die Seiten gewechselt hatte. Andere sagen, ab dem Punkt als mit Charles Logan im Grunde genommen Richard Nixon eingeführt wurde. Wenn ihr mich fragt, dann hat die Show jeden Resthauch an Glaubwürdigkeit verloren in dem Moment, als Kim Bauer in der zweiten Hälfte der ersten Staffel zum zweiten Mal entführt wurde. Wie schon gesagt, die Sendung ist dumm. Man müsste einen dreiseitigen Artikel pro Folge schreiben, um dem Meer an Unlogik und Unsinn Herr zu werden. Allein die Tatsache, dass Jack Bauer nach sieben kompletten Weltuntergängen, die er quasi im Alleingang verhindert hat, praktisch null Glaubwürdigkeit und noch weniger Einflussmöglichkeiten bei den Behörden hat, ist ein Ding der Lächerlichkeit. Wundervoll der Beginn von Staffel 6, als man einen Jack Bauer aus der Gefangenschaft der Chinesen befreit. Während eine Audrey Raines nach einem Bruchteil dieser Zeit zum Gemüse wird, legt Bauer das Martyrium so leicht ab wie den Vollbart. Von diesem Echtzeit-Bullshit mal ganz abgesehen.
Ja, die Show ist dumm, aber nichts zwingt so zum Fernsehen wie 24. Nichts bestimmt so den Tagesablauf. Jede einzelne Staffel habe ich innerhalb von maximal drei Tagen am Stück geschaut. Am Ende fühlte ich mich ähnlich erschöpft wie die Charaktere. Ich fühlte mich, als hätte ich diese Krise live mit erlebt und überstanden (auf dem Sofa mit der Chipstüte in der Hand, aber dabei sein ist alles). Keine andere Show hat es auch nur im Ansatz drauf, diese Intensität über 24 Folgen durch zu halten, nicht einmal The Shield kann da mit halten. Diese Marathon Sessions werden mir definitiv fehlen. Wenn es nach mir ginge, wäre eine neunte Staffel in den Startlöchern. Klar soll man aufhören, wenn es am schönsten ist, aber dafür ist es eh mindestens acht Jahre zu spät. Ich will Staffel 9 mit Jack als Terroristen. Und jetzt sind wir so lange auf die Folter gespannt worden, dass ich denke, es ist an der Zeit, dass wir Amerika nuken.
Also: Staffel 9, Jack als einsamer Rächer, bricht Tony aus, nutzt seine Kontakte, schmuggelt Nukes nach Amiland, ist CTU wie immer einen Schritt voraus und jagt dann das Weiße Haus in die Luft. Das Wochenende ist gerettet.
24, ich werde dich vermissen. Mit ihr geht die beste und dämlichste Show der 2000er Jahre und ein würdiger Nachfolger ist nicht in Sicht. Aber ich mache mir keine Sorgen. Terroristen versuchen es immer wieder und spätestens bei der nächsten Bombendrohung merken die USA, dass sie ohne Jack Bauer schon mal den Wiederaufbauplan aufstellen können. Dann kommt Jacky aus dem Exil, schafft in 24 Stunden, was sämtliche Organe der USA in Jahren nicht konnten und zum Dank... weiß nicht, stirbt Kim. Ich will's sehen... so oder so.
