Das dieser Bericht nun einen starken Bruch zu der Berichterstattung der letzten Monate darstellt wirst du hoffentlich nicht in Abrede stellen außer du hast die Berichterstattung nicht verfolgt.
Jede kritische Quelle wird sofort nieder geprügelt und nach Schwachpunkten abgesucht, wie kann man nur so verbohrt und Engstirnig sein, es muss schlimm sein, es muss schlimm sein...


Es ist wirklich das erste mal das die ARD so zurück rudert und wen interessiert es hier?
Man muss hier ganz dringend mal einige Dinge klarstellen:
1. Es gibt nicht
die ARD. Vielmehr steht "ARD" für "
Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland". Allein daran sollte man erkennen, dass es hier um ein grundsätzlich diverses Netzwerk unterschiedlicher Sendeanstalten handelt, die a) verschiedene Intendant*innen haben, die den einzelnen Sendeanstalten vorstehen (WDR, RBB, NDR, etc.) und die b) wiederum verschiedene eigenständige Redaktionen haben, die zunächst einmal unabhängig und bis zu einem gewissen Maß selbstverantwortlich Medieninhalte erstellen.
2. Daher kann es auch gar keinen "Bruch" geben in dem Sinne, dass "die ARD" (die es ja so nicht gibt, siehe oben) bislang die ganze Zeit
Hü gesagt hätte und jetzt auf einmal
Hott sagt. Vielmehr spricht dieser Bericht ja gerade nicht für die "Gleichgeschaltetheit" der ARD, sondern für eine gewisse Pluralität und Meinungsvielfalt im eigenen Haus.
3. Anknüpfend an die ersten beiden Punkte ist es demnach auch nicht so, dass "die ARD erstmals zurückrudert". Eine lokale Redaktion hat einen Bericht erstellt, der sich u.a. kritisch mit der - auch hauseigenen Berichterstattung - auseinandersetzt. Das bedeutet aber nicht, dass nicht morgen eine andere Redaktion/Sendeanstalt einen Bericht senden könnte, in dem begründete Meinungen präsentiert werden, die auf die Sinnhaftigkeit der Fokussierung auf Fallzahlen hinweisen.
4. Die ARD, mit ihrer eben nicht gleichgeschalteten Agenda, ist per se eine kritische Quelle. Nur weil bislang viele Redaktionen und Beiträge einen breiten Konsens wiedergespiegelt haben, bedeutet das ja noch lange nicht, dass diesem Konsens nicht eine kritische redaktionelle Auseinandersetzung vorausgegangen ist.
5. Genau das unterscheidet die kritische Quelle ARD von der beispielsweise "kritischen" Quelle Halleluja TV. Ein grundsätzliches Dagegen-Sein ist nämlich gerade nicht kritisch, sondern eine unkritische Perspektive eigener Voreingenommenheit.
Insofern hat
@saw selbstverständlich recht, wenn er diese Quelle kritisiert. Denn es geht weniger darum, dass dieser ominöse Sender unverfälscht den Inhalt eines ARD-Berichts aussendet - man also den ARD-Bericht kritisiert. Sondern es geht darum, dass dieser Bericht hier in ein Narrativ eingebunden wird, das ich in meinen obigen Ausführungen kritisiere: da wird es dann eben so dargestellt, als wäre dieser Bericht der Startschuss eines 'von oben' verordneten Agendawechsels.
Und das ist falsch, und deshalb ist Halleluja TV eben keine zitierfähige Quelle.
6. Ich glaube es schadet an dieser Stelle auch nicht, noch einmal darauf hinzuweisen, dass in diesem Land der öffentlich-rechtliche Rundfunk kein Staatsfunk ist (auch wenn man durchaus auch kritisch (!) anmerken kann, dass es in manchen Punkten zu viel politische Einflussnahme gibt).
Es gibt schlicht keinen begründeten Anlass anzunehmen, dass der gesamte öffentlich-rechtliche Rundfunk genau das Gegenteil seines eigentlichen Auftrags tun würde: nämlich
nicht im öffentlichen Interesse unabhängig zu berichten.