Ich kenne auch einen, der Ökotrophologie studiert hat. Er meinte im Studium wären zu 90% Mädels, die ihre eigene Leidensgeschichte verarbeiten müssten. Er ist damals ein Jahr lang nach dem Diplom für den Bund durch Deutschland gereist und hat in Schulen Vorträge gehalten, war wohl ne coole Sache. Nichtsdestotrotz hat er dann ein Volontariat nachgelegt und ist heute Leiter eines Regionalstudios eines nieders. Radiosenders. Wie die Arbeitsmarktsituation ist kann ich schlecht sagen - aber ich gehe davon aus dass sie "okay" ist, sofern man etwas Flexibilität anbieten kann. Aber durch die hohe Frauenquote der Absolventen kann ich mir halt auch vorstellen, dass Vollzeit Mangelware ist und die Bezahlung auch so lala.
Ansonsten hat es mich neulich etwas überrascht, dass ich von einigen Fällen aus dem Bekanntenkreis gehört habe, die mit eigentlich guten Studienvoraussetzungen ad hoc keinen Job finden konnten.
Ein Wiwi-Master (der sich aber nie richtig spezialisiert hat) hat erst nach einem Jahr etwas gefunden, ein Umweltwissenschaften Bachelor, also quasi Chemie-Ingenieur hat auch erst nach einem 3/4 Jahr etwas gefunden, die Exfreundin eines guten Freundes von mir findet mit einem Medzintechnik-Master nix (die ist aber auch von den Soft-Skills her nicht gerade erste Sahne).
Ich habe ja auch einen Mix-Studiengang aus PoWi und Soziologie studiert, würd's aber nicht nochmal machen. Ich kann denjenigen nur raten, noch mehr als sowieso allen anderen, ein Praktikum nach dem anderen zu machen und Kontakte aufzubauen. Anders kommt man kaum an einen Job. Das Anzeige so entstandene Angebot nach dem Bachelor habe ich damals ausgeschlagen (auch Volo) und durfte mich dann erstal im Rahmen einer Ausbildung neben die 16-jährigen in der Berufsschule setzen. In dem Unternehmen ging damals aber der PR-Manager und aufgrund meiner Vorbildung durfte ich nach 6 Wochen im Unternehmen für ihn einspringen. Zwei Nachfolgerinnen, die ich damals angelernt habe, haben's absolut nicht gebracht und somit bin ich nach Beendigung der Ausbildung wieder in die Stelle eingerückt, auch wenn sie recht wenig mit den Inhalten der Ausbildung zu tun hat.
Ich bin ganz zufrieden, was den Job angeht, außer in Bezug auf die Bezahlung. Mein Bachelor-Zeugnis wurde damals mit Übernahmeniveau +200 Brutto aufgewogen (obwohl die Arbeitsinhalte natürlich die gleichen des BWL Diplomanten sind, der die Stelle davor hatte), letztendlich liege ich da aber mittlerweile nach zwei kleinen Verhandlungen sogar auf einem Niveau mit ein paar meiner Studienkollegen von damals, die noch einen Master nachgeschoben haben.
Ohne das Studium hätte ich mich nie in Richtung Marketing positionieren können, ohne die Ausbildung keinen Fuß in die Tür gekriegt - verschenkte Zeit war dieser ungewöhnliche Umweg für mich also nicht, auch wenn ich mir ehrlich gesagt reichlich doof vor kam, mit Mitte 20 noch Azubi zu sein. Mein Selbstverständnis kam bei einigen alten Hasen natürlich auch nicht so gut an, mir wurde teils überdrehtes Selbstbewusstsein vorgeworfen, aber sei's drum, ich bin wie ich bin und durchgesetzt habe ich mich.
Was meine Studienkollegen von damals heute machen? Personalreferentin bei Arcelor Mittal, Social Media Redakteur bei Fischer Appelt, PR-Beratung bei einer Frankfurter Agentur, politische Beratung im Außenministerium, Referentin bei einem Wirtschaftsverband, Projektmanager bei einer Vertriebsagentur etc.
Das sind die, die mir zumindest jetzt einfallen. Sind aber auch ein paar dabei, die nix mit ihrem Abschluss anzufangen wussten oder bis zum St. Nimmerleinstag weiterstudieren.
Auch mit Powi/Soziologie/Sowi lässt sich ein spannender bis in meinem Fall halbwegs spannender Job ergattern. Aber: Der Weg dahin ist lang und steinig und die Bezahlung ist außer in Ausahmefällen eher "ausreichend". Ein guter Freund von mir bekommt nach dem Elektrotechnik Bachelor knapp unter 4000€ brutto als Einsteigsgehalt. Von so etwas kann ich nur träumen. Muss also jeder abwägen, ob finanzielle Sicherheit nicht doch eine größere Rolle im Leben spielt, als man es teilweise mit anfang 20 noch annehmen mag.