transfermarkt.de: Wie eng ist der Austausch mit Sportvorstand Matthias Sammer? Wie muss man sich das vorstellen, rufen sie ihn an und sagen „Matthias, ich habe da jemanden“?
Erik ten Hag: Natürlich gibt es eine formelle Agenda, in der wir über die Entwicklung, über die Amateure oder über Training reden, aber die Tür ist immer offen. Wenn ich will, kann ich jeden Tag zu ihm. Daher ist der Austausch auch fließend und immer vorhanden. Matthias ist ein super Partner. Ich lerne viel von ihm und wenn wir über Fußball diskutieren, kann es auch vorkommen, dass ich auf Ideen komme, die ich dann sofort im Training oder sonst wo umsetze.
Transfermarkt.de: Aber die Spielphilosophie, die gibt Pep Guardiola vor?
Erik ten Hag: Matthias Sammer ist verantwortlich für die langfristige sportliche Entwicklung von Bayern München. Aber natürlich hat Pep Guardiola uns sehr inspiriert. Am besten kann man es so ausdrücken: Pep, Matthias, Michael Tarnat, ich – jeder hat seine Gedanken und seine Ideen und wir haben zusammen eine Philosophie erarbeitet, und die führen wir gerade ein.
Transfermarkt.de: Klingt wie eine Drohung. Die Nachwuchsarbeit wird also noch besser?
Erik ten Hag: Ja, das denke ich. Wir haben hier hoffentlich den Grundstein gelegt, auf dem dann später mal andere weiter aufbauen können. Die Herausforderung wird sein, dass das Junioren-Team einen Beitrag zum Erfolg liefern kann, so dass Bayern München nicht für jeden Spieler tief in den Geldbeutel greifen muss. Natürlich hat es schon in der Vergangenheit Spieler gegeben, die den Sprung geschafft haben, aber da muss eine Struktur rein.
Transfermarkt.de: Will der FC Bayern auch im Bereich der Nachwuchsförderung Europas Nummer 1 werden?
Erik ten Hag: Exakt. Das ist das Ziel! Noch sind wir es nicht. Bayern muss noch einen Weg gehen. In der Vergangenheit wurden Lahm, Schweinsteiger, Müller, Badstuber, Alaba und Contento ausgebildet, aber ich bin der Meinung, die Frequenz, in der das passiert, muss noch höher werden. Das Ziel sollte lauten, dass es jedes Jahr ein Spieler schafft, sich in die erste Mannschaft zu spielen.
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aus der Newsmeldung damals dass ten Hag kommt
Enger Kontakt mit Sammer
"Auch wenn viele überrascht waren, haben sich die Leute in Holland für ten Hag gefreut. Wenn man beim FC Bayern arbeiten kann, sollte man das auch tun", sagt ten Voorde.
Der Ansicht ist auch Edwin Lugt, obwohl der die Angelegenheit auch mit einem weinenden Auge betrachtet. Lugt ist Präsident von Deventer und hätte ten Hag liebend gerne behalten. Lugt hat aber auch Verständnis für den Erfolgstrainer.
"Der FC Bayern ist der beste Verein der Welt, wir sind nur ein kleiner Klub. Wir sind aber stolz, wenn unser Trainer zu so einem Verein geht", sagte Lugt der "Süddeutschen Zeitung".
Eingefädelt hat den Transfer Matthias Sammer. Der Sportvorstand des FC Bayern pflegt seit vielen Jahren engen Kontakt mit ten Hag und hat ihn als Sportdirektor des DFB mehrmals für Vorträge zur Talenteausbildung in Holland gebucht.
"Erik ist ein Meister in der Talenteförderung", sagt ten Voorde. "Er kann sehr gut mit jungen Spielern umgehen. Er ist sehr kommunikativ und führt die jungen Spieler auf den richtigen Weg."
Ten Hag ist in Holland aber nicht nur bekannt dafür, den Teenagern die Flausen aus dem Kopf zu treiben. "Er hat sehr viel Ahnung vom Fußball. Erik ist ein Taktikliebhaber, fast schon ein Fanatiker", sagt ten Voorde.
Im Training lässt er Übungen bis zum Exzess wiederholen, solange bis es die Spieler richtig machen. Als Co-Trainer der Profis vom PSV Eindhoven stellte ten Hag nach deren Trainingseinheiten noch häufig nachmittags auf den Platz, um freiwillig den Nachwuchs zu coachen.