Guten Morgen ihr Asphaltschlampen!
Als Ende 2009 das erste Need for Speed Shift erschien, war das völliges Neuland für die Serie (wenn man das misslungene NfS Pro Street mal aussen vor lässt). Shift war hart, dreckig, schnell und… wollte simulationslastig sein. Über weite Strecken ist Shift dies auch gelungen, viele Spieler störten sich aber an der „rutschigen“ Fahrphysik. Dafür entschädigte die Intensität des Spiels ungemein. Ich habe immer dazu gestanden, dass kein Spiel den Begriff „Motorsport“ so gut transportiert wie Shift.
Gestern Abend war es dann soweit. Shift 2 rotierte in meiner Konsole, und nach so vielen skeptischen Stimmen im Vorfeld war ich wirklich gespannt, was die Slightly Mad Studios da vollbracht haben.
Am besten fange ich mit denen Sachen an, die einfach(er) zu umschreiben sind. Als das Introvideo über den Bildschirm flimmerte, war ich entsetzt. Alles so grieselig, teils richtig grobkörnig, ja sogar Artefakte waren zu sehen. Das hätte zu einigen Stimmen gepasst, dass die Grafik von Shift 2 sogar schlechter als die von Teil 1 sein soll. Die Grafik ist aber (mir fehlt allerdings jetzt noch der direkte Vergleich zu Shift 1) nicht schlechter. Ein wenig Kantenflimmern an den Autos (in der 3rd-Person-Ansicht), einige Texturen sind mau (die Häuser am Strassenrand von Malaysia Stadt). Aber dafür ist Shift 2 etwas farbiger und die Lichteffekte beim Sonnenuntergang sind wirklich richtig schön. Shift 2 ist schnell. Verdammt schnell. Die Framerate bleibt aber bisher gefühlt gelocked bei 30FPS.
Der Sound ist wie in Teil 1: brachial! Mehr braucht man dazu eigentlich nicht zu sagen.
Nun zu der vielleicht wichtigsten Frage: Fahrverhalten und Fahrphysik.
Und jetzt muss jeder rauslesen können, was für ihn wichtig ist, welcher Typ Rennspiel-Spieler er ist!!!
Die ersten Meter fährt man mit einem Nissan GT-R. In zwei Runden muss man gewisse Zeiten schlagen, damit das Spiel die jeweiligen Fahrhilfen vorschlagen kann (die man aber nicht nehmen muss, kann man jederzeit ändern!). Ich verpasse die niedrigste Zeit knapp, daher schlägt das Spiel mir die zweitschwerste Stufe vor (ABS, Traktionskontrolle auf niedrig). Als nächstes kommt ein kurzes Rennen in Suzuka. In diesem Rennen möchte das Spiel den Schwierigkeitsgrad festlegen.
Auffällig ist hier, dass der Nissan GT-R sich schon anders, ja, besser steuert als in Shift 1.
Dann startet die eigentliche Karriere. Ich kaufe mir von meinen 30.000 Credits, wie könnte es auch anders sein, ein BMW 135i Coupé. Ab auf die Strecke. Malaysia Stadt steht auf dem Programm. Und dann der „Schock“...! Da ist es wieder, das Fahrverhalten von Shift 1. Mein Hecktriebler rutscht um die Kurven, verliert beim über die Curbs fahren den Bodenkontakt, schlingert fast permanent bei hartem Gasgeben. „Ui, das Spiel wird wieder ein Stück harte Arbeit“ dachte ich mir nur. Die Karre ist in den engen Kurven der City schwer zu bändigen. Im Prinzip ist das realistisch. Ein normales Strassenauto zeigt all diese Aspekte. Shift 2 übertreibt es aber hier ein wenig. Als zweites Rennen folgt Monza. Hier ist das Fahrverhalten aufgrund der langen Geraden nicht so kritisch.
Nachdem ich die ersten beiden Rennen gewonnen habe, habe ich genügend XP, um in die nächste Klasse aufzusteigen (die Karriere ist wieder in mehrere Klassen unterteilt. Je mehr Siege oder Podestplätze, desto mehr XP, desto schneller kann man voranschreiten). Desweiteren schlägt das Spiel mir vor, mich doch mal im Tuningshop umzuschauen, was ich natürlich umgehend mache.
Und jetzt fängt es an, episch zu werden. Shift 2 erschlägt einen förmlich mit den Tuningmöglichkeiten. Fahrwerke, Motoren, Bremsen, Reifen, Kupplungen und Getriebe, Aerodynamik, einfach alles kann man verändern und anpassen. Ich glaube, direkt am Anfang hat man bereits über 50 verschiedene Teile, die man am Auto verändern kann. Muss ich heute Abend nochmals zählen, könnte auch noch mehr sein. Shift 2 begnügt sich hier aber nicht „nur“ mit den Standards des Genres. Von vielen Teilen dürfte der Laie noch nie etwas gehört haben, geschweige denn dass er wüsste, was damit erreicht werden kann. Das ist aber auch nicht zwingend notwendig, denn viele Teil holen nur noch minimalen Vorteil aus dem Auto.
Da ich noch nicht viel Geld habe, muss ich mich eh mit „günstigen“ Teilen begnügen. Ich beherze dabei den alten Pirelli-Spruch „Power is nothing without Control“. Je mehr Kraft ein Auto hat, desto schwerer ist es, die Kraft vernünftig auf die Strasse zu bringen. Tunt man nur seinen Motor, wird das Auto zwar auf den Geraden schneller, auch beschleunigt er theoretisch schneller aus Kurven heraus. Passt man das Fahrwerk aber nicht mindestens ebenbürtig an, verpufft die Leistung und das Auto wird noch unkontrollierbarer.
Also hole ich mir ein Gewinde-Sportfahrwerk, Sport-Strassenreifen, einen anderen Endschalldämpfer und bessere Bremsen. Nichts dramatisches, für wenig Geld zu haben.
Wieder ab auf die Strecke. Und was soll ich sagen... das Auto fährt sich nun komplett (!) anders, das Spiel spielt sich komplett anders! Satte Strassenlage, kein Rutschen und Schlingern, die Curbs nimmt das Auto nun gelassener, beim Beschleunigen merkt man die bessere Traktion deutlichst. Sehr, sehr geil! Es ist kein Forza. Es ist eher wie Forza, dem man mit der Wucht eines Amboss in den Arsch tritt und als Entschädigung einen Schluck Lenor in den Tank kippt. Schwer zu beschreiben, aber gut zu fahren.
Wer also mit Tuning bei Rennspielen so gar nichts am Hut hat, der sollte keine „Verbesserungen“ beim Fahrverhalten erwarten. Es spielt sich dann quasi 1:1 wie Shift 1. Wer aber bereit ist, ein bisschen am Auto zu schrauben (und man braucht wirklich so gut wie keine Ahnung davon), der wird entschädigt. Ob es schlau von Slightly Mad ist, dies so zu handhaben? Keine Ahnung. Ich modifiziere eh immer meine Autos, passe sie meinem Fahrstil an und optimiere gerne. Wer dies nicht will...
Noch ein paar ergänzende Worte. Die K.I. ist auf dem mittleren SG knackig, aber IMO nicht übermässig aggressiv. Gewinnen kann man nicht von alleine, aber man wird auch nicht aus dem Weg gerempelt. Ich weiss aber nicht, wie es auf dem schwersten SG aussieht.
Die Helm-View ist ein Genuss für Liebhaber der Cockpit-View von Shift 1. Es wurde ja hier bemängelt, dass sogar das HUD unscharf sei... ja, das ist es in der Cockpit / Helm-View. Denn das Spiel lässt auf dem Screen alles ausser dem direkten Sichtfeld auf die Strasse „verschwimmen“. Der Blick des Fahrers soll die Strasse fokussieren. Sonst nichts.
Puh, ein langer Text. Ich wollte so viele Eindrücke wie möglich niederschreiben, damit vielleicht auch Unentschlossene sich ein Bild vom Spiel machen können. Ich hoffe, das ist mir halbwegs gelungen. Wenn ihr Fragen habt, her damit.
Ich freue mich jedenfalls wie ein Schnitzel auf die nächste Session!
