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Moral in Videospielen - Wo sind die Grenzen

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

BAZONG schrieb:
Ich meine, wenn ich den halben Flughafen abknalle, sollte das schon Konsequenzen haben. In einem GTA steigt mein Fahndungslevel, weil ich Unrecht begehe (Zivilisten umbringen). Das ist immerhin etwas.

Zum Ende hin kommen da schon irgendwelche Eingreiftruppen auf dem Rollfeld.
Und zwischendurch scheint es ja auch einige Sicherheitsbeamte zu geben, die aber auch kaum Chancen haben.
 
@BAZONG
Ne finde ich nicht. Wenn es sich um ein Rollenspiel handeln würde hättest du vielleicht recht weil man da gefordert ist einen Charakter selbst zu gestalten und da bei manchen Leuten auch persönliche Moralvorstellungen mit einfließen.
Aber bei MW 2 dient diese Szene doch nur als Storysequenz. Sie handelt davon wie Terroristen einen Flughafen stürmen und Zivilisten erschießen.
Warum soll der Spieler dafür bestraft werden wenn er als einer dieser Terroristen auf die Leute schießt. Das spiegelt doch nicht die eigene Einstellung zu der Sache.

Du bist doch in Wirklichkeit kein Terrorist...keine Sorge...alles wird gut.
 
Der Schauspieler hat ein Drehbuch, an das er sich halten muß. Als Spieler hat man in der Szene die Wahl zu ballern oder nicht. Insofern hinkt der Vergleich sehr wohl.

Mich würde interessieren: Habe ich die Möglichkeit, den Terroristen in den Rücken zu schießen, mich also gegen sie zu wenden ? Alles schon passiert. Terroristen/Gangster oder Undercoveragenten tun sowas ;)
 
hat man in der Szene die Wahl zu ballern oder nicht

Dadurch bin ich nicht weniger in der Rolle. Bei einem Rollenspiel könnte ich deine Argumentation nachvollziehen. Hier aber nicht. Warum sollte der Terrorist nicht schießen? Warum ist er anders als alle anderen Terroristen um ihn herum? Das würde für mich extrem unglaubwürdig wirken.
 
Wie bereits geschrieben, kann man die Szene nicht bewerten, solange man den gesamten Rest des Spiels nicht kennt (ich weiß nicht, was die noch vorhaben im Spiel).
Ich kann nur sagen, dass ich enttäuscht wäre, blieben solche Aktionen wie das Abknallen völlig wehrloser Zivilisten "vom Spiel" ungesühnt und ließen den Spieler ohne Konsequenzen zurück.
Gebe ich die Möglichkeit zu solchen Massakern, muß ich eine Bewertung vornehmen (es reicht schon eine Zwischensequenz, ein Einspieler). IMO muß das so sein.
 
BAZONG schrieb:
Ich stelle mir grad vor, wie ich in irgendeinem WKII-Spiel (??) die Wilhelm Gustloff mit einem Russichen U-Boot versenken muß. 9000 tote Zivilisten.

Da wäre was los ! Russen tun das nunmal im Krieg :lol:

Oder als Ami die Baracken der Zwangsarbeiter auf Peenemünde bombardieren. Amis tun das nunmal im Krieg.

Oder als Serbe in paar Hundert zivile Bosnier abknallen. Serben tun das halt mal im Krieg.

Sind bloß Pixel.

Spielor schrieb:
@ BAZONG
Ja das passiert nun mal im Krieg und wenn du diese Rolle spielst dann gehört das halt dazu.
Ein Schauspieler wird auch nicht dafür bestraft im Film einen Serienkiller zu spielen.

Ich finde diesen Aspekt den BAZONG hier aufwirft ganz interessant.

Wären BAZONGS aufgezählte Beispiele moralisch verwerflicher als einen Terroristen zu spielen, der Zivilisten tötet? Vielleicht ja, vielleicht nein.

Fakt ist allerdings, dass es solche Spiele (noch) nicht gibt. Und warum? Weil kein Entwickler der Welt auf die Idee kommen würde solch ein Spiel zu entwickeln, vermutlich weil es nicht seiner Moral entsprechen würde.

Was ich damit sagen will. Die moralische Verantwortlichkeit liegt in meinen Augen in erster Linie in den Händen der Entwickler/Publisher und nicht in den Händen des Spielers, der nur als Rezipient auftritt.

Allerdings ist das ganze natürlich ein großer Kreislauf. Ist es mit der gesellschaftlichen Moral nicht weit her (und die Videospieler sind Teil dieser Gesellschaft, man sieht also es ist ein geschlossenes System) dann sieht es mit der Moral der Entwickler/Publisher, die sich ja ebenfalls aus dieser Gesellschaft rekrutieren, auch schlecht aus.
 
wenns jetzt ein ganzes spiel waere in dem man als terrorist leute niedermetzelt und sich am ende in die luft jagt und dann im paradies mit 100 jungfrauen aufwacht koennte ich ja die ganze kritik (von eurem blick auf videospiele) ja noch verstehen.
aber mit dieser szene hier soll doch ganz offensichtlich nur gezeigt werden was fuer eiskalte bastarde terroristen doch sind damit man sie danach noch dringender umbringen will. dieser terrorakt hat doch nichts heroisches.
 
Meine Meinung:

Wenn Videospiele als Kulturgut weiterhin etabliert werden wollen, dann haben sie auch eine gewisse moralische Verantwortung. Jeder, der sagt, dass das alles nur Pixel wären...hat ganz klar Recht. So wie im Film alles nur gestellt ist bzw. mittels Effekten erzeugt wird. Nichtsdestotrotz geht es im Spiel nicht darum, Pixel von der Anordnung A in die Anordnung B zu verfrachten, genauso wenig wie es im Film darum geht, Werbung für die neuesten Makeup-Effekte zu fahren. Jede Handlung symbolisiert einen bestimmten Akt. Es geht (im Spiel) darum, mit einer Waffe einen Gegner zu töten.
Und wie wir Spieler so sind, legen wir viel Wert auf eine realistische Darstellung. Die Waffenmodelle sollen möglichst nah an den Vorbildern sein, die Geräusche sollen authentisch klingen, der Gegner soll bluten, je geschmeidiger die Sterbeanimation desto besser. Warum legen wir soviel Wert darauf, wenn es doch 'eh nur Pixel sind? Weil es uns auf die Handlung selbst ankommt und nicht auf die Programmroutinen dahinter. Und genau da kickt imo irgendwo die moralische Verantwortung ein. Welche Handlungen lässt man als Programmierer den Spieler simulieren? Wie weit verfremdet man? Wie nahe will man an eine reale Darstellung? Diese Fragen sind insbesondere angesichts der immer leistungsfähigeren Hardware sehr wichtig und imo müssen sich die Entwickler diesen Themen eher früher als später stellen.
Man sieht es ja sehr gut an den Filmen: Da gibt es einerseits die, die völlig abgeschmackte Scheiße verfilmen und partout jedes Tabu brechen wollen. Und dann gibt es die, die trotz massiver Gewalt nie den Fokus aus den Augen verlieren. Die letzteren machen imo klar die besseren Filme und dort wirkt die Gewalt auch nicht deplatziert.

Die Szene aus MW2 ist imo ein klar gewollter Tabubruch, der rein auf die PR abzielt. Hätte man genauso in einer Zwischensequenz oder z.B. aus Sicht eines der Zivilisten machen können. Aber nein - man drückt dem Spieler die Knarre in die Hand und will so zeigen, was für böse Menschen Terroristen doch sind. Das ist angesichts der Tatsache, dass der Spieler den Rest des Spieles mit nix anderem verbringen wird, als Schießbudenfiguren abzuknallen, ein einziger Witz. Die Moral besteht wieder nur darin, dass die eine Seite das Recht hat, den Gegner massenhaft abzuknallen, während die andere Seite eeeeeevil ist. Völliger Schwachsinn. Aber egal, ich werd's eh nicht kaufen.
 
Gut, wenn Spiele dieselbe moralische Verantwortung tragen sollen wie Filme dann sollten sie auch die gleichen Rechte haben.
Und wie man in den letzten Jahren sehen konnte wird bei Filmen so wirklich ziemlich alles geduldet. Die Diskussion hier und der ganze Empörung aufgrund dieser Szene sind somit völlig unangebracht weil sowas im TV quasi schon ab 8 Uhr Abends läuft.

Und das man die Figur jetzt selbst spielt...nun ja, das ist halt dem Medium immanent.

Bei einem Film muss ich mich doch auch nicht schuldig fühlen weil ich dem Bösewicht dabei zusehe wie er jemanden tötet.
Und ja, ich weiß dass man ihm nur ZUSIEHT und nicht selbst handelt. Dafür handelt man aber auch nicht als der gute Detective der den Mörder am Ende zur Strecke bringt.

Im Spiel wird man letztendlich aber in der Rolle der "Guten" die Terroristen dafür bestrafen und damit gleicht sich das so ziemlich wieder aus.
Ich sags ja: wenn ich son Spiel spiele dann sehe ich mich als Puppenspieler der ne Rolle übernimmt und es wäre blöd aus dieser Rolle rauszufallen nur weil ich persönlich andere Moralvorstellungen habe als der Charakter den ich spiele.
 
Spielor schrieb:
wenns jetzt ein ganzes spiel waere in dem man als terrorist leute niedermetzelt und sich am ende in die luft jagt und dann im paradies mit 100 jungfrauen aufwacht koennte ich ja die ganze kritik (von eurem blick auf videospiele) ja noch verstehen.
aber mit dieser szene hier soll doch ganz offensichtlich nur gezeigt werden was fuer eiskalte bastarde terroristen doch sind damit man sie danach noch dringender umbringen will. dieser terrorakt hat doch nichts heroisches.

Nur mit dem Unterschied, dass wenn du in der Szene den Abzug betätigst, du der eiskalte Bastard bist. Das unterscheidet es auch elementar von einem Film.

Sowieso gibt es häufiger "Aufschreie" hier im Forum, wenn es um kontroverse Spiele / Filme gibt. Es ist also auch nicht richtig, dass dies nun nur bei MW2 der Fall ist.

Ansonsten stimme ich mit Glods Ausführung überein.
 
Der Spieler sollte eine Moral haben, nicht das Spiel selbst. Wenn Videogames Kunst sein sollen dann dürfen die auch alle Facetten aufzeigen. Verwirren,Provozieren oder einfach Unverständnis bis hin zur Ablehnung hervorrufen. Das heisst also zum Nachdenken anregen.

Alleine ich entscheide was ich mir kaufe und welche Handlung ich damit vollziehe.

Als ich damals das erste mal Doom gespielt hab und plötzlich klappen da Schränke in den Boden und es ist eindeutig ein fettes Hakenkreuz zu erkennen habe ich den PC sofort ausgeschaltet.

Meine Moral hat so entschieden. Das wird sie auch weiterhin. Ich setze die Grenze.
 
Zimtzicke schrieb:
Nur mit dem Unterschied, dass wenn du in der Szene den Abzug betätigst, du der eiskalte Bastard bist. Das unterscheidet es auch elementar von einem Film.

Das ist natürlich übertrieben ausgedrückt. Aber gerade deshalb ist das Spiel doch mächtiger als der Film. Und in so fern kann man durch dieses Medium viel deutlicher aufzeigen, was man durch Kunst (vgl Film) erreichen kann.
 
Man stelle sich folgende Szene vor:

Der Spieler spielt in der Einleitung zu Call of Duty 8 die Figur des Amon Goeth und kann von seinem Posten aus per Gewehr wahllos und willkürlich jüdische Häftlinge erschießen in dem Bereich weiter unten (im KZ). Genauso wie im Film. Das Spiel bietet diese Möglichkeit. Kurz später auch noch eine Selektion auf dem Versammlungsplatz, die man mit einer Pistole spielen kann.
Und das natürlich nur, um "die Nazis besser hassen zu können" im späteren Spielverlauf.

Man sollte sich die Frage stellen, ob das ok wäre oder nicht. Es sind ja nur Pixel, es ist ja ab 18 und es ist ja die freie Entscheidung des Spielers, ob er sich diesem "Amüsement", Wehrlose abzuknallen, hingibt oder nicht.

Ich habe meine Meinung dazu.
 
Christian86 schrieb:
"Aus grosser Kraft folgt grosse Verantwortung!" (Spiderman)

Wenn du damit das sagen willst was ich denke stimme ich dir da zu.
Die Entwickler müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Wenn die Moral der Entwickler stimmt, dann wird die Diskussion über eine Überschreitung der moralischen Grenze beim Rezipienten gar nicht erst ausgelöst.
 
Glod schrieb:
Meine Meinung:

Wenn Videospiele als Kulturgut weiterhin etabliert werden wollen, dann haben sie auch eine gewisse moralische Verantwortung.

Einspruch! Wenn Videospiele weiterhin und stärker auch als künstleriches und kulturell wertvolles Medium etabliert werden sollen, dann ist in meinen Augen das Überschreiten von moralischen Grenzen aus der "echten" Welt unumgänglich.

Videospiele könnten unsere Moral hinterfragen. Sie könnten moralische Spielkästen sein. Besonders interessant fände ich Videospielwelte, in denen andere moralische Spielregeln gelten als in unserer Welt. Videospiele bieten die Chance ein "Was wäre wenn..." weiterzuspinnen. Und dadurch etwas zu sagen und den Spieler zum Nachdenken zu bringen. In dem Hinblick fand ich die ersten Infos von I Am Alive interessant, das in einer Welt spielt, in der nach der Katastrophe das moralische System zusammengebrochen ist.

Modern Warfare 2 macht das alles nicht, aber grundsätzlich sollten Videospiele nicht nur zur moralischen Erziehung dienen, sondern auch Moral hinterfragen dürfen! Videospiele bieten die Möglichkeit den Blickwinkel anderer Menschen einzunehmen, auch wenn es Terroristen sind sollten diese Möglichkeiten genutzt werden. Wenn Videospiele das öfters tun würden, gewännen sie an Relevanz!
 
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