Hands-On Fanatec ClubSport Wheel Base V2 Servo
Mit den inneren Werten ist es immer so eine Sache. Das Mädchen aus der Bibliothek vermag Dich bestimmt nicht durch ihren Batik-Look zu beeindrucken, aber sie liebt den Kaffee dunkel und Biffy Clyro laut, während die heisse Blondine aus dem Englisch-Unterricht spätestens beim Past Present die Grätsche macht und sich Lady Gaga auf den IPod packt. Für die ClubSport Wheel Base V1 konnte man zwar anerkennende Blicke und Schulterklopfen im Freundeskreis erhaschen, abends, in trauter Zweisamkeit, war man allerdings öfters gelangweilt. Die ClubSport Wheel Base V2 hingegen mag die Melvins und trinkt das Bier aus der Flasche!
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Fanatec lässt sein neues Flaggschiff zu Wasser und schlägt bereits mit der Ankündigung hohe Wellen. Sorgt bei der Jugend von heute eine tätowierte, singende Hühnerbrust für Ohnmachtsanfälle bringt den geneigten SimRacer ein Wort zum Taumeln; Servo!
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Man hat sich von dem doppelt belegten Motorblock verabschiedet und spendiert der V2 einen (Riechsalz!) Brushless Servo, welcher nicht nur durch enorme Hitzebeständigkeit, sondern auch durch Langlebigkeit und (Zitat!) a lot of Power bestechen soll. Machen wir es also nicht so spannend …
Ja; die Verpackung ist gewohnt schmuck, der Inhalt aufgeräumt, man findet sich schnell zurecht. Das Netzteil wurde ebenfalls geändert, es scheint eine ganze Menge Strom zu fliessen. Die Abmessungen der Base sind allerdings exakt dieselben wie bei der V1, was für Besitzer eines Rigs für unkomplizerten, schnellen Einbau sorgen sollte.
Ihr wollt Servo. Ihr kriegt Servo, aber lasst mich euch noch kurz mit den inneren Werten langweilen, hier sind wir nämlich an dem Punkt der Geschichte, an welcher sich das Mädchen aus der Bibliothek der Zahnspange entledigt. Auffälligstes Merkmal der V2 ist neben dem polierten Rand an der Vorderseite ein dritter, auf der Rückseite verbauter Lüfter. Im Inneren befeuert der Servo einen verbesserten Riemen, der jetzt härter gespannt werden kann und so für grössere und schnellere Beschleunigung sorgen soll. Die Steuerachse wartet mit der doppelten Auflösung auf, das Quick Release wurde hinsichtlich der Toleranz verbessert, die Pulleys sind ebenfalls massiver geworden.
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Nachdem wir uns jetzt in einer schummrigen Bar durchs Kennenlernen gequält haben und uns langsam das Kleingeld ausgeht, kommen wir zum Wesentlichen! Ich hab' das Klatschen der Handfläche gegen die Stirnlappen der Direct-Drive-Jünger bis hierher gehört, als nach dem S-Wort bekannt wurde, dass es kein Direct-Drive, sondern wie von der V1 bekannt ein riemenbetriebenes System werden würde. Stellt sich also die Frage, ob die innere Katharsis der V2 nun dazu führt die bauartbedingten Schwächen der V1 wie Trägheit, Rutschen der Riemen oder auch schwindendes FFB durch Überhitzen des Motorblockes besser in den Griff zu bekommen. Nun, ich will das mit zwei Worten ausführen: Fuck. Yeah!
Es fühlt sich in etwa so an, als bringst du Samstags Deinen Familienkombi zum Schrauber ums Eck, holst ihn Montag wieder ab und wunderst dich über die Zierleiste an der B-Säule. Du setzt dich rein, machst den Fred Astaire mit rechts und der Koffer geht so dermassen ums Eck, dass dich deine Frau umklammert wie damals … ach, du weisst schon … während du einfach nicht genug kriegst, weil das ist zwar dein Kombi, jedenfalls sieht er so aus, aber er fühlt sich an, als hätte Walter Röhrl sein Lachen an Tim Thaler verkauft, welcher dieses gegen eine Nachtschicht des Schrauberteams vom Team Herbie eingetauscht hat.
Es ist kein Geheimnis, dass ich mit der V1 so meine Probleme hatte und wir nie wirklich beste Freunde wurden. Es ist auch kein Geheimnis, dass ich nicht der Einzige war, der mit der immer wiederkehrenden Problematik von defekten Motorblöcken zu kämpfen hatte.
Während der ersten Tage mit der V2 habe ich mich fast nicht getraut wie gewohnt mit Headset zu spielen um auch ja nicht das Klopfen der Mannen in weiss zu verpassen, wenn sie mich ob dem fortwährend grenzdebilen Lachen gen Endstation mitnehmen. Wo die V1 nach einem 10km-Lauf röchelnd nach einem Glas Wasser verlangt, haut die V2 nach einem Halbmarathon zwei grosse Weizen weg. Die Performance ist nicht gut, sie ist nicht überragend, sie ist gegenüber der V1 schlichtweg fantastisch!
Und während noch immer das Klatschen von Händen gegen Stirnlappen zu vernehmen ist, höre ich Fragen wie "Fährt es sich wie ein Direct-Drive?" und ich schreie zurück "Nein!", während ich mich etwas verschüchtert von der ungewohnt zu bändigenden Kraft am Lenkrad festhalte. Aber… es ist eine Alternative! Eine Alternative, welche seinen Nebenbuhler T500 nun definitiv mit blutiger Nase beim Mofaständer zurück lässt und die Ballkönigin mit nach Hause nimmt.
Wer ein Direct-Drive mit all seinen Vorzügen erwartet hat, wird enttäuscht sein. Wer sich eine bis in die Haarspitzen aufgebretzelte V1 erhofft, welche auch über Stunden ohne jeglichen Einbruch das volle FFB-Gewitter auffährt, der wird begeistert sein! Ich wage zu behaupten, dass Fanatec mit der V2 die technischen Möglichkeiten, welche ein riemenbetriebenes System zulässt, bis zum Exzess ausgelotet hat. Das System ist smooth, es weist um Längen weniger Trägheit als bei der V1 auf und ist so reaktionsschnell, dass man erstmal total baff ist. Es ist eine Wonne, wie die verschiedenen Charaktere der Wagen detailliert und charakteristisch dargestellt werden, wie man es von der V1 schlicht nicht kennt.
Direct-Drive ist Champions League. Die V2 ist der Nachmittag mit den Jungs und zwei Kisten Bier auf dem Bolzplatz, nach dem man besoffen, schmutzig, blutend und verflucht glücklich nach Hause kommt!
Zum Einsatz gekommen sind bei mir Lenkräder von 26, 27.5, 32 und 33cm Durchmesser, wobei weiterhin eine Lücke im Angebot von Fanatec klafft, wenn es um ein 30er-Rim geht. Schade! Erwartungsgemäss schluckt das vergleichsmässig schwere BMW-Rim relativ viel FFB, aber auch hier steht genügend Kraft zur Verfügung, um in den Genuss von FFB-Nuancen zu kommen, welche die V1 in diesem Umfang nicht mehr stellen konnte. Mit dem neuen Hub in Verbindung des Flat1-Rims, welches ich durch Demontage aller von mir nicht benötigten Anbauteile auf knapp 1350g gekriegt habe, explodiert die Performance geradezu und dies war der Punkt, wo ich zum ersten Mal an einer Fanatec-Base das FFB freiwillig runter geregelt habe. Alles unterhalb von Clipping in iRacing versteht sich! Aber selbst mit dem neuen GT-Rim mit 33cm Durchmesser und knapp 1700g in meiner Konfiguration, fährt sich der Ruf C-Spec so dermassen herrlich ruppig, so schmutzig wie die Wäsche einer vierköpfigen Familie nach dem Besuch des diesjährigen Sommers.
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Natürlich spielt Direct-Drive in einer anderen Liga, aber es ist bezeichnend, dass sich die V2 selbst auf Papier immer wieder einem Vergleich unterziehen muss. Fanatec ist mit der aktuellen Version doch einen ganz, ganz grossen Schritt weiter gegangen. Sollten sie laut eigenen Aussagen tatsächlich ein Direct-Drive in der Mache haben und dieses mit derselben Konsequenz entwickeln, wie sie die CSW V1 verbessert haben, dann wird auch das Klatschen gegen die Stirnlappen verstummen.
Mit 499 Euro für Vorbesteller (welche mittels Coupons aus bestehender Kundschaft generiert werden) und 599 Euro als regulären Preis ruft Fanatec nur einen unwesentlich höheren Preis als für die V1 auf. In der Vollaustattung mit Rim und Hub werden an der Kasse also gegen 1000 Euro fällig. Das mag sehr, sehr viel Geld sein, welches der Eine oder Andere nicht gewillt sein mag für ein "Spielzeug" auszugeben. Für alle anderen enthält das Paket ein auf seine persönlichen Vorlieben vollumfänglich anpassbares Setup, welches auch mit Hardware des Kalibers Heusinkveld Sim Pedals Pro oder dem SSH14 von MANU-Factory eine Einheit bildet.
Wahre Werte kommen eben doch von innen und im Hintergrund spielt leise
Applaus Applaus. Fuck. Yeah!
Bilder:
(2), (3), (5), (8): Fanatec
(1), (4), (6), (7), (9): M. Walser
www.fanatec.com
Bei der getesteten Base handelt es sich um ein Beta-Produkt und kann von der Serienproduktion abweichen.
Vielen Dank an Fanatec für das Vertrauen und die Unterstützung!