@Frystil
Warum genau möchtest du denn, dass er sowas macht?
Du schreibst:
"dass er einmal für seine körperliche, psychische als auch soziale Entwicklung etwas neben sportlich macht."
Die Entwicklung geschieht doch automatisch, durch Kita, Schule und soziale Kontakte. Vielleicht kommt das auch nur falsch rüber, aber bei mir schrillen da irgendwie alle Alarmglocken. Lass das Kind einfach Kind sein. Interessen kommen von ganz alleine. Auf mich wirkt es so fordernd. Würdest du wollen, dass dein Kind in 30 Jahren deswegen beim Therapeuten sitzt, weil dadurch vielleicht irgendein Denken oder Verhalten geprägt worden ist, dass sich evtl in psychischen Problemen wie einer Depression, Angst oder Panik Störung, Versagensangst etc manifestiert?
Weiter schreibst du
"Er müsste es einfach mal nur probieren, aber das macht er nicht. Und einfach nur versauern und dazu Hause rumhängen, neee."
Wo ist das Problem? Vielleicht fühlt er sich zu Hause wohl. Vielleicht ist er introvertiert und wird sich später lieber in Bücher vertiefen als in einem Sportverein. Jeder Mensch ist anders. Eltern neigen oft dazu anzunehmen, dass die Kinder in die eigenen Fußstapfen treten. Aber das muss nicht der Fall sein.
Ich habe zwei Jungs, 7 und 9 Jahre alt. Beide sind so unterschiedlich wie es nur geht, trotz gleicher Erziehung und Sozialisation.
Das waren jetzt nur meine zwei Cents zu dem Thema, weil in meiner Kindheit auch bestimmte Verhaltensmuster geprägt wurden und ich mich aktuell deswegen in Therapie befinde.
Ich glaube einfach, dass du ihm damit keinen Gefallen tust.
Absolut.
Unser großer ist noch fünf und geht ins Kinderturnen und in die Musikschule (musikalisches Orientierungsjahr). Der Kleine (wird im Juli vier) macht nur Kinderturnen (freut sich aber schon auf die musikalische Früherziehung, wenn er vier wird).
Wenn sie Lust drauf bekommen, ist so mit sechs Jahren auch der Moment gekommen, an dem einen "richtigen" Sport beginnen kann. Das würden wir aber immer ohne Druck machen und mir ist klar, dass sich da Kinder auch ausprobieren müssen und ein paar Sportarten fallen lassen, bevor sie an einer Aktivität ankommen, die dauerhaft intrinsisch motiviert.
Letzteres ist uns aber das wichtigste: Das Kind muss intrinsisch motiviert sein, wir als Eltern wollen da keinen Druck ausüben.
Ein Kind, das in den Kindergarten geht und soziale Kontakte zu Freunden hat, auf dem Spielplatz tobt etc, braucht keinen Sportverein für die Entwicklung. Das passiert wie Nimble schreibt von alleine.
Wenn natürlich ne Sportart passt - super. Wenn nicht - auch vollkommen OK. Entweder es kommt später (z.B. über Freunde oder andere Gründe) oder auch nicht. Geht auch keine Welt unter.
Ich war z.B. auch in einigen Sportvereinen. Leichtathletik, Schwimmen, Handball, Fussball, Karate. Training fand ich immer toll. Wettkämpfe aber nicht. Sobald es also "ernst" wurde, ist meine Motivation auf Null gesunken und ich war raus. Ich bin kein kompetitiver Mensch, war ich noch nie. Wenn das bei meinen Kids so ist, dann werd ich das akzeptieren.
Im Endeffekt war meine längste sportliche Betätigung Basket- und Streetball mit Kumpels. Das haben wir über Jahre quasi jeden Tag gemacht. Ganz ohne Verein oder dass mich meine Eltern dazu gebracht hätten.
Genauso machen wir das mit Musikinstrumenten. Ich fände es toll, wenn sie ein Instrument lernen. Ich sehe es an mir, wie ausgeprägt mein INteresse für Musik und meine Musikalität und Rhythmusgefühl sind, weil ich 10 Jahre Klavierunterricht hatte.
Aber auch da werde ich keinen Druck ausüben. Natürlich ist es die elterliche Aufgabe, intrinsische Motivation zu erzeugen - aber nicht erzwingen.
Momentan will der Große Gitarre lernen - wird er aber mit sechs Jahren noch nicht können (der Gitarrenlehrer an der Musikschule ist ein guter Schulfreund von mir, mit dem hab ich mich schon unterhalten). Ich versuche ihm also, Klavier schmackhaft zu machen - haben wir daheim, ich kann ihm daheim helfen und es ist für sechsjährige geeignet.
Wenn er aber die Motivation verliert oder auf die Gitarre warten will oder gar kein Instrument lernen mag - dann werde ich auch das akzeptieren. Und nicht wie meine Eltern damals unter Strafandrohung dafür sorgen, dass ich min. ne halbe Stunde pro Tag Klavier übe... Das bringt nix.
Und sonst war ich auch oft daheim. Alleine, mit Büchern oder Videospielen. Weil mir das Spaß gemacht hat und ich mich schon immer daheim am wohlsten fühle.
Mit Druck erreicht man mittel- und langfristig nur das Gegenteil von dem, was man will. Und im schlimmsten Fall entfremdet man sein Kind von sich, wenn man es in Schablonen pressen will, in denen man das Kind sieht aber das Kind selbst sich eben nicht.