Ich denke dazu, dass es sicherlich nicht so falsch war, dass man jahrzehntelang klassische, aber etwas klobige Kinderwagen bevorzugte, mit großen Innenräumen und geraden Liegeflächen und später auf einen Buggy umstieg. Klar nervt es u.U. im Bus und klar lässt sich so ein Ding nicht in den Kofferraum quetschen, aber das Kind hat den Platz den es braucht und ist letztlich schnell aus dem Teil rausgewachsen. Da reibe ich mich an der Einstellung heutiger Eltern, von Geburt an so wenig wie möglich in ihrer Flexibilität eingeschränkt sein zu wollen. Gerade im ersten halben Jahr sollte man sich aber ruhig mal ausklinken und abkapseln, anstatt auf nichts zu verzichten und sein Kind auch durch das engste Café geschmeidig durchzucruisen.
Unlogisch ist auch die hier oft unterschwellig aufblitzende Argumentation, wenn schon die teuren nicht frei von Schadstoffen sind, dann sind die "billigen" ja wahrscheinlich noch schlimmer dran. Einerseits gibt man 1.000 Euro und mehr aus, um "keine Kompromisse" einzugehen und wenn die Tests dann zeigen, dass man trotzdem nicht automatisch schadstofffreie Geräte für den stolzen Preis bekommt, relativiert man sich das zurecht und schraubt so automatisch den eigenen Anspruch zurück. Die Tests zeigen aber nicht, dass je teurer, desto weniger Belastung, sondern dass die teuren genauso belastet sind wie die normalpreisigen.
Letztlich kennen die Hersteller ihre Zielgruppe genau. Immer öfter haben heute Männer das letzte Wort über den Kinderwagen. Das wird aufgezogen wie ein Autokauf. Technische Details und Ausstattung stehen im Vordergrund und begründen die hohen Preise. Das Aussehen wird immer wichtiger und letztlich die Wahl des Kinderwagens auch Ausdruck des sozialen Status. So wie das Auto, das Handy, der Fernseher und die Wahl des Urlaubsortes. Das sind Empfindungen, die die Hersteller ganz gezielt ansprechen mittels Marketing. Die Eltern merken es nicht, weil ihnen etwas anderes suggiert sind, aber ihre Bedürfnisse stehen imo oft schon stärker im Vordergrund als das des Babys.
Das Geniale dabei ist, dass Kinderwagen eine nur sehr kurze Zeit im Leben von Eltern eine Rolle spielen und man sich damit schon beschäftigt, ehe man damit überhaupt Erfahrungen sammeln konnte (teure Kombigeräte zielen ja auch genau darauf ab, Erfahrungswerte in die Kaufentscheidung nicht mit einfließen zu lassen). Entscheide jetzt, erfahre später, ist ein klassische Erfahrung, die Eltern bei Anschaffungen für Kinder machen.

Und ständig wachsen neue Eltern heran. Sie erleben einen Markt, der sich in den letzten 10 Jahren stark verändert hat, als völlig normal. Er lässt sich ständig flexibel anpassen, weil sich keine jahrelange Stammkundschaft entwickeln kann.