Was mich interessieren würde und als ernstgemeinte Frage zu verstehen ist, an diejenigen hier, die dieses ganze Gegendere befürworten, speziell Männer wie Mingo, wie es dazu kommt? Kenne sowas tatsächlich nicht und auch die Frauen in meinem Umfeld schütteln bei solchen Themen mit dem Kopf, selbst diejenigen die es ein paar Semester lang studiert haben.
Ernstgemeinte Frage zurück: was genau haben deine Freundinnen studiert? Jemand mit einer ablehnenden Haltung geschlechtergerechter Sprache gegenüber wird wohl kaum "Gender Studies" im Haupt- oder Nebenfach studieren (was ich übrigens generell schade finde, wenn Disziplinen nur in ihrem eigenen Saft kochen und ein wirklicher Diskurs mit Rede und Gegenrede in Seminaren praktisch gar nicht stattfindet). Ich nehme an, irgendwas auf Lehramt und im Zuge dessen mussten auch mal Seminare/Vorlesungen aus dem Bereich der Geschlechterstudien besucht werden?
Ich habe da irgendwie immer so das Gefühl, dass es Menschen sind, die früher vielleicht gemobbt oder anderweitig ungerecht behandelt wurden und jetzt einen auf Judge Dredd machen (überspitzt formuliert).
Das ist lustig, denn genau das Gegenteil ist der Fall (ok, nicht
genau das Gegenteil, ich war jetzt früher kein mobbendes Arschloch). Ich setze mich ja gerade deshalb für Gleichberechtigung ein, weil ich mir meiner eigenen Privilegiertheit bewusst bin und versuche das laufend zu reflektieren. Ich bin Deutscher, getaufter Christ, Mann, heterosexuell, komme aus einem intakten Elternhaus. Man könnte die Liste der Privilegien vermutlich noch weiterführen, entscheidend ist aber: ich weiß das und ich weiß das auch durchaus zu schätzen. Ich verstehe und akzeptiere, dass ich in allen oben aufgeführten Bereichen quasi zur Mehrheitsgesellschaft gehöre und damit auch sprachlich immer adressiert werde.
Ich habe daher nicht damit zu kämpfen, dass ich nicht als "richtiger" Deutscher angesehen werde, weil zwar einen deutschen Pass habe, aber meine Eltern vielleicht "nur" zugewandert sind. Ich kann es nicht am eigenen Leib nachfühlen, was es bedeutet von Freund*innen und Verwandten immer wieder gefragt zu werden, ob ich denn schon eine Freundin hätte und mich innerlich selbst dafür hassen, dass ich schwul bin. Ich bin nicht nur generös "mitgemeint", wenn im generischen Maskulinum "Tischler gesucht" werden, sondern ich werde dabei mit meinem Geschlecht direkt angesprochen.
Und nun, da ich das ganze so niederschreibe merke ich, dass du doch recht hast. Ich
wurde ungerecht behandelt! Das alles was ich aufgeführt habe
ist ungerecht.
Es ist nicht gerecht, dass ich nur deshalb als richtiger Deutscher anerkannt werde, weil ich neben dem deutschen Pass auch deutsche Eltern und einen deutschen Namen habe. Es ist nicht gerecht, dass von meinem Mitmenschen überhaupt nicht in Erwägung gezogen wird, dass ich eventuell schwul sein könnte. Es ist nicht gerecht, dass nur ich sprachlich adressiert werde, während meine Freundin, die tatsächlich ausgebildete Tischlerin ist, sich jedes Mal sprachlich ausgegrenzt fühlen muss.
Abschließend würde ich also mit einem entschiedenen "Jein" antworten. Nein, ich wurde nicht gemobbt und ja, ich wurde ungerecht behandelt.
Gleichberechtigung in allen Ehren, aber auf den letzten Seiten hat man schon div Auswüchse gesehen wo man sich nur an den Kopf fassen kann. Die Formulierung der Bundeswehr war ja kaum noch verständlich lesbar. Und für sowas gehen dann zeitliche wie finanzielle Ressourcen drauf, na prima.
Gleichberechtigung in allen Ehren, aber nur wenn es nicht mit größeren Anstrengungen und Irritationen für die Mehrheitsgesellschaft verbunden ist?
Sorry, so geht es halt nicht. Und das Bundeswehrbeispiel war ein von einem User erdachtes Beispiel und wer so gendert ist selber Schuld. Das kann man auch geschickter machen.
Beispiel: "Fahrradfahrer bitte absteigen!" wird ganz geschlechtergerecht zu "Fahrräder bitte schieben!" Mehr Beispiele unter
geschicktgendern.de.
Ich selbst bin in meinem beruflichen Alltag einer der ganz wenigen Männer in einer von Frauen dominierten Branche. In der ersten Bibliothek wo ich war, war ich sogar der einzige Mann und entsprechend waren die Fächer nur für Frauen beschriftet. War ich halt eine Azubine, na und? Einmal geschmunzelt und gut ist
Siehe oben. Es ist einfach, wenn man ansonsten in der privilegierten Lage ist, so gut wie immer mit seinem eigenen Geschlecht angesprochen zu werden. Genau das ist der Grund dafür, dass du nur "einmal schmunzeln" musst und gut ist.
Meine Freundinnen schmunzeln halt nicht jedes Mal darüber, dass sie nicht angesprochen werden oder über das falsche Geschlecht adressiert werden. Weil sie dann aus dem Schmunzeln nicht mehr rauskämen, und das wird auf Dauer einfach anstrengend.
Genau wie mit der Frauenquote in Firmen.. Ich würd mir als Frau eher diskriminiert vorkommen wenn man mir zwecks Quote den Vortritt lässt. Auch da: eine wirklich selbstbewusste Frau hat das nicht nötig und erarbeitet sich solch eine Anstellung. Ok hat hier nicht wirklich was zu suchen wollte es aber trotzdem sagen.
Und ich würde mich als Schwarzer nicht über blackfacing in deutschen Fernsehsendungen und das Wort Neger in deutschen Kinderbüchern aufregen, als Schwuler hätte ich nichts dagegen, wenn man schwul und Schwuchtel als Schimpfwort verwendet und als Deutscher mit türkischen Wurzeln würde ich mich nicht daran stören, wenn die Lehrerin im Unterricht bittet, dass jetzt bitte mal "nur die Türken" aufstehen sollen.
Genau das meine ich mit eigene Privilegien reflektieren. Man kann doch auch mal anerkennen, dass es Leute gibt, die über solche Sachen eben nicht hinwegsehen können, weil es für sie diskriminierende Erfahrungen sind, die sie schon zu genüge gemacht und ertragen haben.
Ich empfinde es als anmaßend diesen Menschen diese Erfahrungen einfach absprechen zu wollen oder aus einer Position, in der solche Erfahrungen nicht gemacht wurden zu urteilen, wie man solche Erfahrungen denn zu verarbeiten haben.
Ja, es gibt Schwarze, die stören sich nicht am Wort Neger. Ja, es gibt Schwule und Lesben, die sich nicht an "schwul" als Schimpfwort stören. Und ja, es gibt mit Sicherheit mehr als genug Frauen, die nichts von geschlechtergerechter Sprache halten.
Aber das ändert doch nichts an der Tatsache, dass Menschen alles Recht der Welt und in meinen Augen auch sehr gute Gründe haben, sich dadurch sehr wohl verletzt zu fühlen, ausgegrenzt zu fühlen, nicht akzeptiert zu fühlen.
Und dass Frauen in vielen Berufen und Positionen unterrepräsentiert sind ist ja wohl ein nicht von der Hand zu weisender Fakt.
In den Vorständen der deutschen DAX-Unternehmen sind nicht einmal 10% Frauen.
Ja, das liegt wohl einfach an den Frauen. Alle zu wenig selbstbewusst. Es gibt eben nur einen kleinen Anteil selbstbewusster Frauen und die schaffen es dann auch in den Vorstand. Männer haben einfach das Selbstbewusstsein das Frauen fehlt.
Sarkasmus beiseite, so ist es natürlich nicht. Und selbst wenn es so wäre, könnte man an der Stelle die Frage nach Henne und Ei stellen. Warum fehlt den Frauen denn wohl das Selbstbewusstsein, in männlich dominierte Bereiche vorzudringen?
Und eine zweite Frage will ich mal in den Raum stellen: ist man immer selber Schuld, wenn einem das Selbstbewusstsein fehlt? Pech gehabt, du bist eben nicht für unsere Ellbogengesellschaft gemacht?