Hab hier in den letzten 3 Wochen ja kaum was beigetragen. Das liegt aber nicht daran, dass ich mir keine Filme mehr ansehen würde, sondern daran, dass bei mir vor eben ziemlich genau 3 Wochen die
Sopranos Komplettbox eingetrudelt ist.
Es ist nicht so, dass mich die Serie jetzt auf Anhieb absolut aus den Latschen gehauen hätte. Sie ist eben nicht so angelegt, wie "24" oder "Prison Break", wo von der ersten Minute an Hochspannung pur zelebriert wird und am Ende jeder Episode ein Mega-Cliffhanger wartet.
"Die Sopranos" wird vergleichsweise ruhig erzählt. Der Reiz der Serie liegt für mich darin, dass Sie im Prinzip eine Mischung aus "Der Pate" und "Gillmore Girls" ist

Klingt komisch, ist aber irgendwie so. Auf der einen Seite ist da die Zugehörigkeit der Familie zur Mafia von New Jersey. Tony Soprano und seine Capos halten sich für Angehörige einer elitären Gruppe von Gentleman-Gangstern, die einem alt hergebrachten Ehrenkodex folgen.
Im Endeffekt sind sie aber nur brutale Straßengangster die für ein paar Dollar weder Rücksicht auf Leib und Leben nehmen und sich mit wenig ruhmreichen Straftaten wie z.B. Sportwetten oder Korruption im Bau- und Müllentsorgungsgewerbe die Taschen voll machen.
Auf der anderen Seite ist da die "richtige" Familie von Tony, von welcher er das durchaus liebevolle und sorgsame Oberhaupt ist. Er liebt seine beiden Kinder und seine Frau (obwohl er letztere bei fast jeder Gelegenheit betrügt) und er versucht, diese Familie so weit wie möglich von der beruflichen Familie fernzuhalten.
So kommt es in Tonys Leben, und somit auch für den Zuschauer, zu regelmäßigen Überschneidungen von Morden an FBI-Spitzeln und Schulproblemen des pubertierenden Anthony Junior, oder dem ersten großen Liebeskummer seiner Tochter Meadow ("Godfather" und "Gillmore Girls" eben, wobei es bei "den Sopranos" dann doch dramaturgisch anspruchsvoller und weniger kitschig zugeht).
Bindeglied zwischen beiden Welten sind die Szenen in der Praxis von Dr. Melfi, der Psychologin, bei der Tony einmal pro Woche sein Herz als Familienvater und Mafiaboss ausschüttet und auf die er offenkundig rattenscharf ist. Hier werden Vorkommnisse retrospektiv beleuchtet und manche (oft belanglos wirkende) Szenen, bekommen so erst zwei oder drei Folgen später eine tiefenpsychologische Bedeutung... oftmals mit absolutem AHA-Effekt
Die Charaktere werden stets fein ausgearbeitet und entwickeln sich laufend weiter. Da es sich ja um eine Produktion des werbefreien Bezahlsenders HBO handelt, kann sie sich ja auch ausreichend Zeit dafür nehmen (Etwa 50 bis 55 Minuten pro Episode). Dieser Luxus tut natürlich jeder Fernsehserie gut (siehe auch "Life on Mars").
Meine persönlichen Lieblinge sind, natürlich neben Tony Soprano himself, eindeutig Paulie Walnuts und der Nachtclub-Besitzer Silvio. Herrlich klischeehaft übertrieben dargestellte Zeitgenossen, die sich dann zur Krönung auch noch regelmäßig Mafia-Film-Zitate um die Ohren hauen.

Häufig kommen neue interessante Haupt- und Nebenfiguren hinzu (wie zum Beispiel Steve Buscemi als Tonys Cousin Tony

), für welche aber auch plötzlich oftmals überraschend beliebte Figuren dahin scheiden, oder dahingeschieden werden

. Man sollte also keinen von Tonys Leuten zu sehr ins Herz schließen.
Auch die Handlungsstränge sind interessant, abwechslungsreich und halten den Zuschauer bei der Stange. Egal, ob Tonys und Carmellas Ehekrise, die Spitzelaffäre um Adriana (

), die Drogensucht ihres Freundes Christopher, oder der Machtkampf der New Yorker Familien, nach dem Tod des langjährigen Paten des Big Apple... man will immer wissen wie es weiter geht.
Auch wenn, wie eingangs erwähnt, die Serie mich nicht von der ersten Minute an überwältigt hat, so saugt sie einen doch nach einiger Zeit absolut in sich hinein. Und so kam es, dass ich nach nur drei Wochen mittlerweile immerhin doch auf der letzten DVD der 5. Staffel angekommen bin. Ich freue mich auf ein, hoffenlich denkwürdiges, Finale in der sechsten und letzten Staffel, welche ja erstmalig auf zwei Teilstaffeln aufgesplittet wurde und insgesamt 22 anstatt der üblichen 13 Folgen umfasst.
Eine Wertung möchte ich natürlich erst abgeben, wenn ich dieses Machwerk wirklich als Ganzes kennengelernt habe, aber ich kann jetzt schon sagen, dass für mich "die Sopranos" wahrscheinlich zu den besten Fernsehserien überhaupt zählt
