Seit einer Ewigkeit wieder Lost Highway gesehen und immer noch so begeistert wie beim ersten Mal, vielleicht sogar noch etwas mehr, da mir beim 2. Mal ansehen jetzt noch einige Dinge verstärkter ins Auge gefallen sind.
Absolut brillant, verstörend und seltsam (wobei der Film in seiner Seltsamkeit noch von Inland Empire getopt wird, bei dem Lynch wohl schlussendlich doch noch eine Hirnwindung durchgebrannt ist).
Wie gewohnt lockt einen Lynch in einen obskuren und surrealen Irrgarten, der dieses Mal von subtilen "Horror", einer albtraumhaften Erzählung, Wahnsinn, Absurditäten, Sex, Gewalt und allgemein menschlichen Abgründen und Sehnsüchten heimgesucht wird.
Wie Lynch mit Tönen und Bildern spielt und damit eine unglaubliche Intensität aufbaut ist einfach genial. Das Gehirn läuft bei den symbolischen, von Assoziationen nur so geschwängerten Bildern los, versucht das gerade gesehene zu verarbeiten und sich einen Reim darauf zu bilden, nur um gleich wieder von einer Welle an Sinneseindrücken hinfort gespült zu werden.
Man kann an jeder Ecke einen Hauch von Perfektion fühlen, denn Lynch erlaubt sich hier einfach keine Fehler. Jeder Schnitt, jede Szene ergibt irgendeinen Sinn, bezieht sich auf irgendetwas und kann abgeleitet werden. Würde auch nur irgendetwas aus der Reihe tanzen oder einen Tick zu falsch/anders reagieren, so würde das gesamte Konstrukt in sich zusammen brechen und Lost Highway nicht mehr wirken. Man würde Lynch die Sache nicht mehr abkaufen und die hervorragende Stimmung wäre völlig beim Teufel.
Es ist wieder einmal faszinierend anzusehen, wie der herkömmliche Spielfilm ua dadurch transzendiert wird, dass einem die völlige Freiheit gewährt wird, eigene Schlüsse aus dem gesehen zu ziehen.
Ich für meinen Teil bin zB zu dem Schluss gekommen, dass es sich hier um eine moderne, surreale, leicht verstörende Version von "Faust" handelt.
Erwähnen sollte man auf alle Fälle auch noch den hervorragenden und perfekt zu den Szenen passenden Soundtrack, der von Trent Reznor produziert wurde.
Allgemein ist der Ton eine sehr wichtiger Bestandteil von Lost Highway, von dem atmosphärisch enorm profitiert wird.
Zusammen mit Blue Velvet der beste Film, den Lynch je produziert hat. Ein Meisterwerk von einem Psycho-Thriller und der Lynch mit der größten Sogwirkung.
Bleibt aber dennoch ein klassischer Binärfilm, sprich love it or hate it, mit wenigen Meinungen dazwischen.
Möchte man sich auf Lost Highway oder allgemein auf einen Lynch einlassen, so ists meiner Meinung nach wichtig sich wirklich am direkt auf der "Leinwand" gezeigten zu orientieren und sich nicht krampfhaft an das zu klammern, was einem von seinen sonstigen Sehgewohnheiten aufgedrängt wird. Damit geht Lynch nämlich auch in Lost Highway auf Tuchfühlung.
Lost Highway wirft sehr viele Fragen auf, noch mehr wenn man versucht dahinter zu kommen und erklärt dabei überhaupt nichts - stattdessen wird einfach nur gezeigt.
10/10





