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Der Papst tritt zurück

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Das Problem bei solchen Diskussion ist halt einfach, dass sich Pro und Contra Seite jeweils in anderen Mikrokosmen befinden, mit ihren Weltanschauungen. Jeder ist davon überzeugt, dass sein Standpunkt der richtige ist...was ja auch ein wesentlicher Faktor beim Glauben ist. Glaube ohne davon überzeugt zu sein, ist wie Coitus ohne Ejakulation.

Sachliche Diskussionen sind da kaum möglich, aufgrund überschwappender Emotionen. Man wird sich der Gegenseitige sowieso verschließen, wenn man sich nicht gerade von den gegenteiligen Ansichten überzeugen lässt. Irgendwann kommt in solchen Diskussionen auch IMMER der Moment, in dem sich jemand vor den Kopf gestoßen fühlt.

In meinem tiefsten Innersten kann ich Endijians Aussage beipflichten, da ich ähnlich darüber denke, aber aus Gründen des Anstands und "Leben lassen"-Prinzips heraus, kann man es doch auch blumiger formulieren, um ja niemanden vor den Kopf zu stoßen oder es gleich seinlassen. Zudem will ich auch niemanden seinen Glauben madig machen, solange man mich nicht damit konfrontiert, denn dann sehe ich mich dazu veranlasst meine (doch recht festgefahrene) Meinung dazu preiszugeben.
 
Ja, aber mir geht es gar nicht um den Glauben. Der ist mir egal. Mir geht es einzig und allein um die Institution Kirche und wie sie mir als Atheisten trotzdem ständig in die Parade fahren will. Ich lasse die in Ruhe, die mich nicht. Das ist der Punkt. Ich denke, über diesen Umstand kann man durchaus sachlich diskutieren und ich kenne auch Gläubige, die die Verwachsung der Kirchen mit unserem Staaten nicht gut finden.

Nur während die Kirchen/Glaubensgegner hier nun schon auf 9 Seiten darlegen, was sie stört (mit mir manchmal zu harscher Wortwahl), kommt von der Gegenseite fast ausschließlich der Verweis, die Kirchengegner seien zu engstirnig und zu keiner Diskussion in der Lage. Dieses "von oben herab" stört mich, denn ich spreche hier auch niemandem seine Diskussionswürigkeit, auch wenn der ein oder andere schon eklatant andere Standpunkte vertritt als ich dies tue und ich mich mit solchen Personen auch schonmal in die Köppe gekriegt hab.
 
Ohne Religion wäre die Welt besser dran!

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Weasel1988 schrieb:
Mir geht es einzig und allein um die Institution Kirche und wie sie mir als Atheisten trotzdem ständig in die Parade fahren will. Ich lasse die in Ruhe, die mich nicht.

Mich würde interessieren, inwiefern dich die Kirche ständig belästigt. Bis jetzt habe ich die Kirche als doch sehr zurückhaltende Institution kennengelernt.
 
Ich zitiere mich mal selbst:

Weasel1988 schrieb:
Marcello schrieb:
Wenn du nicht in der Kirche sein willst, dann trittst du aus und die Sache ist gegessen.

Und genau da irrst du dich. Meine Frau und ich sind beide aus der Kirche ausgetreten. Was glaubst du, wie leicht es für uns wird, einen Kindergartenplatz für unser Kind zu bekommen, wenn die Hälfte der Kindergärten in katholischer Trägerschaft sind und die katholische Kinder vorziehen. Daneben gibt es bis heute Schulen, die vorschreiben, dass die Kinder katholisch oder evangelisch sein müssen, um dort angemeldet werden zu können (+ ein Elternteil). Auch Jobtechnisch ist man benachteiligt, weil der zweitgrößte Arbeitgeber Deutschlands mich niemals einstellen würde.

Wenn es nur so wäre, das mich das nichts angehen würde.

Darüber hinaus werde ich als Soldat der Bundeswehr ständig mit der Militärseelsorge konfrontiert, die komplett von den beiden großen Kirchen gestellt wird, aber vom Militär bezahlt. Mir wird befohlen, an Fahrten zu katholische Wallfahrtsorten teilzunehmen und mir Unterrichte von Pfarrern anzuhören. Diese sollen seit einigen Jahren zwar keine Werbung mehr tragen, sondern bloß von Themen wie Ethik etc handeln, die die unterschwellige Propaganda schwingt leider viel zu oft mit. Den Rekruten wird beim Gelöbnis sogar manchmal befohlen, am Gottesdienst teilzunehmen, obwohl so ein befehl verboten ist.

Teilweise hat man sogar Nachtteile bei der Wohnungssuche, wenn die Wohnungen der Kirche gehören. Ein Kamerad von mir musste sogar extra in die Kirche eintreten, um sein Traumhaus kaufen zu können :vogel:

Man kommt nicht umhin zu sagen, Menschen, die nicht einer der großen Kirchen angehören, haben in Deutschland einige Nachteile hinzunehmen. Dieses Umstand prangere ich an, den er ist mit unserer Verfassung nicht vereinbar.
 
@Weasel: Du hast wirklich recht, dass man die Kirche als Institution kritisieren kann/soll/darf/muss. Da ist auch nichts gegen einzuwenden, da bin ich dann in großen Teilen ganz bei dir. Man muss auch klar zwischen Glaube und Kirche unterscheiden, aber wie wir beide wissen ist das im Internet praktisch nicht möglich.

Ich hatte hier wieder einen längeren Text geschrieben, aber wieder gelöscht...
 
@Weasel: Ja, das habe ich gemerkt, finde ich auch gut :)

Ich habe aber keine Lust drauf mich dem wütenden Mob hier zum Fraß vorzuwerden ;)
Kritik an der Kirche ist "in", ob berechtig oder nicht ist egal. Positives schreiben wäre quasi öffentlicher Selbstmord :ugly: Also lasse ich es.
Zumal ich auch keinen Grund dafür habe, bitte nicht vergessen. Ich muss hier nichts verteidigen da es dafür keine persönlichen Gründe gibt. Ich bin kein Gemeindemitglied, bei der Kirche aber glaube ich schon. Wissen tu ich das allerdings nicht. Auf der Lohnsteuerkarte steht auch nichts, weil mein Verdienst zu gering ist (Mein Gehalt besteht quasi nur aus einem Stipendium...)


Urgs schrieb:
Warum will man als Atheist sein Kind in eine katholische Kita geben? :schreck:
Wahrscheinlich weil man oft keinen anderen in der Nähe hat. Das gibt es wohl leider viel zu oft...
 
Urgs schrieb:
Warum will man als Atheist sein Kind in eine katholische Kita geben? :schreck:

Ich will einfach die freie Entscheidung zwischen allen Kitas haben und nicht ein Drittel von vorneherein ausschließen müssen, zumal dieses Drittel von meinen Steuergeldern bezahlt wird.

@ MouseMan: Du bist Mod, wovor hast du Angst? Du kannst jeden kicken, der was gegen dich schreibt :lol:
 
Weasel1988 schrieb:
Ich will einfach die freie Entscheidung zwischen allen Kitas haben und nicht ein Drittel von vorneherein ausschließen müssen, zumal dieses Drittel von meinen Steuergeldern bezahlt wird.

Und das deinem Kind von früh an dort ein religiöses Weltbild vermittelt wird, ist dir dann egal? Seltsame Ansicht.
 
Weasel1988 schrieb:
Ich zitiere mich mal selbst:

Weasel1988 schrieb:
Marcello schrieb:
Wenn du nicht in der Kirche sein willst, dann trittst du aus und die Sache ist gegessen.

Und genau da irrst du dich. Meine Frau und ich sind beide aus der Kirche ausgetreten. Was glaubst du, wie leicht es für uns wird, einen Kindergartenplatz für unser Kind zu bekommen, wenn die Hälfte der Kindergärten in katholischer Trägerschaft sind und die katholische Kinder vorziehen. Daneben gibt es bis heute Schulen, die vorschreiben, dass die Kinder katholisch oder evangelisch sein müssen, um dort angemeldet werden zu können (+ ein Elternteil). Auch Jobtechnisch ist man benachteiligt, weil der zweitgrößte Arbeitgeber Deutschlands mich niemals einstellen würde.

Wenn es nur so wäre, das mich das nichts angehen würde.

Darüber hinaus werde ich als Soldat der Bundeswehr ständig mit der Militärseelsorge konfrontiert, die komplett von den beiden großen Kirchen gestellt wird, aber vom Militär bezahlt. Mir wird befohlen, an Fahrten zu katholische Wallfahrtsorten teilzunehmen und mir Unterrichte von Pfarrern anzuhören. Diese sollen seit einigen Jahren zwar keine Werbung mehr tragen, sondern bloß von Themen wie Ethik etc handeln, die die unterschwellige Propaganda schwingt leider viel zu oft mit. Den Rekruten wird beim Gelöbnis sogar manchmal befohlen, am Gottesdienst teilzunehmen, obwohl so ein befehl verboten ist.

Teilweise hat man sogar Nachtteile bei der Wohnungssuche, wenn die Wohnungen der Kirche gehören. Ein Kamerad von mir musste sogar extra in die Kirche eintreten, um sein Traumhaus kaufen zu können :vogel:

Man kommt nicht umhin zu sagen, Menschen, die nicht einer der großen Kirchen angehören, haben in Deutschland einige Nachteile hinzunehmen. Dieses Umstand prangere ich an, den er ist mit unserer Verfassung nicht vereinbar.

Hm okay, du schlägst dich da mit sehr speziellen Problemen rum. Ich bin auch aus der Kirche ausgetreten und habe dadurch keinerlei Nachteile. War auch beim Bund und hatte nie Kontakt mit der Kirche dort. Bei der Wohnungssuche (ich bin seitdem ich alleine wohne drei Mal umgezogen) und bei Vorstellungsgesprächen hat mich bis jetzt niemand nach meiner Religion gefragt. Habe von solchen Fällen auch nie gehört. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass bei Kitas die Religion angegeben werden muss, aber keine Ahnung.
 
1. habe ich es auch geschafft, trotz katholischem Kindergarten, katholischer Grundschule und katholischem Gymnasium (Gott, meine Eltern haben mich wirklich gehasst :twisted: ) mein jetziges Weltbild zu etablieren.

2. werde ich mich mit meinem Kind beschäftigen und auch schauen, was es im Kindergarten oder der Schule lernt und dies kritisch hinterfragen.

Und drittens, und das ist der wichtigste und eigentlich Punkt, geht es hier ums Prinzip. Es geht um Einrichtungen, die mit öffentlichen Mitteln finanziert werden, mein Kind aber ausschließen als wärs ein verdammter Pestkranker im Mittelalter.


@ eape: Es ist leider so. Eine katholische Kita will die Religionszugehörigkeit der Eltern und des Kindes wissen. Keine Arme keine Kekse quasi.
 
ich bin evangelisch getauft und war in nem katholischen Kindergarten und musste nicht mit Weihrauch durch die "Kuschelecke" flanieren

und auch sonst wurde mir von den Erzieherinnen keine Gehirnwäsche verpasst :roll:
 
Weasel1988 schrieb:
1. habe ich es auch geschafft, trotz katholischem Kindergarten, katholischer Grundschule und katholischem Gymnasium (Gott, meine Eltern haben mich wirklich gehasst :twisted: ) mein jetziges Weltbild zu etablieren.

2. werde ich mich mit meinem Kind beschäftigen und auch schauen, was es im Kindergarten oder der Schule lernt und dies kritisch hinterfragen.

Und drittens, und das ist der wichtigste und eigentlich Punkt, geht es hier ums Prinzip. Es geht um Einrichtungen, die mit öffentlichen Mitteln finanziert werden, mein Kind aber ausschließen als wärs ein verdammter Pestkranker im Mittelalter.

Das erklärt natürlich einiges! :grins:

Nee, also ich war damals, als wir für Aaron ne Einrichtung gesucht haben, in ner evang. Kita. Da sagte man mir wortwörtlich: "Das erste Jahr lassen wir die Kinder noch in Ruhe, aber danach kommen sie 1-2 Mal die Woche hoch zur Diakonisse! :staun:

Ich hab mir dann die Bilder angeschaut, die die Kinder malen mussten. Bilder vom Abendmahl und darüber fromme Sprüche geschrieben, zwar in Kinderschrift geschrieben, aber den Kindern quasi diktiert, weil von allein kommt ein Kind darauf nicht. Dazu dann das tägliche, religiöse Prozedere, ständig den lieben Gott mit ins Spiel bringen, beten vor der Mahlzeit etc.

Für mich war schnell klar, dass ich meinem Sohn das nicht antun werde. Wenn er sich später mal selbst für Gott entscheidet, ist das okay (so wie bei den Babtisten z.B), aber so nicht. Meine Frau hat das selbst nicht so eng gesehen, aber mein Veto hat gereicht und ich bin heute noch froh darüber.

Und das du, als bekennender Atheist so etwas in Kauf nimmst, weil du glaubst du könntest da privat gegensteuern (was ja für das Kind noch ein zusätzlicher Stressfaktor ist), schockiert mich ehrlich gesagt.

Im übrigen würde ich durch diese Erfahrung nicht sämtliche christliche Kitas verdammen, nur weil ich damit nichts anfangen kann. Es gibt auch genügend freie Träger, die ne Schiene fahren, mit der ich nicht Konform gehe. Das ist eben eine Vielseitigkeit, die ich eher noch stärker gefördert sehen möchte.
 
Ich habe auch mal etwas gegooglet und es scheint keine Probleme zu geben, wenn man sein Kind auf eine katholische Kita schicken will. Das gleiche gilt für katholische Schulen. Katholische Kinder werden wohl bevorzugt, aber nach etwas Recherche sieht es so aus, als würde es meistens klappen. Kein Wunder. Immerhin treten immer mehr Menschen aus der Kirche aus.
 
eape schrieb:
Ich habe auch mal etwas gegooglet und es scheint keine Probleme zu geben, wenn man sein Kind auf eine katholische Kita schicken will. Das gleiche gilt für katholische Schulen. Katholische Kinder werden wohl bevorzugt, aber nach etwas Recherche sieht es so aus, als würde es meistens klappen. Kein Wunder. Immerhin treten immer mehr Menschen aus der Kirche aus.

Natürlich ist es so, weil die Kitas ein Aushängeschild für die Religionsgemeinschaften sind. Aber wo natürlich ein Mangel herrscht, wird man immer erstmal die eigenen Leute bevorzugen. Das liegt aber in erster Linie am Markt und nicht an den Einrichtungen.
 
Ich kenne leider genügend Gegenbeispiele. Hier im Ort gibt es zum Beispiel eine katholische Schule mit 0% Ausländeranteil trotz einer hohen Ausländerrate (vor allem Muslime) hier in der Gegend. Frag dich mal warum...

Es geschiet auch nicht offiziel, es werden eben nur erst einmal alle mit der richtigen Religion bevorzugt. Gerade bei Kitas kann man es dann eh vergessen, wenn man ganz unten auf die Liste rutscht.

Einige Schulen aber wie z.B. die oben erwähnte wollen aber noch ganz offiziell, dass das Kind und ein Elternteil einer der großen Kirchen angehören. Krass auch, dass dort im Religionsunterricht ausschließlich das Christentum durchgenommen wird und wenn ein Schüler mal nach einem Brauch in einer anderen Religion fragt, kommt als Antwort "das steht nicht auf dem Lehrplan". Ich kenne einige Schüler und auch einen Lehrer von dort. Das sind echt Verhältnisse wie im Mittelalter...und wie gesagt, dass alles finanziert mit unseren Steuergeldern!


@ Urgs: Ich würde nicht aktiv Gegensteuern, weil ich mein Kind nicht mit meinem Weltbild indoktrinieren will. Es soll sich sein eigenes schaffen. Ich würde aber mit meinen Kind über das Sprechen wollen, was es in solchen Institutionen lernt und mich nach seiner Meinung erkundigen und diese kritisch mit ihm diskutieren. Ich meine, was soll ich machen? Meine Frau und ich sind beide Berufstätig und wir sind finanziell nicht auf dem Level, dass sie mal eben die nächsten 6 Jahre zu Hause bleiben kann. Hier im erreichbaren Umkreis gibt es bloß eine nicht-kirchliche Kita und es ist dank der begrenzten Plätze schon ein Glücksfall gerade dort unterzukommen.
 
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