Ich hab so einen Typen in der Klasse, der läuft ständig in Arbeitsklamotten rum. Aber ziemlich ordentlich, mit Zunfthose, Pullunder etc. Meistens muss er nach der Schule noch auf Baustellen. Da er aber Botschaften etc. unter seinen Fitischen hat, muss er da halt auch eine gewisse Ordentlichkeit an den Tag legen. Der Typ ist jedenfalls ziemlich unverwechselbar, mit seiner Schiebermütze, den Klamotten und seinen Bart. Der lebt für seine Firma, dachte ich bisher.
Jedenfalls hat er heute erzählt, dass er schon seit etlichen Jahren für die Winterzeit nach Andalousien (?) fliegt, um dort auf ner Straussenfarm zu arbeiten. Er hat da nen alten, klapprigen Jeep und muss dann die Zäune der Farm reparieren. Viel zutun hat er da nicht, aber die müssen halt so nen Typen haben. Dafür lebt er da umsonst, kriegt so um die 2000 Euro dafür und den Flug kriegt er auch bezahlt. Den deutschen Winter hat er schon seit Ewigkeiten nicht mehr miterlebt.
Zuhause wohnt er in einer viel zu großen Wohnung in Friedrichshain, die er stets nur an junge hübsche Frauen untervermietet. Das sind meistens Studentinnen die im Schnitt ein halbes Jahr bleiben. Mit den Untermieterinnen fängt er in der Regel nix an, aber die schleppen halt auch ständig hübsche Freundinnen an. Selbstredend, dass er das alles mit einen adäquaten Grinsen erzählte. Die Frauen finanzieren ihm jedenfalls die Wohnung und halten sie auch sauber! Er hat nen alten, günstigen Mietvertrag.
Seine ganze Kohle investiert er in sein Hobby, amerikanische Oldtimer. Da hat er auch ne große Garage, wo die Dinger stehen und an den Wochenenden fährt er dann zu Oldtimertreffen, um sich dort mit den Boxenludern zu amüsieren. An festen Beziehungen hat er überhaupt kein Interesse.
Fand ich irgendwie interessant und amüsant, wie andere ihre Leben so leben.