Ich hab hier letztens ja auch geschrieben, dass es mich bei manchen Leuten nervt, wenn die schon geimpft werden, während ich noch warten muss. Für assozial halte ich mich aber nicht. Assozial wäre ich, hätte ich mich die letzten 14 Monate nicht an die Beschränkungen gehalten, hätte ich nicht brav alle Kontakte vermieden und hätte ich nicht ausnahmslos alles getan, um die Pandemie auf keinen Fall zu befeuern usw.
Nach so langer Zeit, mit sovielen Einschränkungen und mit zwei kleinen Kindern, die unter den Kontaktbeschränkungen leiden muss man auch mal sagen, was einen stört, denke ich. Ich weiß selber, dass es mir nicht besser oder schlechter geht, wenn der dicke Nachbar aufgrund seines BMI vor mir die Impfung bekommt. Und das ist auch völlig ok, jede Impfung zählt, und ich bin um jede Impfung froh. Nichtsdestotrotz bin ich tierisch genervt. Es ist ja nicht mal das Impfen an sich. Dass das teilweise unfair sein würde, war mir klar.
Irgendwie kommts mir aber vor, als müssten wir Eltern einfach nur alles schlucken, was einem vorgesetzt wird. Bleib zuhause, schränk dich ein, unterrichte dein Kind zu Hause, setze alle deinen Urlaub ein, um Schulschließungen und Wechselunterricht aufzufangen, arbeite weiter, halt dein Maul, schick deine Kinder in eine Schule, der außer Lüften bis heute nix in Sachen Gesundheitsvorsorge einfällt, und warte gefälligst, bis du mit dem Impfen dran bist. Hier, haste Astra Zeneca, eigentlich sollen das nur Leute Ü60 nehmen, aber was solls. Und damit du zufrieden bist, verkürzen wir noch die Zeit zwischen den Impfungen, scheiss auf die Wirksamkeit. Und bis Ende Sommer haben 'alle' ein Impfangebot? Klar, alle, außer natürlich Kinder und Jugendliche. Die zählen ja auch nicht.
Es ist einfach ein Kommunikationsdesater.