Ich hab mir gestern die PK von Merkel, Söder und Müller angeschaut. Auch danach noch Maischberger, obwohl das nicht so mein Fall ist.
Wenn man mal von der teilweisen Untergangs-Rhetorik von Söder absieht, hat man gemerkt, wie nervös man in Berlin ist. Davon ausgehend, dass da nicht 17 Volltrottel*innen sitzen, die unser Land absichtlich gegen die Wand fahren wollen, stimmt einen sowas schon nachdenklich.
Und es ist wie es dort auch wieder gesagt wurde. Man muss nur einmal kurz über die Grenzen schauen, dann sieht man mehr als deutlich, was passieren wird (nicht kann), wenn falsche Entscheidungen getroffen werden, wenn sie zu spät getroffen werden, wenn sich die Leute nicht an Regeln halten.
Bei der Maischberger kam dann auch wieder Streeck zu Wort. Der Mann macht es mir nicht leicht, ihn zu mögen. Mit Sätzen, dass man die Infiziertenzahlen nicht isoliert betrachten soll, hat er natürlich recht. Was mir aber immer wieder auffällt ist, dass er bei seiner Kritik über den politischen Umgang mit der Pandemie selbst politisch wird, er aber dann selbst nie Lösungsansätze bietet. Bei einem Nachlauf von mindestens 10 Tagen kann die Politik nicht mit Entscheidungen warten, bis die Intensivbetten im kritischen Bereich sind. Die Politik muss das vorher schon verhindern. Und getroffene Massnahmen haben einen Vorlauf von 10 Tagen. Wir reden also von knapp drei Wochen, in denen falsche Entscheidungen fatale Auswirkungen haben können. Man hat es im Frühjahr gesehen, was wenige Tage Versäumnis bewirken können.
Ich finde es auch moralisch bedenklich, gut gefüllte Intensivbetten als Indikator für praktikablen Umgang mit der Pandemie zu betrachten. Da liegen Menschen in diesen Betten.
Spät- und Langzeitfolgen, die auch bei asymptomatischen Verlauf zu befürchten sind, mal ganz ausgeklammert.
Vor allem, wenn mehr Corona-Patienten in den Krankenhäusern liegen, dann fehlen diese Kapazitäten wieder für andere Patienten. Dann heisst es wieder, dass OPs verschoben werden müssen, usw.
Und: wir haben zwar genügend Betten, aber will sich jemand wirklich vorstellen was passiert, wenn die mal nur ansatzweise wirklich belegt sind?
Und die Gesundheitsämter sind jetzt schon auf Anschlag. In Holland (oder war's Belgien?) musste die Kontaktverfolgung bereits abgebrochen werden.
Daher finde ich es immernoch richtig, dass die Politik den worst case im Vorfeld verhindern möchte. Je niedriger wir das Level halten, umso besser kommen wir alle durch. Umso besser kommt unsere Wirtschaft durch (gestern wurde mal darauf eingegangen, wieviel Leistung dem Land und den AGs durch jeden Tag Quarantäne fehlen). Umso besser kommt unser Bildungssystem durch.
Ich wurde gestern das Gefühl nicht los, dass die politischen Kompromisse die getroffen wurden, nicht das Ende der Fahnenstange waren, was eigentlich getan hätte werden müssen.