http://spielverlagerung.de/2012/10/22/borussia-dortmund-fc-schalke-04-12/
..
Fazit
Klopp hat sich verzockt. Es gibt selten Spiele, in denen taktische Entscheidungen so klar ein Spiel entscheiden, noch seltener trifft das im negativen Sinne auf Entscheidungen des Dortmunder Trainerteams zu, aber hier gab es einmal ein Prachtexemplar eines taktischen Fehlschlags. Die Umstellung auf 3-5-2 funktionierte schlecht, nach der Rückumstellung griff das 4-2-3-1 nicht in der gewohnten Souveränität. Beides mag teilweise auch an personellen Problemen hängen, aber üblicherweise vermag es der BVB bedeutend besser, Ausfälle mit kleinen Maßnahmen beinahe auf Unmerklichkeit zu kompensieren. Hier hatte man eine schwerwiegendere Idee und diese ging nicht auf.
Nicht nur wegen der taktischen Geschichte war es schlussendlich ein ausgesprochen ungewöhnliches Spiel. Am Ende standen auf beiden Seiten 8 Schüsse, von denen jeweils 4 auf’s Tor gingen. Insgesamt sehr ungewöhnlich niedrige Zahlen, die auf die guten Defensivleistungen hindeuten – obwohl beide Mannschaften im Pressing phasenweise Probleme hatten.
Schalkes Sieg ist am Ende ein Sieg der Sicherheit und Konstanz. Sie versuchten zu keinem Zeitpunkt spektakuläre Sachen, sondern hielten sich an eine wenig risikoreiche Spielweise, die auf Stabilität auf den Flügeln und sehr kontrollierter Fluidität im Zentrum basierte. Wie schon gegen Wolfsburg konnte man damit die schwach definierte gegnerische Anpassungsidee schlagen.
Dennoch möchte ich – wenn wir schon mal auf einem Taktikblog sind – einen letzten Kommentar zur Taktikänderung anfügen: Man sollte Klopp – genau so wie Löw für das Italien-Spiel – nicht wegen des reinen Versuches einer Taktikumstellung kritisieren. Dass der Mannschaft damit ihre Stärken und ihre Sicherheit geraubt werden, ist eine regelrecht klugscheißerische Argumentation, denn natürlich wissen die Trainer um dieses Risiko, wenn sie so eine Entscheidung treffen. Eine Änderung der Taktik geschieht unter der Überzeugung, dass die taktischen Vorteile die sonstigen Probleme und Risiken aufwiegen, und es gibt zahlreiche Beispiele, bei denen solch ein Wechsel ein Spiel für eine Mannschaft gewonnen hat – zuletzt beispielsweise beinahe bei Dortmunds CL-Auftritt in Manchester. Am Ende geht es also um die Umstellung selbst. Eine schlechte Umstellung ist eine schlechte Umstellung – eine Umstellung alleine darf aber noch nicht als Fehler gelten, nur weil ein Spiel verloren geht. Solch eine Sichtweise ist unprogressiv und schadet letztlich gar dem Fußball.
Die Wahl der Taktik gehört zum Sport und zum Sport gehören Fehler. Man darf einen Spieler auch für einen Fehlpass kritisieren – aber nicht dafür, dass er überhaupt versucht hat, einen Pass zu spielen.