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MOVIE Bart Wux' Filmkritiken: Heute: Steve Austin Damage

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Manchmal kommt es anders als man denkt. Nachdem die Videothek kein Medal of Honor vorrätig hatte, fiel mein Blick auf die BluRay mit StoneCold Steve Austin auf dem Cover. Erinnerungen an die Attitude Ära („Who wants a Wheelchair-Match?“) wurden wach und als auf der Rückseite auch noch The Shield erwähnt wurde, war es geschehen und keine 20 Minuten später drehte die Scheibe in meinem BR-Player. Hab ich wirklich was Gutes erwartet?

Die Story bedient sich bei Bloodsport. Ein ehemaliger Häftling kämpft für Geld in Untergrundduellen, um die Herzoperation für die Tochter des Mannes zu gewinnen, den er in Notwehr, wie sich später heraus stellt, erwürgt hat... wie kann man jemanden aus Notwehr erwürgen? Egal.

Das erste Problem ist: Steve Austin kann nicht schauspielern. Kein Stück. Genauer gesagt hat er schon so massive Probleme beim Artikulieren, dass er zum Spielen gar nicht kommt. Kaum ist sein John Brickner auf Bewährung entlassen, sucht er sich einen Job bei einem absoluten Arschloch von Vorarbeiter auf dem Bau. „Ihr Ex-Knackis seid doch alle gleich, wertloser Müll, los, arbeite schneller und don't fuck with me, ich hab doch gesagt, du sollst unten arbeiten, du bist gefeuert.“ Alles unprovoziert, versteht sich. Regelmäßig muss er sich bei seinem Bewährungshelfer im Büro melden: „Jaja, wie geht's, mir doch scheißegal, du Opfer, deine Pisse ist ok, los, raus hier, du Abschaum!“

Warum besteht das Umfeld von John Brickner aus den größten Comic-Arschlöchern des Planeten? Weil unser Protagonist ein verurteilter Totschläger ist und von Steve Austin dargestellt wird. Die einzige Möglichkeit, in ansatzweise menschlich und sympathisch rüber zu kriegen, ist ihn vergleichend neben Hitler zu stellen und genau das tun die Autoren. In Sachen Charakterisierung wird innerhalb von zehn Minuten die Bankrotterklärung abgegeben.

John stoppt sofort in einer zwielichtigen Bar, in der die knackige Frankie von halbstarken Gästen angemacht wird. Warum Frankie zu dem Zeitpunkt in der Bar arbeitet, wird nie deutlich, denn später ist nur noch an der Seite eines anderen Charakters in anderer Tätigkeit zu sehen. Mit einem schlanken Körper, aber einer prallen Oberweite stellt sie ein optisches Highlight da, geht aber nie auch nur einen Deut darüber hinaus.

John greift sofort ein und schmeißt die aufdringlichen Typen raus. Denn das machen Totschläger, das sind von Natur aus nette, hilfsbereite Kerle. Männer erwürgen sie mit bloßen Händen, aber Damen werden beschützt. Insbesondere macht es viel Sinn, wenn man auf Bewährung draußen ist, sich in Barfights zu stürzen. Und wie reagiert der Barkeeper? „Ey, absolut geil, wie du meine zahlenden Kunden verprügelst, mich um Umsatz und in die Gefahr einer Schadensersatzklage bringst, hey, sag, willst du das nicht jeden Abend tun?“

Gesagt, getan und dort trifft er auf Reno Paulsaint, einen schmierigen „Agenten“ und „Promoter“, der am ehesten eine Mischung aus Don King und Moe Syslak darstellt. Wir, die Zuschauer, treffen hier auf Walton Goggins (Shane, The Shield), der absolut aus der Reihe fällt, denn er ist der einzige im gesamten Film, der schauspielt. Nicht falsch verstehen, er spielt nicht gut, aber er spielt wenigstens. Wahrscheinlich kam er am Set an, las dort zum ersten Mal das Drehbuch, stellte fest, dass keiner der Kollegen ans Spielen dachte und schaltete daraufhin auf Sparflamme um. Das reicht natürlich immer noch dicke, um den Rest des Cast als die künstlerischen Flaschen zu entlarven, die sie sind, aber dass Goggins zweifelsfrei vorhandenes Talent hier nicht gefragt ist, wird schnell deutlich.

Das dynamische Trio schleimt sich so durch die Unterwelt, um an einem dubiosen Turnier nach dem anderen teil zu nehmen. Natürlich steht Reno, wie es sich für einen Mann seines Standes gehört, bei ausnahmslos jedem noch so kleinen Gangster der Stadt tief in der Kreide und so kommt ihm der Ex-Knacki gerade recht. Der wiederum kriegt Besuch von der Witwe seines Opfers, die Plot-Device Nr. 234B bereit hält, ein sterbendes Töchterchen mit Herzfehler, die sofort geheilt werden kann, sowie jemand Summe X auf den Tisch knallt, die nur durch Untergrundkämpfe erwirtschaftet werden kann. Nach einigem „Ich mach's nicht, ich mach's doch, ich überleg's mir“ stimmt John zu und ab geht es zum Prügeln.

Erwähnte ich vorhin Bloodsport? Das war ein bisschen hoch gegriffen. Abgesehen von Charakteren und Plot (und wenn man in den Bereichen von Bloodsport geschlagen wird, hat man eigentlich genug Probleme), steht Bloodsport vor allem in den Kampfszenen meilenweit über Damage. In Bloodsport gab es ein Dutzend Kämpfer mit den unterschiedlichsten Kampfstilen, jeder Kampf war individuell choreografiert und van Damme war auf dem körperlichen Höhepunkt und konnte dies auch zeigen. Steve Austins beste Tage waren in den 90ern und die liegen lang zurück. In Damage besteht jeder Kampf aus dem Austauschen von rechten und linken Haken sowie Nahaufnahmen von blutigen Gesichtern, die im Anschluss in medizinisch abenteuerlicher Art und Weise von unserem Eye-Candy zusammen geflickt werden. Große Männer kloppen sich brutal die Schädel ein. Das mag ja realistischer sein als van Dammes Verrenkungen, aber dafür muss ich mir keinen Film ausleihen, wenn ich das sehen will, kann ich mich in der großen Pause auf jeden großstädtischen Schulhof stellen.

Mit einem wertlosen Skript und Nicht-Schauspielern in allen Rollen bis auf eine kann auch der beste Regisseur nichts anfangen. Den besten haben wir aber nicht und so beschränkt sich die Kameraarbeit auf „Jetzt die Kamera auf den, der gerade spricht/schlägt/blutet.“ Der stetige rechts-links-rechts Wechsel fällt auf und wirkt dilettantisch, geradezu irritierend. Dies gilt vor allem für die ruhigen Szenen, in denen keine Blutfontänen für Ablenkung sorgen.

B-Movie hin, C-Movie her, aber beim Betrachten von Damage wird man das Gefühl nicht, dass sich die gesamte Produktion, Autor, Regisseur, Darsteller, Cateringservice, der kollektiven Arbeitsverweigerung schuldig gemacht hat, mit Walton Goggins als Streikbrecher. Es hat einen Grund, warum der Name Steve Austin weit größer als der nichtssagende Titel des Films auf dem Cover prangert. Erinnert ihr euch an die Einleitung? Wie bin ich auf den Streifen aufmerksam geworden? Gratuliere, Marketingabteilung, ihr habt als einzige euren Gehaltsscheck verdient. Ihr und Walton Goggins.
 
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