Obendrein macht man generell immer das Gleiche. Die haben sich zwar bemüht, viele verschiedene Szenarien zu kreieren, aber unterm Strich läuft es in 9/10 Fällen auf die gleiche Vorgehensweise raus. Es gibt keine Möglichkeit - wie bei Hitman - Unfälle zu inszenieren (dabei gibt es sogar einen Auftrag, wo man die Ziele ohne Waffen ausschalten soll, aber dann metzelt man sie doch wieder ab). Verkleiden ist ja auch nicht...also turnt man zum Ziel, zückt den Giftdolch, streichelt das Ziel damit und geht anschließend weg. Eventuell ist man ganz clever und heuert vorher noch Schläger an, die einen Aufruhr verursachen, falls man nicht gesehen werden soll. Und das war's dann.
Generell wurde uns da von Ubisoft mal wieder eine ziemliche Mogelpackung untergejubelt. Von wegen, die Macken des Vorgängers wären beseitigt und das repetive Gameplay wurde krass diversifiziert. Hallo? Ich verbringe 90% der Zeit damit, auf Dächern rum zu turnen, oder bekloppte Türme hoch zu klettern (schön, dass die Erbauer der späteren Ortschaften ein Herz für Freeclimber hatten und die Kletterrouten auf die Türme komplizierter gestaltet haben, so dass man NOCH MEHR Zeit sinnlos mit Klettern verbringt, nur um dann in den obligatorischen Heuwagen zu hechten).
Die Attentate fallen aus den genannten Gründen auch immer gleich aus. Entweder habe ich ein Gemetzel, oder ich mache alles per Gift klar. Muss ich irgendwo unerkannt rein, steht garantiert in der Nähe eine Horde Nutten oder Schläger rum, um mir das zu ermöglichen. Anschließend immer gerade über die Dächer fliehen und schwupps...entkommen.
Oh, danach muss ich meinen Fahndungslevel senken, indem ich Suchplakate entferne, die ohnehin nur ich erreichen kann. Ja, so sucht man einen Verbrecher - indem man die Bilder dahin hängt, wo sie das Fußvolk nicht sehen kann. Nyahaha!
Was haben wir noch?
- Auftragsattentate, die sich genauso spielen wie die Story-Missionen. GROSSES Kino!
- Rennen...the fuck? Ich renne schon die ganze Zeit durch die Stadt. Was soll ich da noch mit zusätzlichen Parcours-Missionen?
- Schlägerei. Geil! Wenn ich sowas will, kann ich die nächstbeste Wache angreifen. Wieso sollte ich mich da mit untreuen Ehemännern klopfen?
- Wirtschaftssystem...bitte was für ein System? Ich kriege pro Mission 'nen Haufen Geld in den Arsch geblasen und kann mir dafür Waffen, Rüstung und 'ne schöne Stadt kaufen. Na wenn das mal nicht Overkill ist. Ja, das mit der Stadt ist nett und nein, die Zeit, die ich verschwende, um immer zu der blöden Truhe zu rennen, macht das alles wieder kaputt
- 3 Mio Federn auf Dächern finden. Fickt euch doch einfach selber. Fällt euren Entwicklerhirnen nix besseres ein, als jedes Mal in einem Open World Spiel die Nadel im Heuhaufen suchen zu lassen?
- Statuen finden, Glyphen finden...siehe die Ausführungen über Federn.
- Ab und an mal 'nen Borgia-Kurier umtacklen und sich etwas Kohle dazu verdienen. Oioioioi...
- Leute ausrauben...für 2,50 und 'ne Kippe. NEIN! SPASS!!
Die Kämpfe sind auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Ezio ist ein Meister der Konter und die sehen auch wirklich schön martialisch aus. Ergo kann man entweder das Spiel so spielen, dass man immer rumsteht und darauf wartet, dass der nächste Gegner angreift, oder man versucht es selber und dann sieht es so aus, als würde Ezio nach der Don Alejandro de la Vega-Methode verfahren: Das spitze Ende geht in den anderen rein.
Jedenfalls sieht es dann so aus, als würde er mit 'nem Fleischerbeil auf die Gegner einhacken. Von Eleganz keine Spur. Hallo? Vielleicht hätte man hier mal ein paar Moves mehr einbauen können. Und kommt mir jetzt nicht mit der hirnverbrannten "Marionetten"-Steuerung. Die taugt rein gar nix. Bevor ich die Wachen greife und ihnen einen Headbutt verpasse, haue ich ihnen lieber einen Konter um die Ohren.
AC2 ist hochgradig repetives Gameplay, welches nur geschickter verpackt wurde. Egal, wo man ist, es spielt sich immer gleich. Sicher ist das irgendwo auch dem Szenario geschuldet. Ein Hitman muss sich nun mal nicht immer vorstellen und dem Opfer ein "Ruhe in Frieden" an den Kopp knallen (witzig auch, dass diese Szenen IMMER abgespielt werden, egal wo ich mich zum Todeszeitpunkt des Opfers befinde). Aber wenn das die große Verbesserung gegenüber Teil 1 sein soll, dann will ich den gar nicht erst zocken
Atmosphärisch ist das Spiel auf jeden Fall sehr gelungen (abgesehen von der hochgradig überflüssigen Animus-Scheiße, die störender nicht sein könnte). Abzüge gibt es hier lediglich, weil es im Grunde keinen Unterschied zwischen dem Tages- und Nachtleben einer Stadt gibt. Ein dreifaches FU geht zudem an die bescheuertem Barden, die sich immer vor einen drängeln müssen und sich noch nicht mal beiseite schieben lassen. Nein, man muss ihnen die Gitarre aus den Händen rempeln, damit sie abhauen. Toll, liebe Designer. Ezio kann Leute sanft schieben, was eine sozial unauffällige Handlung ist. Aber die EINZIGEN NPCs, bei denen man diesen Move wirklich BRAUCHT - da ist er natürlich nicht vorgesehen. Wie blöd kann man eigentlich sein?
Die Story ist auch ganz okay und nett präsentiert, ohne dass das jetzt irgendwas weltbewegendes wäre. Sorry, aber nach einem Uncharted 2 kann ich nur müde lächeln, wenn ich die Sequenzen eines AC2 sehe. Letztendlich sind es aber die Atmo und die Story, die mich bei dem Spiel bei der Stange halten. Das Szenario (Renaissance) ist eben sehr frisch und wurde auch gut eingefangen. Würde die beiden Punkte nicht stimmen, hätte ich es schon längst zurück gegeben.