Wanderlust Staffel 1 (Netflix/BBC)
Eigentlich wollte ich ja nicht's mehr bis
Narcos: Mexico gucken. Trotzdem habe ich in
Wanderlust reingeschaut, weil ich gedacht habe, dass es sich hier um eine kurze Dramedy mit 30-Minuten Folgen handelt, die man eben schnell weghauen kann. Nachdem Netflix's
Love ja vor einiger Zeit zu Ende ging, habe ich bisher keinen wirklichen Ersatz gefunden, der mich auf die selbe Art und Weise unterhält und manchmal sogar mitnimmt. Dann kam Wanderlust.
In der Serie geht es um ein Ehepaar (gespielt von Toni Collette und Steve Mackintosh), welches sich in einer Beziehungskrise befindet. Er, Lehrer, und Sie, Therapeutin, machen dann einen Packt, wo sie mit anderen Leuten schlafen dürfen, weil es zwischen ihnen auf sexueller Ebene nicht mehr allzu gut funktioniert. Nun versuchen sie mit der Situation zu Leben, während aber alte Wunden aufgerissen werden.
Das hört sich alles so unglaublich generisch an, ist aber tatsächlich überraschend erwachsen und konsequent in der Ausführung. Die Serie ist teilweise wirklich witzig, häufig genug aber immer noch ihrer Ernsthaftigkeit bewusst. Es gibt Momente und Szenen, die tun beim zugucken schon fast weh. So wird sich gefühlt eine halbe Ewigkeit angeschwiegen und der Zuschauer sehnt sich förmlich nach dem Schnitt zur nächsten Szene. Nicht, weil es langweilig ist, sondern, weil es so unangenehm ist. Jeder war sicher schon mal in einer ähnlichen Situation, was das ganze nochmal etwas schlimmer macht.
Beide Darsteller machen ihren Job wirklich hervorragend. Vorallem Toni Collette blüht förmlich auf, besonders in einer fast ausschließlich ihr gewidmeten Episode, welche einem Kammerspiel nicht unähnlich ist. Am Ende besagter Episode war ich emotional schon sehr ausgeschöpft.
Jede Episode ist - anders, als ich erst erwartet hatte - 55 Minuten lang. Das hat mich erst abgeschreckt, weil Netflix nicht unbedingt den besten Trackrecord hat, was überlange Dramen angeht, aber ich hatte auch hier kaum bis gar nicht das Gefühl, dass gerade mehr erzählt wird, als nötig. Es lies sich überraschend gut gucken.
Ein weiterer Aspekt, der mir gefallen hat, ist der Soundtrack bzw die benutzt der Songs. Auf dem ersten Blick wirkt dieser sehr inflationär eingesetzt, aber da steckt etwas mehr bedacht hinter. Vorallem im Bezug auf Toni Collette's Charakter ist ein gewisses Leitmotiv zu erkennen.
Schöne überraschung für mich.