Mensch, ich kann es immer noch nicht fassen, aber das ist ein richtig guter Ego-Shooter. Bin nun in Episode 6 und es wird immer besser. Da sieht man wieder deutlich, dass weniger manchmal mehr ist. Anstatt das Action-Pedal ständig bis zum Bodenblech durchzudrücken und immer nur größer, weiter, lauter werden zu wollen (wie es die beschämenden Kampagnen der letzten Battlefields und CoDs versucht haben), wird hier eine vernünftige Geschichte ausgewogen erzählt. Natürlich ist sie angefüllt mir altbekannten Genremustern und Klischees, aber hey, immerhin gibt es Charaktere, die mehr als zwei pseudo-dramatische Kriegsausrufe formulieren können und Entwicklungen, die vielleicht nicht nach Innovation schreien, jedoch auch nicht schlechter sind als in 'ner handelsüblichen US Krimiserie.
Richtig gut gefallen mir auch die abwechslungsreichen Settings und Spielelemente - wie das stürmische Einkaufszentrum oder die Flucht (s. Screens). Und weil sie eben nicht auf Teufel komm raus auf maßlos übertriebene Michael Bay'sche Hirn-aus-Action setzen, funktionieren die explosiven Momente und stimmungsvollen Action-Situationen dann auch gleich viel besser. Sehr angenehm sind ebenfalls die übersichtlich im Level positionierten Gegner. Anstatt mir in einem weitläufigen Schlauch hunderte Anspruchs-Bremsen vorzusetzen, die womöglich noch unendlich lange spawnen, wenn ich kein bestimmtes Script auslöse, gibt es hier einen offenen Levelbereich mit einer bestimmten Anzahl Gegner, die ich vorher auskundschaften darf. Die künstliche Intelligenz hält sich dabei zwar in Grenzen, aber immerhin darf ich mich frei bewegen und (weitgehend) selbständig entscheiden wie ich vorgehen möchte.
Klar, das gab's beim letzten Wolfenstein, jedem Halo und vielen anderen Shootern auch. Ist keine neue Erfindung von Battlefield und sollte deswegen auch nicht überbewertet werden. Aber für die Battlefield-Reihe, die mich seit zwei Teilen für US-patriotisch, dumm und anspruchslos erklärt, ist das einfach ein gewaltiger Fortschritt. Ist nicht so offen und humorvoll wie Bad Company, macht (auf eine andere Art) aber fast so viel Spaß wie damals. Ich bin wirklich positiv überrascht. Gutes Spiel. Multiplayer macht auf den ersten Blick auch einen guten Eindruck. Die klassischen Spielmodi bieten bekannte BF-Action auf weitläufigen Maps (inkl. gewohnt nerviger Scharfschützen-Lamer - ein Grund weswegen ich BF kaum mehr im MP spiele) und die neuen sorgen für erfrischende Abwechslung. Den Modus mit den Fahrzeugen (also dieses 'King of the Auto', vergessen wie der heißt) fand ich beispielsweise schon mal sehr kurzweilig und nett.
Wahnsinn, ein Battlefield, das im Multiplayer gewohnt gute Standards plus einige Neuerungen bietet - online, wenn man drauf steht, also wie immer Laune macht - und sogar im Singleplayer überzeugt.
Anbei noch zwei Screens, die die gelungene Stimmung zeigen - wäre da nicht die komplett fehlende Kantenglättung, wäre das Spiel sogar richtig hübsch anzusehen. Im Zweiten erkennt man auf der Karte auch die halbwegs offenen Level. In dem (meist großzügig) eingegrenzten Bereich kann man sich frei bewegen und es werden sogar die Sichtfelder der Gegner angezeigt. So kann man sie umgehen, ablenken (per Patronen-/Steinwurf wie in Far Cry) und friedlich verhaften. Erinnert in seinen besten Momenten daher sogar eher an ein (weichgespültes) Splinter Cell als an Battlefield. Wobei eben auch (fast) immer die Möglichkeit besteht, einfach die dicke Knarre auszupacken und die bösen Buben ganz einfach über den Haufen zu schießen. Mehr will ich doch auch nicht! Eigene Entscheidungen treffen und selbständig zielen müssen, bisschen Story, gute Inszenierung und für MP-Freunde noch reichlich Onlinezeugs - fertig ist der gute Ego-Shooter. Dass dafür extra ein anderer Entwickler kommen musste...