Nett. Wirklich nett, das muss man sagen. Natürlich in Sachen Optik und Präsentation kein wirklicher Gegner für SSF IV, Virtua Fighter 5 oder Soul Calibur 4 (mit Tekken kann es mithalten) und spielerisch ist es auch eher simpel gehalten. Aber es macht Spaß. Die DC-Recken wurden richtig klasse implementiert und bieten zum Teil echt tolle Aktionen (Joker, Flash etc.).
Größte Stärke ist der Story-Modus, der in dieser Qualität bei BEUs einzigartig ist. Natürlich ist die Story nicht in dem Sinne GUT. Die Verschmelzung beider Universen ist ziemlich hanebüchen, schlägt aber den Müll anderer BEUs um Längen. Das Ganze wird in schönen Cutscenes erzählt, wobei für jedes Lager eine eigene Geschichte vorhanden ist. Der Clou und gleichzeitige Knackpunkt ist der, dass es eine Story für alle gibt. Die einzelnen Kapitel widmen sich immer einem anderen Charakter, sind aber nahtlos miteinander verbunden. Die Krux daran ist, dass man alle naselang einen neuen Kämpfer vorgesetzt kriegt, den man schlicht und ergreifend nicht beherrscht, was dann regelmäßig in "Fresse dick" resultiert.
Abhilfe schafft hier der sich selbst regulierende Schwierigkeitsgrad - ein Punkt, den sich andere BEUs zum Vorbild nehmen dürfen. Je öfter man verliert, desto schwächer wird der Gegner, bis er irgendwann nur noch unbedeutent aktiver ist als der Trainingsdummy. Somit bleiben Seth-Marathons, wo man nach 20 Versuchen einfach nur noch die Schnauze voll hat und irgendwen ermorden will, aus. Dafür gibt es ein ganz dickes Lob!

Nach 2-3 Stunden hat man dann die Geschichte einer Seite durch (will heißen, nach 4-6 Stunden hat man beide gesehen). Da bleibt dann noch der übliche Arcade-Modus und die Kombochallenge, die zum Üben diverser kniffliger Kombos einlädt. Nicht gerade viel, zumal es außer 2 Kämpfern nix zum Freispielen gibt. Bleibt noch online, aber da dürften mittlerweile ziemliche viele Spinnweben dran sein.
Stellt sich die Frage nach der Spielbarkeit. Na jaaaaaaaaa...ist nicht wirklich der Messias unter den BEUs. Das Ganze mutet oft etwas träge an und ab und an merkt man auch, dass die Steuerung nicht wirklich punktgenau ist.
ABER: Ich behaupte mal, dass Einsteiger u.a. gerade deswegen wesentlich schneller in MK vs DC reinkommen, als das bei SSF IV oder Blaz Blue der Fall ist. Die Special Moves der Charaktere sind wirklich sehr simpel ausführbar und darüber hinaus haben sie noch eine ganze Reihe an Standardmoves und -strings, die ebenfalls leicht zu merken und auszuführen sind. Mehr als 3 Tasten sind dafür nicht erforderlich. Wenn ein BEU wirklich einsteigerfreundlich ist dann dieses.
Neu hinzugkommen sind Free Fall Fight und Close Combat. Das ist zwei Mal das gleiche Prinzip, wobei das eine beim Wechsel der Arena-Ebene geschieht und das andere mitten im Kampf abrufbar ist. Simpel gesagt, ist das ein "Simon says"-Spiel. Der Angreifer versucht mittels Tastendruck, ein paar Treffer zu landen und der Gegner muss schnell die gleichen Tasten drücken, um sich herauszuwinden. Durchaus nett implementiert, ohne dass es jetzt über die Maßen spektakuläres Gameplay wäre.
Wenn man vorhat, sich in das Gameplay reinzuknien, darf man sich gern am Combo-System versuchen. Das ist relativ offen gestaltet und lädt zum Experimentieren ein. Allerdings ist hier schon ein sehr genaues Timing erforderlich, wenn man richtig vernichtende Schlagfolgen landen will. Das ist also was für Tüftler.
Für die ganz Harten gibt es dann noch die Pro-Moves. Dabei handelt es sich um die Verkettung von Special-Moves. Um die hinzukriegen, benötigt es ein nahezu perfektes Timing. Das Ergebnis ist dann aber ziemlich spektakulär anzusehen.
Damit man nicht völlig hilflos Combos nascht (es sollen wohl sogar Infinites möglich sein), haben die Entwickler das Rage-Meter implementiert. Das ist so eine Art Superbalken, der sich während des Kampfes auflädt. Hat man genügend Energie aufgeladen, kann man einen Combo-Breaker machen. Dabei wird eine ansonsten unblockbare Combo an jeder beliebigen Stelle (gern auch in der Luft) unterbrochen (wer hätte das gedacht?). Ist die Leiste ganz voll, kann man in den Rage-Modus wechseln, wo man kurzeitig härter austeilt und auch nicht so schnell zu stoppen ist.
Unterm Strich kann man MK vs DC als Fun-Prügler bezeichnen. Es ist übersichtlich, leicht zugänglich und definitiv auf den Spaß an den Moves ausgelegt. Das hier ist kein Turnier-Prügler. Es ist nicht exakt, es hat keine 10fach verschachtelten Gameplay-Ebenen, es hat nicht die tollste Spielbalance - es geht einfach nur darum, sich kurzweilig auf die Mütze zu geben. Gut so.
Und wie schaut's aus? Nun, dank UE3 sehen wir nett ausgearbeitete Charaktere mit etlichen Details. Schön auch zu sehen, dass die Kämpfe Spuren hinterlassen (zerrissene Kleidung, Blessuren). Am besten kommen die Kämpfer beim Close Combat zur Geltung, wo die Kamera ans Geschehen zoomt.
Die Animationen sind oft etwas steif und sehen nach Puppengymnastik aus. Wieder andere kommen sehr flüssig daher. Grundsätzlich habe ich den Eindruck, dass die MK-Recken dem Animationsrecycling zum Opfer gefallen sind, während die DC-Typen von Grund auf neu gemacht werden mussten (logisch). Aber vielleicht irre ich mich da auch.
Die Arenen sind okay und im Grunde völlig unspektakulär. Die Partikeleffekte bei diversen Moves wissen zu gefallen. Soundtrack (gibt es da überhaupt einen?) nervt immerhin nicht und die deutsche Synchro ist in der Story mitunter recht amateurhaft.
Fazit: Das Spiel geht momentan neu zum Preis von 20 Euro weg und da kann man im Grunde nicht wirklich was falsch machen. Auch der magere Umfang fällt da nicht so ins Gewicht. MK vs DC ist ein nettes und spaßiges BEU der simpleren Sorte, welches sich durch seine "andere" Präsentation gut von den restlichen BEUs auf dem Markt abhebt. Wer wegen dem neuen MK, das auf der E3 vorgestellt wurde, Blut geleckt hat, der sollte hier zwecks Einstimmung durchaus einen Blick riskieren. Es lohnt sich.
