Silent Hill: Downpour (360)
Nach knapp 1,5 Stunden Spielzeit muss ich sagen, das ich von dem Spiel ziemlich beeindruckt bin. Die Charakteristika eines klassischen Silent Hills sind zwar kaum spürbar, aber ignoriert man einfach mal die Tatsache, das es sich hier um einen weiteren Teil der Reihe handeln soll, ist Downpour echt ein unglaublich gutes Horrorspiel geworden.
Der Aspekt des Entdeckens ist wirklich stark ausgeprägt, überall gibt es Türen zu öffnen, Räume zu erforschen, Häuser zu durchsuchen, wobei das Spiel zwischen den Gebieten und Räumlichkeiten komplett ohne Ladezeiten auskommt, der Übergang ist also fließend und verstärkt das Gefühl, sich in einer großen, zusammenhängenden Welt zu bewegen. Dabei ist das Leveldesign relativ offen gestaltet und man hat oft das Gefühl sich abseits der eigentlichen Handlung zu bewegen bzw. das Spiel auf eigene Faust zu erkunden.
Kämpfe bzw. Gegner waren in den 1,5 Stunden relativ rar gesät, in der ersten Stunde hatte ich sogar gerade mal einen Kampf, der Rest war reines Entdecken, ein paar Rätsel und der erste Übergang in die Zwischenwelt, welcher mit seiner Verfolgungsjagd wohl das bis jetzt nervigste Element im Spiel war. Dieses Gehetze durch Gänge und Türen ist mitunter die billigste und einfallsloseste Art beim Spieler Stress aufzubauen, denn sobald man gemerkt hat das dieses rot glühende Schwarze Loch weniger gefährlich ist als es ausschaut, geht die Bedrohung komplett flöten. Vor allem weil es gar nicht nötig gewesen wäre, da die Zwischenwelt ihren Reiz dadurch gewinnt, das sie nicht wie in den alten Teilen ein Geflecht aus Rost, Blut und Stahl ist, sondern mehr einer riesigen Pumpanlage ähnelt, einem permanent pulsierenden und martialisch vor sich hinvibrierenden Maschinenkomplex, der durch seinen ständigen Lärmpegel aus Stampfen und Rauschen eine komplett eigene Atmosphäre entwickelt.
Die Kampfsteuerung, so muss ich gestehen, war in Homecoming weitaus besser gelöst. Auch wenn der 5. Teil sonst kaum etwas zum Franchise beigetragen hat, aber verglichen mit dem sehr staksigen Movement des Downpour-Charakters war man in Homecoming mit seinen Ausweichbewegungen ja geradezu agil unterwegs. Das restliche Itemsystem, keine Ahnung wer sich das ausgedacht hat, aber warum kann ich z.B. Funkgerät, Pistole oder Lampe sichtbar an meinen Gürtel schnallen, das Messer das ich gefunden habe aber nicht? Ich kann die Taschenlampe in die Hand nehmen, dann lasse ich das Messer fallen, stecke ich sie (angeschaltet) an meinen Gürtel bringt es genau so viel und ich hab wieder eine Hand frei...sehr konfus das ganze.
Was das Storytelling anbelangt, so ist es gegenüber Homecoming eine immense Verbesserung, Downpour erzählt sich permanent mit Sequenzen, Ereignissen oder Kommentaren des Protagonisten. Es ist bei weitem nicht so zusammenhanglos und aneinander geklebt wie sein Vorgänger und man findet in allen Ecken Hinweise, Ausschnitte oder Schilder die die Welt und ihren Hintergrund immer weiter ausschmücken, jedes Zimmer und jeder Ort erzählt eine kleine Geschichte und im Grunde lohnt es sich jede noch so kleinste Ecke zu erforschen. Downpour ist auch das erste Silent Hill, welches den Spieler nicht sofort in's kalte Wasser wirft, sondern mit einem relativ langen Prolog den Charakter aufbaut, Sympathien setzt und der Handlung einen Vorbau gibt. Zwar steht das in keinem Vergleich zum z.B. unglaublich intensiven Anfang von Silent Hill 2, zeigt aber wie filmisch sich ein Silent Hill auf der "Next" Gen inszenieren kann und auch sollte.
Zum Sound muss ich noch abschließend sagen, das ich natürlich Yamaoka vermisse. Ich hab vor Downpour knapp eine Stunde Silent Hill 2 HD angespielt und was dort an Sounddesign aufgefahren wird ist einfach unfassbar gut, da kann Downpour natürlich nicht mithalten. Trotzdem ist es den Entwicklern bzw. Sound-Designern gelungen eine unglaublich intensive und dichte Soundkulisse aufzubauen, die das Gameplay mit ständigen Umgebungsgeräuschen, Schockmomenten und seltsamen Geräuschen füttern. Und zum Glück wurden Korn wohl in die Credits verbannt...
Ich weiß nicht was die nächsten Stunden für mich bringen werden, aber ich bin jedenfalls ziemlich angetan von Downpour. Nicht als Silent Hill, sondern als eines der ersten wirklich ernst zu nehmenden Survival-Horror-Games dieser Gen (Condemned und Alan Wake mal außen vor gelassen).