Das verstehe ich zu 100%. Mich hat das Spiel auch wirklich stark beeindruckt. Das stellt sich mühelos neben meine bisherigen TOP VNs. In der Retrospektive betrachtet, mit etwas Abstand von dem Titel nun, würde ich es sogar als das beeindruckenste VN-Erlebnis für mich bisher bezeichnen. Das beginnt beim überraschend hohen Production Value und geht über zu dieser betont einzigartigen Welt. Wie sie diese Welt aufgebaut haben und wie sie einen in diese abtauchen lassen, ist absolut fantastisch - grandioses World Building, durch und durch.
Richtig toll fand ich es auch welche Connection man hier mit dem Hauptcharakter aufgebaut hat. Die einzige Person die einen auf diesem wahnsinnigen, teilweise fast schon traumatischen Trip begleitet, der ihn (Takeru) bis an den Rand des Wahnsinns treibt. Dabei will ich nur mal beiläufig betonen: Die Story von Alternative hasst den Spieler offenkundig, hasst es wie er daran glaubt, dass alles doch noch gut werden kann und setzt alles daran ihm diese naiven Flausen mit aller Kunst ihres superben Writings (welches mich auf Arten beeinflusst hat die mir noch neu waren) auszutreiben. Dabei schießt sie außerordentlich scharf. Ich würde das Spiel keinem Menschen mit PTSD raten, denn das könnte ziemlich unangenehme Reaktionen hervorrufen. Das schrammte teilweise schon hart am Horror Genre vorbei, mit seinem Psycho Terror. Muv-Luv Alternative hat mir im Grunde fast alles geboten was ich von diesem Typ Story erwarte und dies zudem außerordentlich gut ausgeführt. War ein emotionaler Ritt auf der Kanonenkugel, wie ich ihn selten durch ein Medium vermittelt bekam.
Die Symbiose der beiden Titel ist auch eine sehr interessante. Teil 1 ist ja quasi nochmal in zwei Teile unterteilt, davon ist der erste extrem unspektakulär und kaum mehr als eine 0815 Dating Sim. Obwohl ich ja vorgewarnt wurde, dachte ich zunächst im falschen Film gelandet zu sein und hätte wohl abgebrochen, wenn ich nicht die Aussicht darauf gehabt hätte, dass es spätestens mit Alternative genial werden soll. Irgendwann gelangt man dann in die 2. Phase des ersten Teils und ist schon fast frohlockt, dass es nun einen anderen Ton anschlägt und etwas von seiner zukünftigen Genialität durchsickern lässt, nur um dann zu bemerken, dass sehr viel Potential verschwendet wurde. Man steigt quasi vom Trabbi in einen feschen Mustang um, der jedoch auch nicht so richtig in die Gänge kommen will, ehe der Mustang dann jedoch überraschend vor einem Spaceport hält und man mit einem Raumschiff durchstartet. Die beiden Teile bedingen einander aber unbedingt. Teil 2 braucht die Vorarbeit die durch Teil 1 geleistet wurde und Teil 1 wird, wie Blackburn bereits angemerkt hat, von Teil 2 sogar aufgewertet. Das war meiner Meinung nach definitiv so von den Entwicklern geplant und kein Ausrutscher, so sehr wie die beiden Titel dann doch ineinander greifen.
Man muss jedoch schon unglaublich viel Vertrauen in sein Werk haben, um so eine Erzählstruktur zu wagen, die erst im Nachhinein zu glänzen beginnt. Als Gesamtwerk aber mitunter eine der epischten und sicher einprägsamsten Geschichten, die mir bisher unterkamen. Ganz großes Kino.