Okay, dann versuche ich mich hier mal an einem etwas umfassenderen Beitrag zu meinen letzten (positiven) Erfahrungen am Brettspieltisch. Aufgrund komplizierter persönlicher Umstände war es in den letzten Monaten etwas schwierig in gewohnter Regelmäßigkeit in der Brettspielrunde zusammenzukommen, aber zuletzt hat es zumindest wieder etwas häufiger geklappt. Leider vergesse ich immer am Spieletisch selbst Bilder zu machen, daher bediene ich mich bei den Fotos mal frech bei BGG.
Die weiße Burg (zu dritt)
Obwohl ich es bereits seit letztem Jahr besitze erst die dritte Partie (Cult of the new ist ein Ding bei uns, daher kommen viele Spiele nicht mal über die Erstpartie hinaus).
Ich mag es sehr gerne und scheinbar kann ich es auch sehr gut. Da gibt es vermutlich einen Zusammenhang. Dritter Sieg im dritten Spiel, 61 zu zu 48 zu 33.
Trotz großen Hirnverzwirblerpotentials bleibt das Spiel aufgrund seiner gnadenlosen Limitierung auf exakt 9 (Ketten-)Spielzüge in angenehmen Rahmen was die Spieldauer betrifft. Über eine Stunde kommt man hier quasi nicht hinaus, es sei denn man hat allzu große Problemspieler mit Analyse-Paralyse-Anfälligkeit in der Runde.
Ich hab auf jeden Fall Lust das demnächst wieder auf den Tisch zu bekommen.
Pan Am (zu dritt und zu viert)
Hab ich mir am Prime Day für sehr günstige 18 Euro geschossen weil mich die Aufmachung angesprochen hat und ich Netzwerk- und Aktienspielen grundsätzlich was abgewinnen kann, dafür aber erstaunlich wenig Spiele dieser Art besitze.
Kam überraschend gut an! Was mich wiederum überrascht hat. Ich fand die beiden Partien auch gut, aber ich hätte nicht gedacht, dass meine Mitspieler so begeistert wären. Direkt am nächsten Spieleabend wurde die Zweitpartie eingefordert.
Das Spiel selbst würde ich im unteren Kennerbereich einordnen, angenehme Spiellänge von etwa 90 Minuten. Gespielt wird über 7 Spielrunden, die jeweils mit einem aufgedeckten Ereignis eingeleitet werden. Dann geht es darum, mit seinem Flugunternehmen Verbindungen zu befliegen, die man zum eigenen Profit bewirtschaftet. Aber der richtige Reibach wird damit gemacht, die Strecken an den sich anschickenden Monopolisten im globalen Flugverkehr, Pan Am, abzutreten und somit doppelt abzukassieren. Siegentscheidend ist am Ende nur, wer die größten Aktienanteile von Pan Am besitzt. Und dafür ist vor allem das Timing entscheidend. Am Rundenende kann ich in Aktien investieren. Ist der Kurs gerade günstig? Wie viel Bargeldreserven brauche ich, um in der kommenden Runde auf die Aktionen zu bieten, die ich ausführen möchte?
Interessanter Mix an Mechaniken und schöne Mischung aus Interaktion durch das Bieten und Verdrängen beim Einsetzen der Arbeiter, der Reihenfolge beim Streckenbau, dem Zufallselement an verschiedenen Ereigniskarten.
Gibt es oft günstig, für unter 30€ kann man bedenkenlos zuschlagen würde ich sagen.
Harmonies (zu zweit, dritt und zu viert)
Das Auge isst mit. Wunderschönes Legespiel, dass eine schöne solistische Knobelaufgabe ist. Interaktion gibt es nur indirekt, indem man aber durchaus ein bisschen auf dem Schirm haben muss auf welche Steine die anderen Spieler so gehen um möglichst selbst die Steine nehmen zu können, um die dann weniger Konkurrenz herrscht.
Würde ich jetzt nicht immer selbst vorschlagen, aber jederzeit mitspielen wenn es jemand anders auf den Tisch bringt. Ist derzeit das süße, schnelle Legespiel, das immer irgendwie Saison hat. Calico, Cascadia, jetzt eben Harmonies.
First Empires (zu dritt und zu viert)
Ich hab es glaube ich für knapp 10€ geschossen und tatsächlich findet man das weiterhin für einen ähnlichen Kurs. Geheimtipp!
Für den Preis eine unverschämt gute Aufmachung samt kleiner Pappschächtelchen für das jeweilige Spieler*innenmaterial.
Drinnen steckt dann eine kurzweilige Mischung aus Risiko und Kniffel, indem man mit leicht asynchronen Völkern gegeneinander in Eroberungszügen antritt. Clou ist, dass man per Kniffelwurf seinen Eroberungszug bestimmt, dabei aber schauen muss dass man am Ende der Eroberung auf Ländern der selben Farbe vertreten ist, die auch die Würfel zeigen um in der jeweiligen Farbe seine Fähigkeiten zu leveln. Also beispielsweise kann man mit Lila öfter neu würfeln, mit Orange mehr Würfel dazu bekommen, via Gelb mehr Krieger aufs Feld bekommen etc.
Zu viert und vermutlich auch zu fünft eine spaßige Angelegenheit mit Ärgerpotenzial, aber ohne Player-Elimination wie beim Ur-Risiko.
Broom Service (zu dritt)
Ein Klassiker unserer Spielerunde. Jahrelang nicht auf dem Tisch gehabt, aber was ist das immernoch für ein Brett und warum fliegt das gefühlt schon immer unter dem Radar bei Vielspieler*innen.
Ich war wieder mal begeistert was das Spiel für eine unglaubliche Tiefe hat und wie viel Interaktion hier drin ist ohne beliebig zu sein. Das „Ich denke dass du denkst dass ich denke“-Prinzip wurde hier in Perfektion umgesetzt und wie das Spiel die unterschiedlichen Spielersnzahlen balanciert ist einfach nur meisterlich. Am Ende war es ein Herzschlagfinale, bei dem ich mit 99 zu 103 zu 111 leider nur auf dem dritten Platz gelandet bin. Aber Boy, hatten wir Spaß wenn mutige Rollen nicht gespielt werden durften oder jemand zu feige war, obwohl ihn das Risiko belohnt hätte, wenn die Reihenfolge der gespielten Stiche einem komplett den Plan zerschossen hat etc.
Auch das Spiel gibt es auf dem Markt schon seit Jahren zum Ramschpreis und das ist ob der Qualität dieses außergewöhnlichen Spiels eine echte Schande!
Splendor (zu dritt) und
Splendor Duell (zu zweit)
Wir haben den Nostalgie-Schub genutzt um bei einem Mitspieler diese Klassiker-Lücke zu schließen. Reduzierter Engine-Builder, der nach wie vor hervorragend funktioniert. Immer ein spannendes Wettrennen, bei dem man gut abpassen muss wann man von reinem Engine-Building auf Siegpunktgeneration umschwenkt.
Wie so oft hätte man am Ende noch genau einen Zug mehr gebraucht, um selber den Sieg einzufahren!
Gestern dann auf BGA die Zweier-Version ausprobiert, die mir sehr gut gefallen hat.
Joa, das war’s erst mal. Demnächst vielleicht nochmal ein Post dieser Art, ein paar Spiele hab ich noch offen über die ich einige Takte verlieren könnte.