Nasreddin schrieb:
Richtig, EIN Ziel. Aber bei Videospielen ist es in vielen Fällen DAS primäre Ziel. Videospiele opfern sehr oft Ideen und Kreativität der Entwickler vor dem Altar des Kommerzes.
Da machst Du es Dir zu einfach. Das ist vielleicht DAS Ziel des Publishers. Denn wo ist die Grenze ? Ich kann nicht feststellen, wieviel Prozent an Kunst dank des Kommerziellen Korsetts noch im fertigen Produkt übrig ist und wieviel dem Geldstreben geopfert wurde. Das kann ich auch bei einem Gemälde nicht (schau Dir nur die Diskussion um Neo Rauch an, dem man durchaus Kommerzdenken nachsagen kann oder die vielen Galerien, die quasi "Kunst für's Volk" anbieten, die auch für den Normalbürger erschwinglich ist, Kommerz und Kunst gehen auch da Hand in Hand, Kunst aussuchen und einkaufen ). Dem Bild, das in mir gewisse Emotionen weckt, das mir so gefällt, dass ich es haben will, diesem Bild sehe ich doch nicht an, welche Intention dem Maler in dem Zeitpunkt des Erschaffens innewohnte ,)
Wenn ein Gegnerdesigner in FFXIII tätig wird/wurde, dann ist das für mich höchst kreativ und derjenige hat beim Design mit Sicherheit nicht ans Geld gedacht. Bin mir sicher, dass derjenige in seiner Arbeit vollkommen aufging.
So wie ich bei meiner Arbeit nicht ständig an die Kohle denke, sondern ständig Momente habe, in denen ich denke, wie mache ich das und das am Besten. Da ist auch Befriedigung dabei. Nicht nur Geldstreben.
Und wenn jemand eine künstlerische Tätigkeit ausübt, dann ist das mit Sicherheit genauso.
Weitere Frage: Ist Auftragskunst Kunst ?? Für mich ja

Kurz:
Ich kann nie ergründen, mit welcher Absicht etwas wirklich kreiert wurde !
Beispiel: Wenn das neueste Tomb Raider zum Horrorshooter wird, dann hat das nichts mehr mit künstlerischem Ausdruck zu tun, sondern dann wird ein Spiel nur noch produziert, um von möglichst vielen konsumiert zu werden. Ein Projekt wie Dantes Inferno ist nciht primär die künstlerische Interpretation eines klassischen Stoffes, sondern ein Spiel das minutiös für einen ganz bestimmten Markt geplant und produziert wurde. Immer öfter sind Spieleentwickler nur noch die Lieferanten für das, was der Markt laut Ansicht von Analysten und Marketing fordert.
Dennoch ist da meiner Ansicht nach enorm viel Kunst enthalten. Also Kunst im Sinne von etwas kreieren unabhängig davon, ob es der Masse gefällt oder nicht (das weiß der Schaffende ja nicht im Vorraus, er entwirft und muß abwarten, ob es ankommt). Ist beim Malen dasselbe. Zudem kann man exakt die Wünsche der Masse bedienen und dennoch Kunst machen.
Für mich sind auch Marvels oder andere Comics Kunst (nicht umsonst heißt es Comickunst). Ähnlich verhält es sich mit Spielen. Man hat als Macher gewisse kreative Freiheiten und die lebt man bis zu einem gewissen Grad aus.
Und ich würde nie im Traum daran denken, einem Kojima, Mikami oder Ueda (oder Mike Mignola, Kelley Jones, Todd McFarlane, wasweißich...) zu unterstellen, sie würden sich mit ihren Werken nicht künstlerisch ausdrücken wollen. Never.
Natürlich müssen Videospiele auch Geld machen. Aber von Kunst würde ich erst dann sprechen, wenn die künstlerische Vision der Entwickler die treibende Kraft für die Entwicklung des Spiels ist. Kunst muss in meinen Augen aus dem Innern des Künstler kommen. Und das ist bei Modern Warfare, Uncharted, FIFA, Gears of War, Need for Speed und Co eben nicht der Fall. Da ist der Markt die treibende Kraft. Trotzdem sind das schöne Spiele. Nicht jedes Videospiel muss Kunst sein.
Sicher gibt es da Streitfragen und Grenzfälle. Ganz wegdiskutieren möchte ich das Künstlerische aber auch bei einem Racer nicht
Und wie gesagt: Es gibt Videospiele, die ich zur Kunst zählen würde. Die Frage dieses Threads ist deshalb imo falsch gestellt. Es geht nicht darum, ob Videospiele grundsätzlich Kunst sind. Das sind nicht alle, genauso wenig wie ein zufällig gedrehtes Youtube-Video oder American Pie 5 automatisch Filmkunst ist. Die Frage muss lauten: Können Videospiele Kunst sein? Und da gibt es von mir als Antwort ein klares "ja".
Da sind wir ja fast beieinander. Nur gehe ich einen anderen Weg und sage, es gibt kaum größere Videospielproduktionen, die NICHT zu einem gewissen Grad künstlerische Elemente beinhalten und somit durchaus zur Kunst gerechnet werden können. Kommerzdenken hin oder her.