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REVIEW Ryse: Son of Rome

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Die Xbox One hatte es nie einfach. Eine Vorstellung, die einem kommerziellen Selbstmord glich, ein Konzept, dessen sämtlichen Vorteile ausschließlich auf den US Markt zugeschnitten waren, Restriktionen schlimmer als jede PC Version und zu guter Letzt der dümmste Konsolennamne seit dem Nintendo Piss. Nach und nach sah Microsoft das Übel Gott sei Dank ein und sorgte in einer beispiellosen 180Grad Wende dafür, dass aus der One letztlich doch noch eine Konsole wurde. Auch bis zum heutigen Tage sehe ich in der PS4 das wesentlich größere Potential, aber ein, zwei Spiele ließen mich dann doch mit Neid auf die One blicken. Eines davon war Ryse: Son of Rome, entwickelt von Crytech, bekannt für Crysis und wenig anderes.


Best of media


Ryse erzählt die Geschichte von Marius, einem römischen Legionär, dessen Familie an einer Überdosis Schwert gestorben wurde. Ryse beginnt am Ende, mit Marius wie er sich mit Kaiser Nero vor der Kulisse des brennenden Roms einschließt und ihn anschließend mit seiner Lebensgeschichte foltert. In erstaunlich langen und ausschweifenden Cutszenes lernen wir Marius' Weg kennen, seine Gefechte mit den Barbaren, seine Treffen mit mysteriösen, schwebenden Ladies und einer Legende von Damokles, nicht zu verwechseln mit dem bekannten Damokles und seinem sprichwörtlichen Schwert, der griechischenn Ursprunges ist. Aber so wirklich scheinen sich die Entwickler hier auch nicht für Historie interessiert zu haben. Marius ist ein wenig zu ernst, was insbesondere in Zusammenschau mit Neros lächerlich überzeichneten Söhnen mehr als merkwürdig wirkt. Was sich die Entwickler beim Kolosseum gedacht haben, wird auch deren Geheimnis bleiben. Dass die Animus-Artefakte nicht auftauchten war hier auch schon alles. Glaubhaft ist etwas anderes. Das gilt ebenso für das Ende, welches einen Wunsch meinerseits auf einen Nachfolger ins Negative gerückt hat. Danke sehr, aber wir haben schon ein Assassin's Creed und ich würde einiges dafür geben, um das loszuwerden.


Generell schafft es Ryse nie, eine eigene Identität zu erschaffen. Stattdessen kopieren die Entwickler Szenen aus allen möglichen Quellen, von God of War über Gladiator und 300 bis hin zu Saving Private Ryan. Manche Dialoge sind nahezu 1:1 aus Herr der Ringe kopiert. Die Anleihen sind so offensichtlich und Crytek offenbar so desinteressiert, dass die Achievements für die entsprechenden Level ungelogen „Saving Private Marius“ und „Heart of Darkness“ heißen.


War... it never changes...


Das Gameplay lässt sich tatsächlich am besten beschreiben als Call of Duty in Rom. Ihr bewegt Marius auf den engstmöglichen Korridoren vor der Kulisse eines spektakulären Krieges in Richtung des nächsten Checkpunktes und erlegt auf dem Weg dorthin, was das Spiel euch vor Schwert und Schild wirft. Die Wege sind streng vorgeschrieben, die Umgebung ist klein, wenig bis gar nicht interaktiv, Kamerakontrolle wird oft und gern weggenommen, Cutszenes dauern ewig, vorgeschriebene Geschützturmsequenzen (Call of Duty, ich sag es doch) und gezwungen langsames Gehen mit Kollegen gehört ebenfalls zum Guten Ton. Auf dass der Spieler bloß nicht auf die Idee kommt, hier irgendwas durch seine Mitwirkung zu ruinieren, wir haben uns soviel Mühe bei der Inszenierung gegeben. Brad von giantbomb meinte, dass vom ursprünglichen KinectSpiel, als das Ryse mal erscheinen sollte, nicht viel übrig geblieben sein dürfte. Nach dem Durchspielen sehe ich das anders. Sehr viel Input hat der Spieler wahrlich nicht. Nirgendwo wird das deutlicher als im Finale des Spiels, das sehr gut demonstriert, wie das Spiel wohl damals ausgesehen hätte.


Marius kämpft mit Schwerthieben, Schildstößen, um Gegner zu öffnen, Blocks und Ausweichrolle. Es gibt keine Combos im eigentlichen Sinne, aber einen Trefferzähler, der ähnlich fungiert wie in Rocksteadys Batman Spielen. Schön ist die Variation der Gegner. Einige müssen durch gute Blocks geöffnet werden, andere durch Ausweichrollen, andere am besten durch Schildstöße. Es gibt dabei keine Markierungen über den Gegnern, sodass ihr tatsächlich die Augen auf die Gegner und deren Bewegungen legen müsst. Das kann gefallen. Der größte Fauxpas war für mich die Erkenntnis, dass ihr zwar von einer Kombo jederzeit in den Block abbrechen könnt, nicht aber vom Block in die Rolle. Wer also versehentlich blockt und zu spät erkennt, dass die Attacke unblockbar ist (hier leuchtet der Gegner dann doch wieder rot auf), der kann nur noch zusehen, wie Marius eine Mütze voll eingeschlagenem Schädel kassiert.


Finish him


Habt ihr die Gegner genug beschnitten, erscheint ein roter Totenkopf über ihnen und erlaubt euch, per Tastendruck einen Finisher auszulösen. Das Spiel geht in eine Szene über, in denen die Gegner abwechselnd blau und gelb leuchten. Eure Aufgabe ist es nun, die richtigen Tasten (x und y, je nach Farbe) zu drücken und Marius erledigt die Barbaren in besonders ausufernder Art und Weise. Wenn ich nun Aufgabe sage, meine ich damit eher Angebot. Drückt die Tasten rechtzeitig, drückt sie zu spät, drückt die falschen Tasten, drückt gar nichts... es spielt keine Rolle. Marius macht, wie er meint. Ok, es gibt weniger Punkte für die Finisher, aber davon abgesehen ist eure Rolle als aktiver Part reichlich beschränkt. Die Motivation für die Teilnahme liegt einzig daran, dass ihr pro Finisher Boni erhaltet auf Elemente, die ihr selbst jederzeit per Steuerkreuz auswählen könnt. XP (Punkte für ein rudimentäres Upgradesystem), Focus (Rage of the Titan Modus, das Übliche), Schaden und Gesundheit (selbsterklärend).


Die Upgrades geben etwas mehr Gesundheit, hier und da einen neuen Finisher, aber im Kern bleibt das Gameplay nach dem Tutorial bis zum Ende gleich. Nicht einmal ein neues, besseres Schwert oder auch nur eine andere Rüstung gibt es. Die Auflockerung des reinen Kampfes erfolgt quasi nur in Form von beinahe selbstlaufenden Szenen oder dem unsäglichen Speerwerfen auf feindliche Bogenschützen, was sich als Spaßbremse sondersgleichen herausstellt.


Ebenso könnt ihr an einigen Stellen eigene Truppe aufstellen und befehligen, auf Feinde zu feuern. Dies geht entweder über Kinect oder durch 10minütiges Halten des linken Bumpers. Ja, Crytek hat die Alternative zu Kinect so fürchterlich ätzend ausgestaltet, dass man lieber Kinect nutzt. Kinect selber funktioniert, allerdings etwas zu gut. So lautet der Befehl „fire volley“. Nach anfänglichen Bemühungen meinerseits versuchte ich auszuloten, wie eng Kinect meine Aussprache wirklich nimmt. Das „volley“ ignoriert es zum Beispiel vollkommen. Beim „fire“ akzeptierte es alles von feuer über feier bis zu Faaaaaaaaaaa. Wahrscheinlich genügt ein lauteres Rülpsen und Kinect springt drauf an. Da merkt man, wo die 100 Euro Preisunterschied zur PS4 liegen.



Aber guck die schönen Bildchen... oah...



Technisch überzeugt Ryse aber auf ganzer Linie. In den Zwischensequenzen hätte man das ohne weiteres als realen Spielfilm verkaufen können, der Detailreichtum der Gesichter ist geradezu pervers. Die abwechslungsreiche Umgebung, das Wasser, die Botanik und die Feuereffekte lassen ebenfalls keine Zweifel an der Leistungsfähigkeit der Xbone aufkommen. Das Gerät hat Power. Unschöne Kleinigkeiten wie zu oft sich wiederholende Gegner, lächerlich comichafte Amputationen und Ungereimtheiten bei den Animationen trüben den Gesamteindruck, aber Ryse dürfte insgesamt ohnehin nicht mehr als ein proof of concept sein. Die britischen Voiceactor können fast durch die Bank weg gefallen.



Stay Down: Son of Rome



Technisch eine Wucht, zumindest auf Screenshots und ausgewählten Clips, unverbrauchtes Setting und viel Blut. Besser hätte man einen Launchtitel kaum hypen können. Leider Gottes merkt man dem Spiel die Entwicklungshölle an. Gameplay war hier nie wirklich ein Thema und so wundert es nicht, dass Ryse zu großen Teilen auf Schienen läuft und den Spieler kaum einbindet. Die Story ist schwachsinnig und billig aus allen möglichen Quellen zusammen geklaut, Marius als Charakter wird zu keinem Zeitpunkt aufgebaut und der übernatürliche Aspekt ist ein störender Fremdkörper. Wo die Reise hier hingehen soll, insbesondere im Hinblick auf den letztgenannten Punkt, wird nie klar. Ryse ist kurz, ca. 6 Stunden Spielzeit, und nahezu ohne jede Substanz und selbst die Grafik hält näherer Betrachtung in Details wie Animationen und Spielwelt kaum noch Stand. Es bleibt zu hoffen, dass die Xbone in Bälde Spiele bekommt, die in ähnlicher optischer Qualität echtes Gameplay anbieten, ansonsten wird der Knochen nicht viel mehr der teuerste Staubfänger meiner Wohnung.


Ich würde ja sagen, das dies die teuersten 6 Stunden Unterhaltung meines Lebens waren, aber tragischerweise wäre dies gelogen.
 
Wieder schön geschrieben und alles Bartisch zusammen gefasst. Hab mich auf das Review schon gefreut seit ich gelesen habe dass du es dir gekauft hast. Wie im Thread schon gesehen gewichtet die einzelnen Kritikpunkte jeder anders. Es erinnert vom Gameplayinhalt ja wirklich sehr einem Shooter.Mich hat es extrem an das Feeling bei Gears 1 damals erinnert.
 
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