Ich habe die 35€ Fat Lady inzwischen erhalten! Es folgt eine Geschichte voller Höhen und Tiefen. Hoffnung, Trauer und Enttäuschungb. Und Spoiler-Alert: sie endet in Gewalt.
Die Story ging schon fies los! Das Gerät wurde scheinbar mit mit wenig gutem Willen und 'ner gehörigen Portion Optimismus für den Versand "vorbereitet". Die Fat Lady rumpelte bei der Entgegennahme völlig frei im Umkarton herum. "Schöne Schei*e", dachte ich mir. "So geht man doch mit einer 14 Jahre alten Hardware nicht um."

Ausgepackt und von zwei dünnen Schichten Luftpolsterfolie in einem deutlich zu grossen Karton befreit, klapperten auch im Inneren der PS3 lose Teile. "Vielleicht sind das ja nur die schnuckeigen, kleinen Astrobots, von denen immer alle reden", so meine Hoffnung.

"Die kack Konsole wird natürlich auf keinsten Fall laufen", und da war ich mir in meiner gestochen scharfen Analyse auch sehr sicher.
Aber...ich wurde lügend gestraft. Die PS3 sprang trotz ihres katastrophalen Zustands auf wundersame Weise sofort an. Zerkratzt war sie ohne Ende, der Lüfter pfiff aus dem letzten Loch, aber: sie bootete, Wifi lief, Festplatte okay. Auf den zweiten Blick alles gut! Nur das Laufwerk tat es nicht. Das erwähnte der freundliche Verkäufer ehrlicherweise aber auch dazu. Der Allgemeinzustand der PS3 entsprach natürlich bestenfalls "gehobenem Schrott". Ein großes Loch klaffte auf der Unterseite des Gehäuses. Klappernde Teile im inneren der Konsole. "Die musst du mal aufmachen", so der Auftrag.
Und so machte ich mich frisch ans Werk, die alte Lady noch ein letztes Mal auf Vordermann zu bringen. Entkleidete die alte Dame fleissig Schicht für Schicht und befreite sie unterwegs von einem guten Pfund Staub (natürlich mit geschickter Hand auch an ihren sensiblen Stellen

). Laufwerksmechanik gecheckt (leider erfolglos, war nämlich alles ok). Und auch das klappernde Stück Gehäuseplastik konnte ich aus den Innereien der Dame fischen. Soweit so gut. Hätte ich mich an der Stelle zufrieden gegeben, wäre sie mir vermutlich noch ein Weilchen treu geblieben. Ein Ersatz-Laufwerk wäre sicherlich auch schnell gefunden gewesen. Aber was vergisst der geneigte Technik-Geek selbstverständlich nicht: Wärmeleitpaste erneuern nicht vergessen!
Denkste! Zudem kam ich natürlich noch auf die glorreiche Idee, die Prozessoren zu köpfen. "Wenn du schonmal dabei bist und das irgendwelche Ottos auf YouTube können". "Auf geht's, volles Risiko und was soll schon schief gehen!!".

Nach ca 2 Stunden des Schraubens, Steckens, Pinselns und von-Staub-frei-Pustens, schob ich meinen Schraubenzieher sanft unter den Heatspreader der GPU. Als ich zum Hebel ansetze, wusste ich schon, dass sie es mir nicht leicht machen würde. Das Metall gab keinen Zentimeter nach. Zwei, drei, vier Versuche später. Nichts! "Jetzt bist du eh schon drin". Fünf, sechs, zehn Versuche. Beim dutzendsten Mal flog der Heatspreader mit einem lauten *Knack* hoch und sauste in hohem Bogen durch die Luft. "Endlich!" Erleichterung und Bange hielten sich in diesem Moment die Wage. Und worauf blickten meine vom Staub der PS3 angegriffenen, müden Augen da? Selbstverständlich! Einen fetten Kratzer auf dem PCB der Grafikeinheit. Genau da, wo Mister Genius seinen Schraubenzieher zigfach erfolglos zum Befreiungsakt ansetzte quoll nun blanker Kupferdraht hervor. Da half ihm leider auch die untergelegte Pappe nicht viel. Die Fat Lady wollte ihren letzten Tanz mit mir einfach nicht tanzen. Wollte ihr Innerstes nicht kampflos offenbaren. Und so starb sie auf dem OP-Tisch. Nackt, bewusstlos und allein.
Wieder zusammengebaut und bekleidet, war die Fat Lady nicht mehr die gleiche. Den Startversuch quittiert sie mit drei Piepsern und einer panisch-rot blinkenden LED, die schreite "Nicht du! Nicht heute! Nicht mir mir! Lieber will ich tot sein" Rest In Peace, liebe PS3. Es hätte so schön mit uns werden können.
